Die Kirmeß

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Friedrich Hebbel: Die Kirmeß (1844)

1
Das ist ein Geigen und Flöten
2
Bis über das Dorf hinaus:
3
Sie feiern die Kirmeß heute
4
Mit Tanz und Spiel und Schmaus.

5
Wenn ich ein Mädchen wäre,
6
So schaut' ich die Burschen an,
7
Doch jetzt betracht' ich die Mädchen,
8
Ein Mann sucht keinen Mann!

9
Die Blonde hat mir gefallen,
10
So lang' ich die Braune nicht sah,
11
Jetzt ist mir, als hätt' ich gesündigt;
12
Ei, war sie denn schon da?

13
Es darf sie nur Einer küssen,
14
Doch Jeder tanzt mit ihr,
15
Und auch den plattsten Gesellen
16
Vergoldet ihr Auge mir.

17
Und schlägt sie's erglühend nieder,
18
Weil sie des Sponsen sich schämt,
19
Erhebt es dafür das seine,
20
Man sieht, daß ihn's nicht grämt.

21
Und dies gefällt mir eben,
22
Er fühlt die Ehre doch,
23
Und denkt er daran im Alter,
24
So steift sich sein Rücken noch.

25
Im Alter, ach, im Alter!
26
Ja, ja, wir werden alt!
27
Er, ich, du selbst, wir Alle,
28
Wir werden alt und kalt!

29
Die Kinder stecken des Abends
30
Zuweilen Papier in Brand
31
Und legen's auf den Ofen
32
Und kauern sich um den Rand.

33
Sie freu'n sich der hüpfenden Funken
34
Mit Grau und Schwarz vermischt,
35
Und wetten, wer von Allen
36
Am letzten wohl erlischt.

37
Wir hüpfen, wie diese Funken,
38
Ueber der Erde Rund
39
Und leuchten vielleicht am hellsten
40
In dieser frohen Stund'.

41
Wer weiß, wer von uns Allen
42
Zuletzt erlöschen mag?
43
Der weiß auch, wer am längsten
44
Erzählt von diesem Tag!

45
Du schönstes Kind, ich ahne,
46
Das wirst du selber sein,
47
Ich sehe dich, wie doppelt,
48
Maifrisch, und alt, wie Stein.

49
Jetzt drehst du dich im Reigen,
50
So reizend und geschwind,
51
Wie dort das Rosenblättchen
52
Im Sommerabendwind.

53
Jetzt hockst du blind im Lehnstuhl,
54
Die Enkel um dich her,
55
Du sprichst von diesem Tage,
56
Sie glauben, von einer Mähr'.

57
Du streichelst mit knöchernem Finger
58
Die Enkelin, die dir gleicht,
59
Du sagst: ich war dir ähnlich,
60
So jung, so schön, so leicht!

61
Sie aber kann's nicht glauben,
62
Und das verdenk' ich ihr nicht,
63
Sie müßte sich sagen: ich selber
64
Bekomm' einst ein solches Gesicht!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Friedrich Hebbel
(18131863)

* 18.03.1813 in Wesselburen, † 13.12.1863 in Wien

männlich, geb. Hebbel

deutscher Dramatiker und Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.