Die Lerche

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Friedrich Hebbel: Die Lerche (1846)

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Ich kam in Ungarn durch ein Thal gefahren,
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Von leichten Rossen schnell dahin getragen,
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Und hörte über mir die Lerche schlagen,
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Die durch den Aether zog, den bläulich-klaren.

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Bald aber mußte ich erstaunt gewahren,
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Daß sie zu mir hinab schoß in den Wagen,
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Doch schien mir dies Vertrau'n zugleich ein Zagen
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Vor einem andern Feind zu offenbaren.

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Ich schaute auf und sah den Habicht hangen,
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Der nicht gewohnt ist, Schwache zu verschonen,
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Sie hatte Schutz gesucht auf meinen Knieen;

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Ich aber dachte: daß das klein're Bangen
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Der Mensch dir einflößt, soll sich dir belohnen,
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Und ließ sie ungefangen wieder ziehen!

(Haider, Thomas: Deutsches Lyrik Korpus (DLK) v5.0, 2022. Ursprünglich von Editura GmbH & Co. KG (Digitale Bibliothek) digitalisiert, vom TextGrid-Verbund erworben und angereichert; als DLK-Ausgabe bearbeitet und kuratiert. Lizenz: Verbreitet unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International Lizenz (CC BY-SA 4.0). Änderungen: Textkorrekturen, Anreicherung mit Metadaten und Textannotationen sowie Konvertierung durch Textopus.)

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Friedrich Hebbel
(18131863)

* 18.03.1813 in Wesselburen, † 13.12.1863 in Wien

männlich, geb. Hebbel

deutscher Dramatiker und Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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