Meinstu mit Zucker willst du meine Quaal versüßen?

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Jakob Michael Reinhold Lenz: Meinstu mit Zucker willst du meine Quaal versüßen? Titel entspricht 1. Vers(1774)

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Meinstu mit Zucker willst du meine Quaal versüßen?
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Mitleidig göttlich Herz! wie wenig kennstu sie?
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Wenn sich nach Mitternacht die nassen Augen schließen
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Schläft doch mein Herz nicht ein, es wütet spat und früh.
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Vor Tage lieg ich schon und sinn auf mein Verderben
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Und straffe mich oft selbst und nehm' mir Tugend vor
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Und kämpf und ring mit mir und sterb und kann nicht sterben,
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Weil mich mein Unstern nur zum Leiden auserkohr.
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Ich soll dich sehn und fliehn? Dein Lächeln sehn und meiden?
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Und du verstehst es wohl, wo mirs am wehsten thut.
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Du haßest meine Ruh, es scheint dich freut mein Leiden,
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Du wünschst es größer noch, es scheint du willst mein Blut.
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So nimm es göttliche! ein kleines Federmesser
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Eröfnet mir die Brust, wie sanft würd es mir thun?
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Ach thus, durchbor mein Herz, gewiß dann wird mir besser,
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In deinen Armen will ich dann vom Leben ruhn.
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Ach welche Süssigkeit! von Lieb und Wollust trunken
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Schläft dann mein mattes Haupt von seiner Unruh ein,
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Auf deinen süßen Schooß verliebt herabgesunken,
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Und küßet sterbend noch die Ursach seiner Pein.
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Ja thus! von deiner Hand wie kann der Tod mich schröcken?
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Es ist das gröste Glück, das ich erhalten kann.
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Ein Stoß, so ists geschehn: wie süß wird er mir schmecken,
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Ein kleiner Stoß und dann geht erst mein Leben an.
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Dann will ich zärtlich dir als Geist zur Seite schweben,
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Dann wehrt es niemand mir, du selber wehrst es nicht;
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Denn darf ich ungescheut dem Munde Küsse geben,
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Der so verführisch lacht und so bezaubernd spricht.
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Dann darf so lang ich will mein Auge nach dir sehnen,
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Denn hasch ich deinen Blick und schließ ihn in mein Herz.
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Denn wein ich, wenn ich will, und niemand schilt die Tränen,
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Dann seufz ich, wenn ich will, und niemand schilt den Schmerz.
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Dann will ich dir im Traum zu deinen Füssen liegen
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Und wachend horch ich auf, wie dirs im Busen schlägt.
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Bistu vergnügt, o Glück! so theil ich dein Vergnügen,
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Wo nicht, so theil ich auch, was dir Verdruß erregt.
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Dann mein unschätzbar Gut! dann straft mich das Gewissen
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Für meine Liebe nicht, nur dann, dann steht mirs frey;
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Dann fühl ich keinen mehr von den verhaßten Bissen
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Als ob ich Frevler Schuld an deiner Unruh sey.
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Dann bistu meiner loß, nicht wahr du bist es müde
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Von mir gekränkt zu seyn? dann weißtu es nicht mehr
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Was mich schmerzt oder nicht, denn hast du ewig Friede,
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Denn nach dem Tode rührt mein Schmerz dich nicht so sehr.
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Selbst ach! dein Glück verlangts, ich fühl es, ach! mit Zittern,
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Daß ich im Wege bin – so thu es beste Hand!
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Ich muß mir täglich nur das Leben mehr verbittern,
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Und thust du's nicht – dann Gott! erhalt mir den Verstand! –

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Jakob Michael Reinhold Lenz
(17511792)

* 12.01.1751 in Cesvaine, † 15.06.1792 in Moskau

männlich, geb. Lenz

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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