14. Hochzeit-Gedichte

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau: 14. Hochzeit-Gedichte (1647)

1
Sol der Degen an den Nagel?
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Wird der Helm nun abgelegt?
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Ruht der blaue Feuer-Hagel,
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So den Schlacht-Gott selbst bewegt?
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Soll die Lust den Feind zudämpfen,
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Zubezwingen Stahl und Stein,
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Soll die Brunst zu Sturm und Kämpffen,
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Todt und gantz erloschen seyn?

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Also kan ein süsses Blitzen,
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Und ein Wunder-reicher Brand,
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Dich nach neuer Art erhitzen,
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Und verändern Hertz und Hand,
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Daß du fühlst ein neues Brennen,
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Daß du folgest frembder Fahn,
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Daß dich Mars nicht mehr will kennen,
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Daß du suchest neue Bahn.

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Diß sind Kräften dieser Gaben,
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Diß sind Funcken dieser Gluth,
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So der Himmel hat gegraben
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In der Liebsten Geist und Blut.
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Dieses ist, was dich den Degen,
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So dir noch kein Feind gethan,
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Freundlich heisset niederlegen,
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Und dich übermeistern kan.

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Und wie solten nicht die Blicke,
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Die ein keusches Auge führt,
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Derer Glut durch keine Tücke
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Falscher Zeiten wird berührt,
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Stahl und Eisen selbst entbrennen.
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Mars und seine Helden-Hand,
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Sollt er diese Venus kennen,
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Fühlte mehr als Liebes-Brand.

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Sind nicht Adel, Witz und Tugend
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Vor Geschwister hier geacht?
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Zeigt die frühlings-gleiche Jugend
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Nicht die bundte Wunder-Pracht?
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Sind nicht die berühmten Schätze,
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So die Morgenröthe trägt,
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Nach der Schönheit Kunst-Gesetze
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Auf den keuschen Mund geprägt?

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Sind die klaren Asteriten,
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Und das ungemeine Licht,
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So die Freyheit dir bestritten,
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Und in deine Seele bricht,
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Nicht der Sonnen selbst zu gleichen,
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So im Himmel Wache hält,
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Und begierig Ihm zuweichen,
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Zeitlich in die Welle fällt?

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Nun du wirst mit solchen Gaben
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Von der grossen Hand umkräntzt,
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Die mehr Pracht und Schönheit haben,
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Als in
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Warlich du hast viel gewonnen,
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Der du dieses Band erkiest,
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So der Himmel selbst gesponnen,
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Und fast mehr als Freyheit ist.

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Schönste Braut, sey nicht bestürtzet,
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Freude hindert nicht die Zucht,
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Wer hat deine Macht verkürtzet,
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Und gestört des Sieges Frucht?
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Herrsche frey auf deinem Throne,
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Dessen Freyheit du belegt,
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Setzet keines Reiches Crone,
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Für die Fessel, die es trägt.

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Edles Paar, genießt der Früchte,
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So der Himmel euch geschenckt.
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Schaut doch, wie mit einem Lichte
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Hesperus sich zu euch lenckt.
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Tausend hoch gestellte Kertzen,
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Leuchten euch zur Abend Ruh,
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Und Cupido schleusst mit Schertzen
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Die berühmte Kammer zu.

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Bleibet lange bey Gelücke,
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Doch nicht allzulang allein,
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Lasset zarter Augen Blicke,
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Eurer Liebe Zeuge seyn,
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Zeugen eurer grünen Jugend,
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Zeugen eurer jungen Zeit,
79
Zeugen eurer Väter Tugend,
80
Und der Mutter Freundligkeit.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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