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Stärke dich, schüchterne Muse! gebükt schau tiefer hinunter
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In die dunkle Tiefe der Zeiten, wenn Rache des Schöpfers
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Durch die ganze Schöpfung allmächtiges Grausen verbreitet.
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Kommt ihr Diener des Todes, furchtbarer als euer Beherrscher,
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Fräßige Seuchen und Schmerzen und tükkische Krankheiten zeiget,
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Alle zeigt mir die knirschenden Zähne, die würgenden Klauen,
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Den blutschäumenden Schlund: umhüpft in scheußlichen Tänzen
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Das erschrokkene Auge der Phantasie, die sich sträubet,
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Weiter auf den Gefilden erfüllt mit Jammern und Abscheu,
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Fortzugehn und zu sehn die Natur verunstaltet durch Plagen.
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Dennoch will ich mit heiterer Stirn und gesezten Bliken
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Eure Verheerungen singen; denn wer die Ruhe im Busen
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Hegt, verhöhnet die Unruh auf Sturmbedekten Gebürgen,
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Horcht auf die brüllenden Wolken und lächelt der eiligen Blizze.
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Aus einer Mitternachtwolke ließ auf die schlummernden Hügel
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Jüngst ein Todesengel sich nieder. Da floß durch die Schatten
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Der blauflammende Strahl seines Schwerdts. Gleich nächtlichen Blizzen
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Füllt' er das brennende Thal, durchdrang widerstehende Wälder,
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Machte Palläste und Strohhütten fürchterlich hell. Auf einmal
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Breitete sich eine fremde Luft ums Antliz der Erde;
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Menschen die schnarchend in ihr den Lebensbalsam geathmet
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Athmen izt Gift ein: Tod ist ihr Element.
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Mancher dehnet sich noch im mördrischen Schlaf und stösset
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Dumpfes Röcheln hervor, oder winselt von grausen Phantomen
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Warnend umgeben; erwacht dann, blikt starr umher, kann nicht sprechen,
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Sinket abermal hin, und schläft sich ums ringende Leben.
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So leicht mähet der Tod die nichts befahrenden Halme.
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Blüht und prahlet ihr Blumen, ihr seid beim Morgenlicht Asche;
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Oder du stärkere Staude! und hättest du eiserne Wurzeln,
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Dennoch seufzest du bald, ein zweigloses Holz in den Flammen.
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Hirnlose Narren! die ruhig und ohne Sterbegedanken
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Täglich sich in den Vorhof des Todes ins Schlafgemach wagen.
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Diese stumme Stille, voll schwarzen heiligen Grauens,
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Dieser horchende Himmel aufs Flehn einsamer Gerechten,
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Dieser gegenwärtige Gott, mit dem sie allein sind,
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Wekket sie nicht. Wie Besessene auf dem Abhange des Felsen,
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Der über wartende Wogen sich bükt, ganz sicher entschlafen;
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Eine Bewegung stürzt sie herab: so entschlafen sie täglich.
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Glaubt ihr, ewiger Stoff umschließ' eure felsene Knochen,
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Oder euch werde aus Furcht, aus Güte der Mörder nicht morden?
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Lebt dann, Würmer eines Tages! und unter dem Hügel
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Der euch der Welt auf ewig entzieht, umwimmelt von Maden,
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Lernt den zu späten Gedanken an Tod und Ewigkeit denken.
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Izt steigt Phöbus hinter Gebürgen empor. Mit Entsezzen
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Sieht er durch schwerfällige Nebel, die nächtlichen Lager
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Mit unzähligen Leichen bedekt. Es schlüpfet sein scheuer
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Strahl durch des Lustschlosses Fenster: und sieh! der Herrscher des Landes
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Liegt, ein blosser Körper, auf seidnen Küssen: noch hält ihn
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Mit dem erdrosselnden Arm der Tod hohnlachend umschlungen.
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Um ihn liegen die Wächter, izt Aeser. Furchtlispelnde Stille
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Schwebt weit über dem öden Pallaste.
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Dort liegt eine volkreiche Stadt; ein dumpfes Gemurmel
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Schallet von aussen, hinter den sie verstekkenden Wällen,
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Wo die Spizzen der Thürme hinübergukken. Die Märkte
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Und die Thore und Gassen wimmeln wie Ameisenhaufen.
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Ehe man sieht, hört man schon Geräusch: das Schallen der Hämmer
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In den Schmieden, das Wiehern der Rosse, das Krachen der Kutschen
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Und die wilden Stimmen des hungrigen Pöbels am Fischmarkt.
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In der dämmernden Kammer sizt früh der Bürger, von Sorgen
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Dunkler wie von der weichenden Nacht umhüllet und sinnet
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Auf unermeßlichen Vorrath, als hätt' er ewig zu leben.
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Aber schon sperrt seine Gruft im nahen Kirchhof den Mund auf,
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Und in den Schatten des Winkels steht mit erhabener Hippe,
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Ihn zu mähen, der Tod bereit. Schnell warnet vom Kirch Thurm
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Ihn die klagende Sterbeglokke. Er höret sie, seufzet,
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Frägt nach dem Todten, und kehrt zurük zum Wucher. Doch plözlich
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Ruft die warnende Freundin zum andernmal das Entsezzen
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In seinen Busen hinab. Zwar noch scheint dies Sterben ein Zufall:
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Aber bald schallet ununterbrochen das ängstliche Rufen
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Dieser ehernen Predigerin. Nun fühlen sich sterblich,
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Die sich Unsterbliche dünkten. Die Gassen werden entvölkert.
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In den verschlossenen Häusern herrscht zunehmende Stille –
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Todesstille herrscht nunmehr. Die einsamen Glokken
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Heulen allein durch die giftigen Lüfte. Mit Schaufeln bewaffnet
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Wandeln die Todtengräber stumm einher, wie Gespenster,
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Machen das Pflaster zum Kirchhof, verscharren bey Haufen, und sinken
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Oft statt der Dekke des Grabes auf ihre Begrabnen hinunter.
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Vor ihm sieht ein vergnügter Vater die spielenden Kinder
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Ohne Leben hinfallen. Vergeblich schreyt er nach Hülfe,
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Nach dem gewohnten Arzt: er hört ihn nicht mehr. Da erblikt er
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Unvermuthet die eigene Beule, das Zeichen des Todes,
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Fühlet die Angst sein Herz umklemmen, wird ohnmächtig, sinket
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Auf die Leichen der Kinder. Zwar um ihn blizzet das Silber,
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Das er ängstlich gesammelt, die langen Spiegel, die seidnen
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Mahlerischen Tapeten, die marmornen Säulen stehn um ihn,
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Aber sie helfen ihm nichts: sie sind unthätig. Er schmachtet
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In dem Reichthum begraben umsonst nach dem Kruge des Landmanns
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Mit der reinen Quelle gefüllt, seine Hizze zu lindern.
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Lange schallt seine sterbende Stimme durchs einsame Zimmer
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Und giebt in dem gewölbten Saal ein schrekliches Echo;
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Bis der grausambarmherzige Tod, allein zu errufen,
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Zwischen ihm und der leeren Welt den Vorhang schnell zuzieht.
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Ein verreiseter Sohn kehrt um zu den wartenden Eltern,
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Schmekt den süßen Kuß des frohen Vaters zum voraus
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Und der weinenden Mutter. Indem er der Wohnung sich nahet,
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Schwebt die Ahndung ihm nach: sie wendet die giftige Urne
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Ueber sein Haupt um, beströmt ihn mit Angst und leitet vom Antliz
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Das wie Rosen geglühet, das Blut hinunter zum Herzen.
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Schnell behüpft er die Treppe, öfnet die Thüre mit Zittern,
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Gukt ins Vorzimmer, schlüpft in den Saal: sind't alles öde.
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Kindliche Tränen stehen bereit im blizzenden Auge:
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»wie ist alles hier öd'!« Er steht, sieht um sich und rufet
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Mit erbebender Stimme: »Mein Vater! Wo bist du, mein Vater?
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Mutter! Geschwister, wo seid ihr?« Indem siehet vom Hofe
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Eine magre Gestalt von aussen durchs Fenster. Er flieget,
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Stürzet hinzu und erkennt in kläglicher Stellung den Vater.
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Schnell will er hin, seine dürren Füsse gerührt zu umschlingen:
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Aber der winkt mit der Hand und rufet hohl und gebrochen:
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»flieh, Geliebtester! flieh! Mein Hauch wird dich tödten: entweiche!
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Sieh, dort liegt deine Mutter! Dort wo ich den Sand aufgethürmet,
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Liegen in einer Grube all deine Geschwister und izzo
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Werd auch ich hinsinken zu meinen Begrabnen. O wohl mir,
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Daß mein brechendes Auge noch dich gesehen! Verlaß mich!
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Flieh! O wohl mir, o wohl mir!« Hier sinkt er stolpernd aufs Antliz.
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Ohne Besinnung stehet der Sohn da. Bald wird er die Leiche
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Mit seinen Tränen salben und mit wiederfoderndem Aechzen,
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Daß es die Einöde hört, und ihm die Wälder nachwinseln,
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Mit zerrissenem Herzen und kraftlosen Händen begraben.
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O der furchtbaren Plage! der ganze Mensch empört sich
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Bey ihrer Vorstellung. Muse! auch du fühlst Schaudern: so schaudert
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Ein mitleidiger Herold wenn er dem bangen Gefangnen,
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Der mit Tränenschwellendem Auge sein Urtheil erwartet,
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Seltne Martern verkündigt. Doch laß die Hand noch nicht sinken,
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Noch an der Harfe hinunter nicht sinken, bis alles vollführt ist,
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Wozu du Feuer und Muth in meinen Busen gesenket.
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Wenn das starre Auge, das im Begrif ist zu brechen,
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Freunde unkenntlich bemerkt, die um mich bekümmert herumstehn,
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Die mir die kalte lezte Träne, den Todesschweiß sanfte
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Von meinen Wangen wischen, und mein halbtaubes
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Ohr hört weit in dem Zimmer zärtliches Lispeln und Schluchsen:
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Ach dann fühlt das stehende Herz im Tode noch Labsal,
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Und mein dunkler Blik ist dankbar auf die geheftet
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Die mir ihr Mitleiden gönnen. Doch wenn ich, ach! wenn ich auf hartem
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Lager nun liege, und meine Zunge vertroknet, mein banges
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Auge irret nach Helfern umher, die kalte verdorrte
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Hand strekt flehend sich aus: und alles um mich ist öde;
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Keiner steht um mein Lager, versteht mein Aechzen und mildert
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Durch des Arztes bittere Stärkung die Wuth meiner Schmerzen:
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Tod wie fürchterlich wirst du dann! dann würd' es selbst Weisen
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Hier ist ein liebliches Feld mit grünem Teppich bezogen,
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Daß der Säemann sich der reichen Erndte schon freute:
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Aber nun ist sie gemein; ihn hat das Grab eingeerndtet.
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Hier will ich wandeln und lauschen, ob ich Lebendige finde. –
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Ach schon wandert mein Fuß den Morgen, den Mittag, den Abend,
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Wandert in Wüsten. Die Thäler die sonst so frölich erschollen
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Von dem wilden Jauchzen der Hirtenflöthen, den Stimmen
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Weidender Heerden, dem Plaudern des geselligen Landmanns
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Hinter dem furchenden Pfluge, stehn verlassen. Aus jenem
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Dichten Gebüsche heulet der Wasserfall nur und das Wehen
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Furchtbarer Zephire, gleich dem Wehn herzueilender Flügel
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Eines Todesengels. Die Rosen unter dem Schatten,
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Hängen, von keinem bewundert, verwelkt von giftigen Lüften
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Die sich entwikkelnden Knospen verblichen zu Boden. Auch schweigen
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Die Bewohner der Zweige: sie flohn in dunkelen Schaaren
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Bessern Gegenden zu. Auf silberwallenden Teichen
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Dampft undurchsehbarer Nebel: die Bürger der Fluthen versenken,
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Aus ihrem Elemente verjagt, sich tief in dem Schlamme.
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Alles trauret. Wohin soll ich fliehn? Ein Grausen befällt mich,
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Da ich allein und verlassen die öden Fluren durchstreiche.
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Dort der treue Bekannte, der inniggeliebte Verwandte
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Ist nicht mehr. Schwarzer Gedanke! – doch welch ein plözliches Murmeln
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Schallet von jener Hütte, die hinter dem buschvollen Hügel
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Scheu ihr mooßiges Haupt erhebet. Heil mir! ich höre
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Menschliche Stimmen. O eilet, zitternden Füsse, ihr werd't dort
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Menschen finden. O hindert mich nicht, ihr Steine des Akkers
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Und du wallendes Korn! Allein was seh ich? nicht Menschen:
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Nein es sind wilde Thiere in menschliche Glieder gehüllet.
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Ach sie schleppen schändliche Beute aus traurenden Thoren;
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Selbst der heiligen Leichen hat ihre Faust nicht geschonet.
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Tod wird dir folgen, abscheulicher Geiz! der noch dem Gewinne
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Fröhnt, wenn alles um ihn schon Busse predigt, der noch an
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Tand und gestohlnem Puppenspiel klebt, wenn die ernste Stimme
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Des Allmächtigen schon die Todesengel herabsendt,
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Um die Erde zu säubern und Sünder zum Richtstuhl zu rufen.
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Und wozu scharrest du, Unsinn! und häufest dir Lasten, die tiefer
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Nur ins Grab, in die Hölle dich niederdrükken? Sind Vögel,
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Denen das Messer die Kehle berührt, auf Würmer noch gierig?
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Aber laß uns, o Muse, die stille Hütte besuchen!
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Schon eröfnet sich uns die furchtsam knarrende Thüre.
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Welch ein Anblik! Gestrekt, mit halbgebrochenen Augen
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Liegt ein Ehrwürdiger. Die einzelnen eißgrauen Haare
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Stehn in wilder Verwirrung emporgesträubt, und die Mienen
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Seines blassen Gesichts verrathen Kummer und Hoheit.
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Neben ihm mit zerstörter Schönheit ein unschuldig Mädchen!
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Blaue geöffnete Lippen zeigen die marmornen Zähne:
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Izt ein schreklich schöner Anblik! ein Schleier dunkeler Lokken
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Dekt die in Todesblässe noch reizenden Wangen: die zarten
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Hände ruhn auf dem Busen, gefaltet, als wären sie, noch zum
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Lezten Gebet erhaben, schlaff herunter gesunken.
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So durch den plumpen Nord vom zersplitterten Stocke gerissen
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Liegt eine aufgeblühete Rose: so reizt ihre Schönheit
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Selbst wenn die hochrothen Blätter unter den spottenden Disteln
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Einsam zerstreut glimmen und zusehends verblassen.
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Also sind sie nun hin, die Bewohner des ländlichen Hauses
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Und die Freunde der Tugend, der sanften unschuldigen Freuden.
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Siehe die Wohnung selbst scheint den Verlust zu betrauren
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Und die Linden umher, sie stürzen ihr Laub von den Wipfeln
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Und stehn nakkend, vermissend die wartende Hand ihres Pflegers.
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Ach wo bin ich? Wie klopfet mein Herz! Ich fühle die Wange
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Naß von strömenden Tränen; ich fühle die Lippen erzittern.
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Flieht, flieht schrekliche Bilder! von meinem verirreten Auge:
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Flieh, entsezlicher Traum! aus der geängsteten Seele.
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Vater der schwachen Sterblichen, der du aus Thon sie gebildet
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Und sie dir ähnlich gemacht, der du zum Thon sie zurückhauchst,
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Noch, noch wank' ich nicht einsam um die giftdampfenden Gräber
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Hingesunkener Brüder, noch segn' ich das liebliche Murmeln
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In denen Straßen, das frohe Gedränge der Märkte. O wohl mir!
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In den schallenden Hayn will ich gehn und die traurige Harfe
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An einen Buchbaum hängen, ich will die sanftere Flöthe
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Von dem freundlichen Schäfer leihen und mit den Bergen
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Und mit dem Wiederhall scherzen, und Doris Namen ihn lehren:
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Denn noch wank ich nicht einsam um die Giftdampfenden Gräber
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Meiner Brüder, der Menschen, die, mir zum Trost, eine Erde
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Mit mir bewohnen, die mit mir der Sturm trift, der donnernd daherbraußt,
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Mit mir der Veilchen schmeichlender Duft im Sonnenschein labet.