Die tragische Kunst

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Friedrich Hebbel: Die tragische Kunst (1838)

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Wohl soll die Kunst euch stets erfreu'n,
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Selbst durch das blut'ge Trauerspiel,
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Nur müßt ihr nicht das Mittel scheu'n,
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Durch das sie's hier erreicht, dies Ziel.
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Die Sonne lacht euch ohne sie,
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Euch ohne sie das Morgenroth,
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Allein der Schmerz erquickt euch nie,
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Und nie der Tod, der bitt're Tod.
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Sie nöthigt Beide, es zu thun,
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Sie führt sie nah' genug heran,
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Daß keine Kraft in euch mehr ruh'n,
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Daß jede sich nur steigern kann;
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Sie hält sie dennoch fern genug,
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Daß euch ihr Stachel nicht verletzt,
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Und daß nur, wer schon selbst dem Fluch
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Verfallen ist, sich noch entsetzt.
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Verkehrt sie denn mit Tod und Schmerz,
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So thut sie's, stiller Hoffnung voll,
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Daß eben dadurch euer Herz,
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Wie nie, von Leben schwellen soll,
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Und das ein einziger Genuß,
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Wie keine Lust ihn euch gewährt,
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Euch Seel' und Sinn erfrischen muß,
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Wenn sie das Grauen selbst verklärt.

(Haider, Thomas: Deutsches Lyrik Korpus (DLK) v5.0, 2022. Ursprünglich von Editura GmbH & Co. KG (Digitale Bibliothek) digitalisiert, vom TextGrid-Verbund erworben und angereichert; als DLK-Ausgabe bearbeitet und kuratiert. Lizenz: Verbreitet unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International Lizenz (CC BY-SA 4.0). Änderungen: Textkorrekturen, Anreicherung mit Metadaten und Textannotationen sowie Konvertierung durch Textopus.)

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Friedrich Hebbel
(18131863)

* 18.03.1813 in Wesselburen, † 13.12.1863 in Wien

männlich, geb. Hebbel

deutscher Dramatiker und Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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