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Schon verbreitet die Mitternacht das schwarze Gefieder
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Ueber den stillen Erdkreiß. Nun herrscht, von dienstbaren Schaaren
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Gaukelnder Träume umflattert, der Schlaf auf den reizenden Bogen
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Die das Auge sanftschmachtend ruhender Schönen umwölben:
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Oder er fesselt auf hartem Lager den schnarchenden Landmann,
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Der im verwirreten Traume dem langsamen Pflugochsen fluchet.
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Schwärzre Stille wohnet im Thal. Von rauchen Klippen
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Kochen Wasserfälle hinab, beständig eintönig,
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Und aus dem schaurvollen Wald ist der Vögel Stimme verschwunden.
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Doch welch blutiger Glanz steigt plözlich am finsteren Himmel
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Wechselnd empor, wird grösser, verliert sich, wächset von neuem:
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Jezo wallet er hoch auf. Mit gräßlichen Fittigen fliegen
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Rauchwolken bei ihm vorüber. Ein Sturmwind erhebet sich ostwärts
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Und sprüht feindliche Funken auf die umliegenden Dächer.
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Zitternd eilet mein Fuß dem wilden Schauspiele näher. –
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Ach ein wütendes Feuer in der entschlafenen Stadt frißt,
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Wie ein entfesseltes Unthier, was ihm begegnet. Die Häuser
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Stehn und können nicht fliehn, und bükken ihr Haupt aus den Wolken
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Nieder in Asche. Wie brauset der Nacht entweyhete Stille!
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Ueber die Flamme bläht sich der Dampf: die bleicheren Sterne
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Schwinden: den gläsernen Himmel wölkt ein irdisch Gewitter. –
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Plözlich erschallt die dumpfe Stimme der rasselnden Trommeln
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Durch die traurig erleuchteten Gassen; Sie scheuchet urplözlich
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Den so sichern Traum vom Lager des Hausvaters. Aengstlich
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Fährt er empor und wekket die zitternde Gattin: auch färbet
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Blässe die Wange des zärtlichen Mädchens, des weinenden Knaben.
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Von dem falben, fürchterlich wiederscheinenden Kirchthurm
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Brüllet die Feuerglokke hinunter: und alles wird rege.
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Menschen, in der Dämmrung unkenntlich, stehen von ferne,
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Ringen die Hände und rufen laut: Da ist keine Hülfe!
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Die entlegensten, schwärzesten Gassen durchmurmelt ein hohles
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Und verwirretes Sprechen: man klaget die Elenden, deren
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Häuser das flammende Monstrum verschlingt und fürchtet den Rachen.
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In den näheren Gassen zerstreut, verwirret, zerbrochen
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Liegt ausgeworfener Hausrath. Es wacht beim kleinen Vermögen
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Die tiefseufzende Hausfrau und sieht mit sehnlichem Blikke
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Ihrem Manne nach, der mitten ins Feuer sich waget
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Seiner Nachbarn Haabe zu retten; die Kinder stehn um sie,
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Zittern vom nächtlichen Frost und blikken kläglich zum Himmel.
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Unterdeß schwizzet und arbeitet ängstlich ihr größerer Bruder
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Auf dem zischenden Dach es fürs Entbrennen zu schüzzen.
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Schnell steigt wildes Geschrey zum Himmel, da ein Gebäude
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Krachend einstürzt. Es heult die kaum gerettete Gattin
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Um den vermißten Gemahl, und fragt mit ausschweifendem Schmerze
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Jeden, den sie erblikt: »Hast du ihn gesehen?«
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Aller Trost verstummt. Mit aufgelöseten Haaren
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Eilt sie die dunkle Gasse hinauf: – da sieht sie ihn stehen,
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Bloß, im Kleide der Nacht, ihr Kind an der bebenden Rechte,
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Ohne Empfindung steht er, an eine Mauer gesunken.
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Schnell, mit lautem Schreyn, ganz außer sich fällt sie ihm um den
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Hals: »Bist du es, Geliebter, o lebst du, o bist dus?«
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Ohnmächtig sinken sie beyde im Finstern dahin, bis ihr Freund sie
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In sein Haus nimmt und erquikt, daß sie weinend sich freuen.
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Aus der brennenden Hütte wird auf dürftigem Lager
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Ein Todkranker getragen. Er sieht mit dämmerndem Auge
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Furchtsam nach dem blutrothen Himmel. Die einzelne Träne
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Starrt, mit kaltem Schweisse vermischt, auf dem bleichen Gesichte.
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Unvermögend zu sprechen, dankt er mit sehnlichen, starren
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Blikken seinen Errettern und wimmernde Seufzer entfliehen
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Dem schon röchelnden Busen für seine leidenden Brüder.
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Ach wie zittern die magern, verwelkten, knöchernen Glieder
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In der Kälte der Nacht, da sie kaum Lumpen bedekken.
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Izt sezt man ihn draussen nieder. Dem brechenden Auge
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Schimmert die Flamme noch: er erhebet noch einmal
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Die gefaltene Hand und stirbt.
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Eine Gebärerin liegt noch kaum von der Bürd' entlastet,
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Die sie trug, betäubt und kraftlos. Alles verläßt sie
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Und vergißt die hülflose Kranke der Gluth zu entreissen.
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Ach sie hört das hohle Brausen des Feuers: schon dringt es
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Durch die plazzenden Fenster ins einsame Zimmer. Dreymal
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Hebt sie die sinkenden Arme empor: »Erbarmt euch! erbarmt euch!«
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Aber die eilende Flamme naht. Gestärkt durch des Todes
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Ihr nicht fremde Angst, raft sie die unwilligen Glieder
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Auf und eilet bis zur Thüre des Zimmers: hier weichen die lezten
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Kräfte, sie sinkt und ächzet und stirbt, eh Flammen sie tödten.
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Ach nun hat sich das Feuer schreklich verbreitet. Die hohen
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Palläste stehen entdekt, gefüllet mit Gluth; die dem Himmel
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Nachäffen wollten, sind Höllen geworden. Durch prächtige Fenster
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Schlagen wilde Flammen hinaus: die güldenen Leuchter
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Und die langen Spiegel tröpfeln von brennenden Wänden,
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Japans Schäzze zerspringen. Geweyhete Häuser und Tempel
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Schonet das wütende Element nicht. Hoch in den Lüften
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Steigt es die Spizzen der Thürme hinan: der erschrokkene Wandrer
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Zittert von fern bei dem Anblik. An Pfeilern kriecht es hinunter
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Und die Chöre fallen zu Boden. In gräßlichen Tänzen
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Hüpfen auf trauerndem Altar Flammen umher, und vom Lehrstuhl
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Predigt die Feuersäule in der sich der HERR offenbaret.
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Auch vermehrt sich die Stimme der Angst, die Stimme des Weinens
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Um den Sohn, um Vater und Mutter, die rauhere Stimme
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Sich zurufender Retter. Arme vernunftlose Schaaren
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Menschlicher Bestien rasen umher und jauchzen: sie hat das
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Feuer dem Haus' entrissen, das die lebend'gen Ruinen
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Unsers stolzen Geschlechts an warnenden Ketten bewahret.
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Schon kehrt auf ätherischer Bahn die treue Sonne
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Zur in Todesschatten verlassenen Erde zurükke
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Und entdekt sich zuerst dem Gipfel des frohen Gebirges:
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Da erblikt sie die schrekliche Morgenröthe; die Gegend
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Dampft von Schwefeldünsten und gräßliche Rauchwolken wollen
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Bey dem Einzug des Morgens der Finsterniß Herrschaft behaupten.
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Und nun verbirgt sie ihr tröstliches Licht; der blaue Himmel
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Trauret, weit umher trauret die Flur. Schwarzströmende Flüsse
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Rauschen gewaltig, und bieten ihr zu entferntes Gewässer
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Laut den rathlosen Rettern dar. Auch flüchten die Vögel
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Ohne Morgenlied, schüchtern in die verborgensten Büsche.
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Aber laß uns, o Muse! die unglükseligen Mauren
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Die die Gluth verödet, noch nicht verlassen; denn bängre
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Jammervollere Scenen müssen sich dort noch eröfnen.
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Damon, ein zärtlicher Gatte fährt, vom Schauder ergriffen,
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Plözlich im Arm seiner Lesbia auf, und lauschet und höret
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Das Geprassel der Flammen. Er rennt entkleidet, halb träumend
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Sprenget die Thür, und sieht sich schon mitten im Feuer.
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Die verbrannten Stiegen der steilen Treppe hinunter.
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Aber ein grauser Gedanke fliegt wie ein Bliz in die Seele.
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»lesbia!« – und nun will er zurük den Trost seines Lebens
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Seine treuste Geliebte zu retten. Zu langsamer Retter!
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Schon ist die Dekke des Zimmers in welchem sie ruht, eingesunken
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Tödtendes Unglük! er steht erstarrt, versteinert, noch zweifelnd
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Ob kein scheußlicher Traum ihn schrekke: ach! da ertönet
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Ihm die sterbende Stimme seiner gemarterten Gattin
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Und ihn dünkt seinen Namen zu hören: jezt rufet sie matter
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Bis sie nicht rufen mehr kann. »O Lesbia!« brüllt er, die Hände
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Und das verwilderte Auge gen Himmel, aus dem eine kalte
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Langsame Träne herabirrt; »Lesbia! Lesbia!« Plözlich
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Stürzt er ihr nach in die grausame Gluth.
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Dort ergreift die erschrokkene Mutter, umklemmet von Flammen
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Ihr geliebtes Kind und wirft es mit zitternden Händen
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Von dem hohen Stokwerk hinab. O Gott! daß ihr Auge
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Es hinstürzen sehen muß, ihr schwimmendes Auge,
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Daß es sehn muß das zarte Haupt zerschmettert am Ekstein
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Und das rinnende Blut in seinen goldgelben Lokken!
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Stumm, verzweiflungsvoll, sinnlos und stumm, mit verbreiteten Armen
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Bleibt sie stehen und läßt sich gern von den Bränden begraben.
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O erbarme dich, Himmel! Weinet mitleidige Wolken,
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Weint in die wüthende Gluth, die wie das Feuer zu Sodom,
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Schon viel Tage durch raset. Schaut der Menschen Bemühung
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Ist ermattet und der Löschenden Arme gesunken. –
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Ja dort eilt er vorüber, der Bothe des Friedens, das schwangre
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Schwarze Gewölk, der Retter, den Gott vom Himmel uns sendet.
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Jauchzt! er schüttet die Urne voll von kräftigen Wassern
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In die thürmenden Flammen. Vergeblich flattern sie scheußlich
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Oft noch empor. Auch ergießt sich der irdische Regen von neuem
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Und unterdrükket den feurigen Strom. Bald liegt er gedämpfet
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Wie ein übermanneter Bär. Die lodernden Brände
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Sprühen die lezten Funken. Ein dampfender Feuerheerd scheinet
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Izt die verwüstete Stadt. Die nakkenden Schornsteine drohen
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Und Elisäische Palläste sind zerrüttete Mauren.
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So liegen fleischleere Beine des schönsten Körpers, unkenntlich
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Bei durchlöcherten Schedeln, in denen vormals die braunen
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Siegenden Augen brannten, izt hohl und ein Abbild des Todes.
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Wie der Hölle entrunnen irren die Dürftiggewordnen
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Nur mit Lumpen bedekket um das Grab ihrer Häuser,
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Suchen zerschmolzenes Silber, erzehlen mitleidigen Fremden,
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Oder flehen sie an. Dort, schröklich Geschäfte! dort suchet
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Die Gebeine des Weibes ein trostloser Mann: sie hatte
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In die verschonende Flamme sich wieder verwegen gewaget:
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Grausamer Hang zu untreuen Gütern, der Leben und Freude
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Für ein Linsengericht hinopfert, du machst deinen Sclaven
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Selbst den Hunger nicht schwer und selbst die Flamme nicht schröklich.
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Dir flucht auch des Ehemanns Seufzer. Er kann ihn nicht seufzen.
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Kann nicht mehr weinen: dem Auge schimmern die Gegenstände.
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»theurer Märtrer, so denkt die Wehmuth in ihm, was hilft mir
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Dein gerettetes Gold, da du der beste der Schäzze
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Nicht mehr bist, da ich dein blasses holdseliges Antliz
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Und dein gebrochenes Auge sogar nicht sehn darf, der Freude
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Auch der bitteren Freude mich nicht erfreuen kann, deine
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Kalten verschlossenen Lippen an die meinen zu drükken!«
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Oft am schlechten Kittel zupft ein neugieriger Reicher
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Ihn und forscht was ihm fehle. Er suchet fort, dann blikt er
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Gleichgültig auf, und sieht ihm lang ins Gesicht: mit erzwungner
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Schluchsender Stimme bricht er dann aus: »Sie starb! Ach sie such ich,
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Ach ich suche mein Weib.« Nun fährt er fort in der Asche
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Und im Schutte zu graben und findt, (o traurige Freude!)
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Findt die schwarzen Gebeine, und indem Ströme von Tränen
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Aus seinen Augen stürzen, liebkoset und drükt er sie an das
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Blutende Herz: »O Gott!« da verstummt er, bis sein Vertrauter
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Mitleidig zu ihm eilt, mit ihm den Ueberrest sammelt
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Und ihn mit tröstenden Freundschaftszären dem Sarge vertrauet.
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Lange herrschet die Armuth, auf dem dürftigen Throne
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Von Ruinen erbauet über die schüchternen Bürger.
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Steter Fleiß erhöht sie kaum zum vorigen Glükke
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Und wenn seltene Edle ihnen die Güter nicht liehen
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Die ihnen Gott erhalten, so würden sie nimmer dem Staube
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Sich entschwingen. Wie beben sie izt den flammenden Richter,
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Der Elemente Vater zum strengen Eifer zu reizen;
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Aber bald vergißt ihre Schwachheit der strafenden Allmacht
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Und mit emporgesträubtem Haupt, (o Greuel der Menschheit!)
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Spottet der krümmende Wurm der Ferse die ihn zerquetschte.