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Sehnt ihr die Zeit zurück, da noch des Himmels Söhne
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Durchwandelten die Welt, wo reich der Glaube sproß;
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Die Zeit, da, Jungfrau noch, sich Anadyomene
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Aus blonden Locken wand der Mutter bittre Thräne
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Und auf den Keim der Welt den Thau der Liebe goß?
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Sehnt ihr die Zeit zurück, da noch der Nymphen Chor
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Den Reigen sonnbeglänzt durch Wasserblumen schlang
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Und jäh den trägen Faun im dichten Uferrohr
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Aufschreckte aus dem Schlaf mit neckischem Gesang;
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Da noch Narzissens Kuß die Quellen beben machte;
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Da aus Mykenäs Thor ein gottgezeugter Held,
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Vom blutigen Löwenfell umwallt, der weiten Welt
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Nach göttlichem Beschluß gerechten Frieden brachte;
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Da noch im hohlen Stamm der Waldgott träumend schlief,
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Wenn er nicht schaukelnd saß in grünumlaubter Höh'
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Und auf des Wandrers Lied das Echo äffend rief;
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Da Alles göttlich war, sogar des Menschen Weh;
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Da noch die Welt verehrt, was heutzutag sie schlachtet;
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Da man nur mehr geglaubt, je mehr es Götter gab;
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Da Alles froh gejauchzt, Prometheus nur geschmachtet,
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Dem, wie für Satan auch, der Hochmut grub das Grab?
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Ein goldnes Säkulum aus Barbarei und Schmach;
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Die Zeit, da Lazarus mit neubelebter Hand
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Für alle Welt zugleich den Stein des Grabmals brach?
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Sehnt ihr die Zeit zurück, da alter Lieder Klang
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Auf goldnen Flügeln sich zum lichten Himmel schwang;
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Des Herzens Glaube noch, und noch das Werk der Hand
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Im jungfräulichen Kleid des frischen Werdens stand;
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Da unter Christi Hauch ein neu Geschlecht erwachte;
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Da Kirche wie Palast, aus hartem Stein geschlagen,
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Zum Himmel sich gestreckt, der schützend sie umdachte,
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Und noch auf ihrer Stirn das gleiche Kreuz getragen;
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Da Straßburg, Rom, Paris und Köllen an dem Rhein
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Anbetend sank auf's Knie im starren Kleid von Stein;
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Da wie ein Orgelsang so brausend und so voll
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Das Lob der neuen Zeit aus tausend Kehlen schwoll;
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Und da, was Märchen nun, noch traute Wahrheit war;
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Da ein geschnitztes Kreuz auf heiligem Altar
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Dem Sünder Ruhstatt noch in weißen Armen bot –
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Da jung das Leben war – und hoffnungsreich der Tod?
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Zu jenen zähl' ich nicht, die des Gebetes Drang
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Zum düstern Tempel führt auf schlotternd frommen Füßen;
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Mit jenen schleich' ich nicht auf den Kalvariengang,
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Die, schlagend an die Brust, des Heilands Wunden küssen.
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In deinem Tempel, Christ, verweil' ich ungebückt,
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Wo murmelnd zum Gesang, der von der Höhe hallt,
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Dein treues Volk sich scheu um graue Pfeiler drückt,
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So wie das schwanke Schilf im Hauch des Nordwinds wallt.
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Der allzu alten Welt bin ich zu spät geboren.
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Vom heiligen Worte wird mein Herz nicht mehr gebannt;
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Denn mit der Hoffnung ging uns auch die Furcht verloren,
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Seit neuer Sterne Glut den Himmel leer gebrannt.
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Des Hirnes Wahnwitz schleift nach nebelgrauen Weiten
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Auf's blinde Ungefähr die traumerwachte Welt.
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Um morsche Trümmer irrt der Geist der alten Zeiten –
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Der ewige Wirbel brüllt – dein letzter Engel fällt!
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Nur mühsam tragen dich die Nägel Golgatha's;
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Dein göttlich Grabmal ward der wilden Mächte Raub:
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Dein Ruhm ist todt, o Christ – auf schwarzen Kreuzen fraß
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Selbst deinen heiligen Leib die giere Zeit zu Staub.
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Zu küssen diesen Staub – verwehr' es nicht, mein Heiland,
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Dem glaubensärmsten Sohn der glaubensarmen Welt!
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Und laß beweinen mich dies kalte Welteneiland,
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Das nur dein Tod belebt, das ohne dich zerfällt!
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Wer nun, mein Jesus, wird von neuem es beleben?
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Wer wird für uns, wie du, das reinste Herzblut geben?
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Wer wird, was du vollbracht, auf's neue nun vollbringen,
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Uns Greise, gestern erst geboren, zu verjüngen?
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So alt ist unsre Welt, wie welche dich geboren;
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Das Gleiche hofft sie wohl, doch hat sie mehr verloren.
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Aufs neu liegt Lazarus im weltenweiten Sarg,
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Doch bleicher, kälter noch, als er ihn einstens barg.
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Wo ist ein Heiland nun, der unser Grabmal sprenge?
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Und läßt kein Paulus denn sein Wort in Rom erschallen,
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Daß gläubig sich ein Volk an seine Lampen hänge?
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Wo sind nun Abendmahl und unterird'sche Hallen?
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Und wen geleitet nun der wissende Komet?
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Wo sind die Füße denn für Magdalena's Thränen?
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Wird nicht durch Wolken bald des Himmels Stimme tönen?
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Die Welt ist nun so alt, so aller Kraft beraubt;
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Verzweifelnd schüttelt jetzt wie damals sie das Haupt,
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Als Sankt Johannes ihr erschien im Wüstensand,
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Bei dessen heiligem Wort plötzlich den siechen Leib
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Erschauern sie gefühlt, gleich wie ein schwangres Weib,
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Da keimend sie in sich die junge Welt empfand.
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Sie sind zurückgekehrt, Tiber's und Nero's Tage,
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Ach! Alles, so wie einst, verwehten ja die Winde!
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O rettet! Seht, Saturn griff nach dem letzten Kinde!
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Der Menschen Hoffnung ist nun aber satt der Plage
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Und auch nicht fähig mehr zu neuer Mutterschaft;
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Sind ihr vom Säugen doch die Brüste längst erschlafft.