1.

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Friedrich Hebbel: 1. (1840)

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Ewiger, der du in Tiefen wohnest,
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Die der jüngst geborene Gedanke,
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Der, weil du allein Gedanken sendest,
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Kaum den Weg von dir zu mir durchmessen,
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Wenn er rückwärts blickt, nur schwindelnd nachmißt,
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Ewiger, vernimm in dieser Stunde
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Meines bang bewegten Herzens Flehen!

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Träumt vielleicht in einer niedern Hütte
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Irgendwo ein Kind, in dessen Seele
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Jene Kraft des schöpferischen Bildens
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Deinen Menschen liehest, heimlich schlummert,
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Und der Jüngling, der dies Kind geworden,
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Schlägt, von Armuth hart bedrängt und Rohheit,
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Einst ein Auge, das vor starren Thränen
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Deine Sterne längst nicht mehr gesehen,
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Auf zu dir und stammelt ohne Worte:
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Luft, mein Vater, daß ich nicht ersticke,
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Eh' ich für mein Leben dich bezahlte!
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Send' ihm dann den Edelsten entgegen,
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Der, zufrieden, ein geweihtes Leben
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Aus dem Bann zu lösen, ihm die Hand reicht,
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Und belohnt ist, wenn er wieder athmet,
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Wie ein Wand'rer die verstopfte Quelle
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Freundlich reinigt, und für seine Mühe
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Als der Erste trinkt und weiter schreitet.
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Kannst du aber keinen Solchen senden,
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So verschließe dich vor seinem Stammeln,
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Denn die Kraft, die eine Welt beleben
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Oder eine Welt verjüngen könnte,
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Wird, in seiner Brust zurückgehalten,
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Langsam, aber sicher, ihn verzehren,
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Und dann mag er mit dem All sich mischen,
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Bis, verstärkt in langer Ruhepause,
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Ihn die eig'ne Schwere wieder ablös't
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Und ihm neu das Thor zum Dasein aufsprengt.

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Also bet' ich, weil ich schmerzlich wünsche,
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Daß für mich, als ich geboren wurde,
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So ein edler Mensch gebetet hätte.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hebbel
(18131863)

* 18.03.1813 in Wesselburen, † 13.12.1863 in Wien

männlich, geb. Hebbel

deutscher Dramatiker und Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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