Welch eine schöne Kunst Zerstöhrungen zu mahlen

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Jakob Michael Reinhold Lenz: Welch eine schöne Kunst Zerstöhrungen zu mahlen Titel entspricht 1. Vers(1771)

1
Welch eine schöne Kunst Zerstöhrungen zu mahlen
2
Und das wie Herostrat von Idealen?
3
Welch ein Triumph, dem Todten, welcher ringt
4
Ein edler Mensch zu seyn, zu weisen – wie er stinkt
5
Wie er vom Berg an den er Steine welzet
6
Herab Kopfüber purzelt und zu Staub zerschmelzet.
7
Ein heldenhaft Bemühn! o Lorbeerwerth
8
So lang ein Armer noch die Zahl vermehrt
9
Zur Ewigkeit der Ewigkeit hinüber.
10
Wer sähe nicht die
11
Als tausend schöne Lügen, die der Geist
12
Allein geheckt und auch allein geneußt?
13
Die ihm so oft die Wirklichkeit geraubet,
14
Die nur erfreun, so lang er an sie glaubet,
15
Von denen er, wenn er befangen wird,
16
So oft hinab zur Sinnlichkeit verirrt.
17
Kurzum die nichts sind. Wollt ihr euch bekehren
18
Kommt nur zu mir, ich will euch Wahrheit lehren,
19
Im sinnlichen Genuß ganz aufgelöst –
20
Da fühlt ihr sie, da seht ihr sie entblöst;
21
Das andre all ist nichts, ist Dunst, sind Träume
22
Und steht nur dazu da, daß es sich reime.
23
O Wahnwitz der die Dichterwelt regiert
24
Und manches schöne Kind durch sie verführt!
25
O Raserey! die ihr Gehirn verstimmet,
26
Daß oft ihr blitzend Aug in süssen Träumen schwimmet,
27
Daß halbgeöfnet ihr entzückter Mund
28
Dem unsichtbaren Liebsten laut ihr Herz gestund,
29
Daß ihre Wangen glühn, die schönen Wangen
30
An denen Amors halb verzweifelt hangen
31
Und ihre Hände ringen, daß sie nun
32
In Tränen baden, nicht mehr närrisch thun.
33
O Schönen hört mir zu, laßt euch entfärben,
34
Ihr seyd betrogen, Liebe ist Verderben.
35
Sie tödtet eure Freuden, sie ist Dunst.
36
Willfahret jedem, gönnet eure Gunst
37
Dem ersten besten Haushahn auf zwey Beinen –
38
So seyd ihr glücklich, braucht nicht mehr zu weinen;
39
Fühlt immer Herzweh, werdt des Lebens froh,
40
Brennt unaufhörlich wie ein Bündel Stroh,
41
Bis ihr zerflattert, bis
42
Ihr sanft entschlummert: dann verwest im Friede.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Jakob Michael Reinhold Lenz
(17511792)

* 12.01.1751 in Cesvaine, † 15.06.1792 in Moskau

männlich, geb. Lenz

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.