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Senkrecht strömet die Sonne Feuer auf Fluren und Hayden,
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Daß auf Sümpfen Staub liegt, Ströme zu Sümpfen vertroknen
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Laub und Zweig ermatten: ein tödtlich Blaß überzieht sie;
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Eingeschrumpft und verdorret stürzen beym Wehen des kleinsten
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Zephirs, des sie sonst spotteten, sie nun rauschend zu Boden.
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Himmel, wo sind deine Wolken, und Nacht deine fließenden Thaue?
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Schikt nicht das Meer seinen Dampf empor und die Flur ihre Dünste?
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O vergilt ihre willige Gab', unerbittlicher Himmel,
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Laß dich zu ihr in Tropfen hernieder, erfreue die Aeren
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Die ihre schwarzen erstorbenen Häupter zu dir erheben,
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Da sie sonst frölich beschwert dem Landmann entgegen sich bükten.
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Ach die Natur ist vergiftet. Die farbenspielenden Wiesen
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Liegen izt falb ausgebreitet, und Pharaonische magre
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Kühe suchen dort Nahrung, und füllen die Mäuler mit Staub an.
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Auch scheint die Erde nicht mehr dem Landmann gehorchen zu wollen
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Der verzweiflungsvoll hinter den Pflug tritt. Was säest du, Sämann?
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Eh ihn der Akker empfängt ist schon dein Saamen erstikket.
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In hartnäkkiger Ohnmacht liegt die Natur: ein Bild des
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Todes der Welt, des lezten Verderbens, wenn in das Chaos
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Dieser Ball, von unsinnigen Würmern bewohnet, hinabstürzt.
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Dort ist ein einsames Haus, ganz einsam, mit müßigem Schorstein:
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Die umliegenden Ställe sind alle stumm von den Heerden
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Die sonst muthig dort brüllten: nicht Enten wakkeln und schnattern
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Mehr durch die Pfüzzen, kein Huhn lokt goldgefiederte Jungen
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Unter die warmen Flügel, noch springen dummblökkende Schaafe
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Im anlachenden Klee. Ein Schwarm von gierigen Raben
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(einzige Freunde der Theurung) fällt auf die in dem Hofe
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Häufigen Aeser und krächzt die Todesgesänge der Schöpfung.
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Jezo schlüpft ein dürrer Mann am leitenden Stekken
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Aus der knarrenden Thür; eine Schaar von unmündigen Kindern
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Eilt mit Geschrei ihm nach und kann nicht den Vater erreichen
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Der die Hand vors Gesicht hält und fliehet: »Kann ich der Kinder
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Winseln nach Brod noch länger hören, noch länger sie ansehn
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Wie sie täglich verwelken, sehn die einsinkenden Wangen?«
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So spricht er und wanket und hinket zum nakkenden Walde
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Und am nächsten Baume hängt er sein lebend Geripp auf,
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Daß der Versucher Hohnlachet und die Raben drob jauchzen.
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Auf den Landwegen seufzet kein schwerer Wagen voll Korn mehr
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Und in den lärmenden Wäldern erhebt sich ein Brüllen und Kreischen
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Streitender Bestien, die, da Ställe und Weiden entblößt stehn,
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Untereinander sich würgen. Es schießt der Jägerhund keichend
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Ueber Fluren und durch den Forst: dann steht er und winselt,
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Daß er kein lauschendes Wild mehr aufspührt. Lange schon waren
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Die Harmonien des Waldes verstummt. Mit schlaffem Gefieder
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Liegt über ihre Jungen erstarrt Philomele gebreitet.
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Mit weitausgespreiteten Flügeln, die selten nur in der
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Luft sich bewegen, das Gleichgewicht haltend, (wie Ruder, wenn mit dem
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Strom ein Boot schwimmt) gleitet der tükkische Habicht; einzeln
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Abgebrochen ertönt sein Feldgeschrei: aber vergebens
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Strömt sein räubrischer Blik in Höhlen der Bäume, vergebens
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Sucht er unter dem Hausdach in stillen Nestern den Raub auf:
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Ihm ist der Hunger zuvorgekommen, und wird ihn bald selber
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Fressen. Käfer und Mükken schwirren nicht mehr in den Lüften
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Und an erstorbenen Waldrosen hängt die vertroknete Biene:
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Schönes Grab! So stirbt am Busen der Liebsten ein Jüngling.
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In den versiegten Teichen wühlen mit forschendem Schnabel
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Hungrige Störche vergebens und ziehn statt Fröschen und Fischen
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Schlamm und Mooß aus der Tiefe hervor. Nur im Bauche des Hirsches,
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Den izt leichte Beine und Waffen des Haupts vor dem Tode
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Retten nicht konnten, wimmeln gesättigt die frohen Gewürme.
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Wie, wenn ein Sohn des Goldes von Schmeichlern und Schuldnern gestürzt wird,
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Dann die neidischen Nachbarn in seinen Ruinen sich theilen.
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Dort liegt Zadig ein Greiß am Weidenbaum, der mit entlaubten
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Zweigen vergeblich strebt ihm gewohnten Schatten zu reichen.
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Auf seinem müden Knie sizt der ihn anlallende Enkel,
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Sieht oft nach ihm hinauf und weint nach Nahrung und Labsal.
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Ach wie zerschneidet diß Weinen das Herz des zärtlichen Greises!
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Hundert mal hebt er sich auf, zu fliehn, und hundert mal sinkt er.
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Ueber ihm schwebet in Wolken höllischer schwarzer Verzweiflung
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Satan, und strömet ihm Sünde ins offene Herz, und versucht ihn
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Wie den in der Wüste, der nie von Sünde was wußte.
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»ich, so schwärmen Gedanken in seiner Seele, muß langsam
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Sterben! den langsamen Tod des Knaben sehen! Er winselt:
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Und ich kann ihm nicht helfen! Ich, der ich sonst ihm mit offnen
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Armen väterlich zärtlich zueilte, der ich entzükket
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An meine alte Brust ihn drükte, ich kann ihm nicht helfen –
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Und muß sterben: Greisen selbst schrekliches Wort! – – Wie oft hat
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Seine unschuldige Hand mit meinen silbernen Lokken
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Schmeichelnd gespielt? – Wie soll ich ihm helfen, wie soll ich die lange
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Pein von ihm wenden, die ihn wie fressend Feuer verzehret?
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Tod, komm schnell über ihn: dann segn' ich dich. Stürzet ihr Hügel!
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Und begrabt ihn, daß ich sein leztes Girren nicht höre. –
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Aber ich selbst muß mich seiner erbarmen; der Himmel ist eisern,
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Und die Erde ist eisern: ich selbst muß mich seiner erbarmen! –
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Ich will ihn schlachten, eh Hunger ihn tödtet. Wie Abraham seinen
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Isaak schlachtete, will ich ihn schlachten. Vielleicht daß in jenen
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Hekken sich dann mir ein Bok entdekket, wie jenem: dann wollt ich
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Froh ihn nehmen, den Bok, ihn würgen und meinem Enkel
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Niedliche Bissen bereiten und mit seinem Blute ihn tränken;
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Denn der Fluß ist vertroknet und Seen und Teiche sind Sümpfe.«
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Und nun sizt er und sinnet. – Nun hebt er den dürren, entnervten
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Arm und durchboret das Herz des Enkels – doch schleunig von innrer
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Heftiger Reu ergriffen, zieht er mit bebenden Händen
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Bleich, den Dolch aus der Brust des Kindes und wirft ihn weit von sich.
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»o verfluchtes Eisen!« ruft er und rauft sich die weissen
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Haare aus dem Haupt, und heulet mit furchtbarer Stimme.
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Aber der Knabe sinkt hin, fällt von seinem Schooß auf die Erd
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Zappelt im Blut und schreyt nicht, nein erstikket im Schreyen.
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Grausamer Stoß du bist geschehn. Umsonst stürzt der Alte
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Auf das durchstochene Herz des Ermordten und hält mit blassen
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Lippen das gewaltsam aussprudelnde Blut auf. Noch einmal
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Schreyet das Kind, noch einmal zukt es den Mund und wirft die
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Schon erstarrende Hand mit Angst der röchelnden Brust zu;
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Da entflieht seine Seele, und bald wird Hunger und Ohnmacht,
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Reu und Wuth und Verzweiflung auch seinen Mörder entseelen.
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Nahe dich Muse! der Stadt, dem Sammelplaz schändlicher Thaten,
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Dieser Geburten der harten und menschenfeindlichen Herzen,
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Wenn die Noth sie beklemmt. Von unabsehbaren Heeren
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Schreklich umzingelt liegt sie: in ihren Maureu verbreitet
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Hunger und um sie von aussen der Feind, ein anhaltendes Sterben.
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Göttin Aurora, so sahst du, so oft du dein Zelt an dem Himmel
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Aufschlugst Jerusalem ehmals von aussen mit Spiessen umpflanzet,
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Und inwendig voll schwarzer entstelleter Leichen. –
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Schaut: wie hier Nebukadnezare, gierig entbrannt sind die Blikke,
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Auf den Aesern liegen und selbst halb Aas sie verzehren.
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Ueber sie flattern neidische Krähen und scheltende Raben
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Stehlen sich oft hinzu, und theilen mit ihnen die Beute.
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Jünglinge nagen die Zähne stumpf an Sätteln, und Greise
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Füllen mit stinkendem Mist den ekelloßschmachtenden Schlund an.
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Aus jenem dumpfen Gewölb erwacht eine klägliche Stimme,
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Und ich gukke durchs äussere Gitter. – Entsezliches Schauspiel!
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Würdig die Hölle zu zieren! Vom schröklichsten Dunkel beschattet,
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Schlachtet ein wüthendes Weib ihr Kind. Umsonst fällt es nieder,
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Dreimal nieder aufs Antliz und flehet mit heissen Tränen
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Mit erblaßtem Gesicht und lautem Zittern und Schluchsen
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Um sein jugendlich Leben; vergeblich schlingt es die Aermchen
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Um die stampfenden Füsse der Mutter. Oft zwar empöret
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Sich das Muttergefühl, es schwillt der abscheuliche Busen
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Der das unschuldige Opfer genährt, von erschütterndem Schmerze,
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Und der ausgestrekkete Arm weicht kraftloß zurükke;
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Aber ihn lenket die Macht der Höll', er vollführt, er vollführet,
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Er vollführet den schröklichsten Streich. Sie schreyt, sie mordet und knirschet,
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Rauft ihr Haar mit der Linken, und tödtet ihr Kind mit der Rechten.
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Bebst du, Muse? Verlaß sie, verlaß die verfluchteste Scene!
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Laß die Höll' ihre That mit gräßlichem Heulen besingen!
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Stimme die silbernen Sayten die solch ein Thema erniedrigt!
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Sieh, dort ruft eine edlere Mutter die hungrigen Kinder
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Traurig zusammen; sie hat vom kleinen Reste des Mehlkorbs
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Und des Oelkrugs das lezte nothdürftige Mahl zubereitet:
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»kinder, die ich mit Schmerzen gebar, mit größerem Schmerze
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Seh ich euch sterben. Kommt! erquikket die schmachtende Zunge!
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Dann, mit brechendem Herzen will ich euch segnen, ihr Satten!
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Und will sterben.« Nun pflanzt sich das magre Geschlecht um die Schüssel –
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Schnell ist sie leer. Mit Wangen auf welchen die Tränen vor Hizze
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Stehn blieben, schlang die Jugend eilfertig die sparsame Kost ein:
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Und nun sizzet sie sprachloß: noch tobt der müßige Magen
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Und der Gaumen vertroknet, wie heisses Eisen, auf welches
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Wenige Tropfen fallen; die Tränen rollen von neuem.
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Aber die Mutter, sie hat für ihre Kinder gefastet,
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Hebt die Augen zum Himmel, ihr mütterlich Herz ist in Aufruhr:
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Balde sinkt sie, zu heftig von Schmerz und Liebe bekämpfet,
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Von ihrem Siz zu Boden. Erschrokken stürzen die Kinder
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Auf sie: »Mutter, stirb nicht! stirb nicht geliebteste Mutter!«
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Aber ihr Geist verläßt sie. Der lezte Blik ihrer Augen
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Ist noch mitleidig zärtlich auf ihre Kinder geheftet;
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Zwar sie kann nicht Worte stammeln, nicht Seufzer erpressen,
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Denn die Zung' ist gebunden, ihr sterben die Seufzer im Busen;
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Aber inwendig rufet ihr starkes Geschrey zu dem Höchsten,
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Zum dem Höchsten, der Raben ernährt und krümmenden Würmern
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Auf ihrer langsamen Reise die Speis' entgegen führt. Und der
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Herr, der Erbarmer hörts und spricht: – es feyern die Himmel –
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Wie ein räubrischer Adler, wenn hezzende Stimmen der Jäger
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Und das schmetternde Hüfthorn weit durch die lauten Gesträuche
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Tönen: er lauschet und regt die schwarzen Fittige, hebt sich
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Und beschattet die Wipfel der Linden; dann fliegt er zur nächsten
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Eiche, schwingt sich empor, durchschiffet die seufzenden Lüfte,
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Wird dicht unter den Wolken zur Lerche – und verschwindt dann:
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So schrekt den gierigen Hunger der Ruf des allmächtigen Vaters;
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Ungern verläßt er die Erde. Da regnet der eiserne Himmel.
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Dankbar richten die Blumen sich auf: die schwimmenden Wiesen
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Und die Hügel und Hayne beginnen zu lächeln; die Teiche
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Schwellen empor und die stillen Flüsse murmeln von neuem,
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Wie dem Ohnmächtigen, wenn ihn ein Balsam erfrischet, das Auge
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Wieder entwölkt wird, die Glieder sich regen, und langsam zum Herzen
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Durch die schlaffen Adern sich das belebete Blut drängt.
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O wie sammlen die Menschen den nassen Regen des Himmels
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In Gefässen auf, und löschen die brennenden Schlünde!
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So drangen einst die Hebräer mit offenen Mäulern und Krügen
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Zu dem strömenden Felsen, wie hier die lechzende Menge
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Unter geöfneten Wolken harrend stehet und Wasser
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Einerndtet, dann ihre Beute liebkosend und jauchzend ins Haus trägt,
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Wo sie sich labt, erquikter als Funchals Fürst bei Pokalen.
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Balde winken die Früchte von wieder umkleideten Bäumen,
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Und in den leeren Vorrathskammern der Hülsen der Aeren
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Keimt der Segen des Landes. Doch kennt die heisse Begierde
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Keine Geduld, noch läßt sie der wohlthätigen Erde
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Und dem Thau des Himmels und den nun fruchtbaren Stralen
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Zeit die Körner und Früchte zu reifen. Heimlich unmuthig
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Ueber den Lauf der Natur entreissen zalenlose Hände
198
Die vom angestammeten Gift nicht befreite, unzeitge
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Nahrung den sträubenden Halmen: und sieh! die verderbende Seuche
200
Schwebt, ein weitausgebreitetes Ungeheuer über die satten
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Städte, und droht mit scheußlichlächelndem Antliz den Schlemmern,
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Die von neuem an Tafeln, beladen mit Mißbrauch und Wollust,
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Den verkennen, der Thau an Spizzen der Gräsgen und Tropfen
204
An die Kronen der Aeren hängt und die Erde befruchtet.