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Untergehend küßte die niedrige Sonne die Klippen
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Des westlichen Gestades traurig. Ihr rauschten die Wellen
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Furchtsam entgegen, und, da sie mit matterem Strahle
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Ihnen zuwinkt': er starb! da flohen sie schäumend vom Ufer
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Tief in den Schooß des Meeres hinab und rauscheten hohler. –
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Ehrerbietige Dämmrung umgab den grossen Entseelten,
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Dessen holdselige Wangen Todesbläß' entstellte.
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Doch, wie die scheidende Sonne noch erquikkende Röthe
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An dem Abendhimmel zurük ließ, so war auf dem Antliz
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JeSU die göttlicherbarmende menschenfreundliche Miene
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Noch nicht gestorben. –
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Plözlich wandte Maria ihr weitoffenes Auge
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Von dem Kreuze hinweg, schlug in die bebenden Hände,
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Konnte Seufzer dem vollen Busen nicht mehr entpressen,
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Tränen nicht mehr dem Auge. Nun eilte sie, unwissend, wo sie
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Ihre ohnmächtigen Füsse hintragen würden: ihr dunkler
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Blik sah den Himmel nicht mehr, sah nicht mehr die Erde; hoch über
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Dem starr vor sich schauenden Haupt die Arme gerungen,
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Indem war sie zu einem einsamen Thale gekommen,
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Den ein Hügel des Golgatha macht. Eine schlängelnde Quelle
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Tränkte die lieblichen Blumen, die hier den Boden durchkreuzten;
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Deren melancholisches Rieseln klang harmonisch in ihr
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Abgebrochenes Stöhnen. Ausser sich sank sie am bunten
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Ufer nieder. Zirkelnd empfing das trübe Gewässer
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Ihre einzelnen Tränen. Und sieh! die frommen Schaafe,
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Die hier weideten, nahten furchtsam zu ihr; blikten
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Starr mitleidig sie an, und blökten und weidten nicht ferner. –
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»sohn! – o göttlicher Sohn! – du bist mir entrissen – entrissen!«
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Dann blieb sie lange sprachloß, schlug an die Brust, dann sprach sie:
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»er ist dahin! – Mein Stolz dahin! – Nun bin ich nicht Mutter
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Des Allerheiligsten mehr, ein sündiges Weib bin ich izt nur.«
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Nun fiel sie auf ihr Antliz: »Du, der du starbst, o erhabner
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Göttlicher Mann, nicht Sohn mehr – klaget ihr Mütter, die ihr mich
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Selig prieset, nicht Sohn mehr, darf die elende Maria
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Die du nicht würdig mehr hieltest von dir den seligen Namen,
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Den herzerhöhenden Namen der Mutter länger zu hören,
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Darf sie hinaufflehn zu dir? Zulezt noch, bittre Erinnrung!
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Nannte dein blasser Mund mich mit diesem göttlichen Namen:
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Ach! nun hör' ich ihn ewig nicht mehr. – O Sohn, o Geliebter!
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Der du hoch über dem Staube zu dem ich verstossen bin, über
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Dieser Dämmrung in der ich weine, umringet von Engeln
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Sizzest und leuchtest und zählst meine Tränen, sie alle versammelst,
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Sende Trost in diesen geöfneten blutenden Busen,
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Dem der Sohn entrissen ist, unter dem du einst geschlafen. –
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Göttliche Stunden, ihr seid entflohn, ihr besucht mich nicht wieder,
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Da ich ihn trug den Großen, Erhabenen, Größten der Söhne. –
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Tröste mich Sohn! Jehovah! tröste du selbst mich! –
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Ich kann deinen der Gottheit beraubten, leblosen Leichnam,
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Diese Hülle, die ich gebar, die allein mir zurük bleibt,
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Jene blutrünstigen Lokken, jene noch freundlichen Lippen,
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Jene strömenden Hände, ich konnte sie länger nicht ansehn. –
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Meines trostlosen Mutterherzens, ich kann sie nicht sprechen,
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Kann seine Martern nicht aussprechen. Tröste, tröste,
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Du mich Sohn! Jehovah!«
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Hier ward ihr Sprechen ein Schluchsen;
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Ihre Seele ganz Schmerz vermocht nicht Gedanken zu denken.
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Aber bald dämmerte ihr eine Morgenröthe von Hofnung,
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Die Verzweiflung milderte sich, und stiller Kummer
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Breitete Wermuttriefende Schwingen über sie. Seufzend
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Hub sie sich auf vom tränenbenezten Boden; da hörte
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Sie in der Stille der Dämmrung wie eines Sterbenden Stöhnen.
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Und sie näherte sich der dumpfen angstvollen Stimme,
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Und sah – Petrum schlafend. An eine ächzende Eiche
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Hatt' er sein Haupt gelehnt, die Händ' auf dem Busen gefaltet,
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Und der Todesangst Tropfen blizten auf seiner feuchten
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Traurig gerunzelten Stirne; sein Herz schlug sichtbar: sie sah ihn
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Mitleidig an: »Welch schreklicher Traum verkündigt dem Treusten
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Seiner Jünger sein Schiksal?« –
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Aber furchtbare Bilder täuschten die Sinne des blöden
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Reuerfüllten Verleugners. Am Ufer des tobenden Welt Meers
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Stand, so träumt' er, ein hoher abhängiger Felsen mit dünnem
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Dürren Gesträuche bekleidt: er theilte mit eißgrauer Scheitel
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Das Gewölk. An diesem Felsen klimmte der bange
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Petrus, schon war er hoch hinangeklimmt – da verliessen
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Ihn die Kräfte auf einmal: die Reiser flatterten plözlich
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Aus seinen blutig gestreiften Händen, er haschte vergeblich
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Nach ihnen, sich an sie zu halten, und stürzte den schroffen
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Felsen hinunter, den Tod in der Brust – da ergrif aus der Wolke
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Ueber dem Felsen eine glänzende Hand ihn, und hob ihn
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Auf den Felsen empor, und eine Stimm' aus der Wolke
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Nannt' ihn Bruder, und herrlich breitete himmlische Freude
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In seiner Seele sich aus. – Doch plözlich veränderte sich die
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Scene. Am Fuß des Felsen stand er und sah – (er bebte,
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Seine Empfindung war Grenzlose Furcht, hinreissendes Staunen)
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Sah in ihrer ganzen Grösse blutroth die Sonne,
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In ihrer ganzen Grösse, umwälzend, die Feuerwelt vor sich:
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Tausend wütende Meerstrudel hätten (so braußte sie) mehr nicht
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Als das Schwirren der Mükke bei diesem Getöse die Ohren
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Fernher berührt. Und nun, o Himmelerschütterndes Wunder!
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Sank sie langsam verlöschend in die versiegenden Wogen
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Des Oceans. Sein schlammigter Grund ward sichtbar. Ein Rauchdampf
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Wie von zahllos kämpfenden Meteoren bedekte
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Den mit sträubendem Haar hinfallenden Jünger: es stürzte
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In ihm von Ader zu Ader das kochende Blut. Wie vom Tode
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Ein Beseßner erwacht, um sich den erschlagenen Vater
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Und der Mutter rauchend Geblüte von mördrischen Fäusten
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Rinnen sieht: so erschrokken, so ganz ausser sich, schlug izt
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Petrus ein wildes Aug' auf, schaute – sprang auf – sank zu Boden,
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Röchelte Seufzer: – spät erst erblikt' er Maria, da füllte
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Blut sein Angesicht, Tränen sein Aug', er wandte sich plözlich.
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»warum fliehest du Jünger? Hör' erst die schrökliche Bothschaft,
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Die mein Haupt wie ein Wetter belastet, höre sie! flieh dann!
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JeSUS verschied.« – Er hört's, stand starr, schlug laut in die Hände,
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Stöhnete laut, floh schneller, verlor' sich dem Auge und suchte Wüsten. –
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Auch Maria war izt von neuen Aengsten ergriffen:
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Unwissend wohin sie eilte, nahete sie durch das dunkle
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Thaubefeuchtete Graß an einen duftenden Hügel
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Von dessen mooßigter Stirn' ein Hayn ehrwürdiger Tannen
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Sich ins Thal hinabzog. Nie empfundener Schauer
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Drang ihr durch die Gebeine und verschlang ihre Tränen.
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»gOTT, wie heilig muß dieser Ort sein! Hier ist des Himmels
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Haus, des Allerhöchsten Wohnung. Vielleicht ward ein Weiser,
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Ein Prophet, ein Gerechter, dem Göttlichen gleich, hier begraben,
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Daß die Tannen so heilig rauschen, und süsser Schauer
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So die beschatteten Gänge dieses Hügels durchlispelt.«
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Aber plözlich durchdrang ihr Ohr ein hohles Gemurmel
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Menschlicher Stimmen: – ihr Herz schlug heftiger. Ahndungsvoll eilte
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Sie um den Hügel herum, und sah auf der östlichen Seite
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Ein Gedränge von Menschen. Mit beflügelten Schritten
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Lief sie hinzu und schaut' und fragte die rauschende Menge.
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Alles stand betrachtend. Wie auf aufschwellendem Meere
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Sich des beängstigten Fischers Ruder vergeblich bemühet:
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So erhub sie umsonst beschwörende Fragen. Izt theilte
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Sich eine Wolke von Pöbel: sie drängte sich näher und sah ein
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Hohes Grab in den Felsen gehauen, sah Joseph den Rathsherrn
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Und Nikodemus den Pharisäer. Nun ward eine Leiche
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Niedergesenkt. Sie richtete hoch sich über die Häupter
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Derer Schauenden auf, und sah – (ihr Auge ward dunkel,
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Schnelle Tränen entflohn ihm): es war Jesus. Da rekte
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Sie die zitternden Arme hoch empor: »Es ist Jesus!
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Es ist JESUS mein Sohn: wehrt nicht der Träne der Mutter
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Ihn zu betröpfeln, wehrt nicht den brennenden Lippen den lezten
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Theuren Kuß ihm zu geben.« Sie sprach es: aber die Hüter
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Schlossen schnell einen Kreiß ums Grab; sie sah ihn nicht ferner.
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Wie die rathlose Henne, der ein grausamer Knabe
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Die unschuldig schreienden Kinder entreißt, mit schneller
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Kriegerischer verzweiflungsvoller Wuth auf ihn losstürzt:
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So drang stürmisch Maria sich hizzig durch alle aufhaltende Haufen
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Und die barbarische Wache der Kriegsknechte, die ihrer Stärke
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Voll Verwundrung und Ehrfurcht auswichen. Inbrunstvoll warf sie
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Dann vor der Leiche sich hin, und weinte über der Leiche. –