Das Haus am Meer

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Friedrich Hebbel: Das Haus am Meer (1838)

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Hart an des Meeres Strande
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Baut man ein festes Haus;
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Als sollt' es ewig dauern,
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So heben die trotz'gen Mauern
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Sich in das Land hinaus.

6
Mächtige Hammerschläge
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Erdröhnen schwer und voll;
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Die Sägen knarren und zischen,
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Verworren hört man dazwischen
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Der Wogen dumpf Geroll.

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Durch das Gebälke klettert
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Ein rüst'ger Zimmermann;
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Der Wind, der sich erhoben,
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Zerreißt mit seinem Toben
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Das Lied, das er begann.

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Ich bin hinein getreten;
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Daß solch ein Werk gedeiht,
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Das ist an Gott gelegen,
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Zu beten um seinen Segen,
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Nehm' ich mir gern die Zeit.

21
Die Fenster gehen alle
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Hinaus auf die wilde See;
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Noch sind sie nicht verschlossen,
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Eine Möwe kommt geschossen
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Durch das, an dem ich steh'.

26
Hier will der Bewohner schlafen;
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Schon wird in dem luft'gen Raum
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Die Bettstatt aufgeschlagen;
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Da ahn' ich mit stillem Behagen
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Voraus gar manchen Traum.

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Doch, wende ich mein Auge,
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Fällt's auf gar manches Riff,
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Ich sehe des Meeres Tosen,
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Drüben im Gränzenlosen
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Durchbricht den Nebel ein Schiff.

36
Wer ist's denn, der am Strande,
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Am öden, sein Haus sich baut?
38
»ein Schiffer; seit vielen Jahren
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Hat er das Meer befahren,
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Nun ist's ihm lieb und vertraut.

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Dieß ist die letzte Reise,
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Ich fühl' mich alt und müd',
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Daß ich mein Nest dann finde,
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Hobelt und hämmert geschwinde!
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So sprach er, als er schied.

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Jetzt kann er stündlich kehren,
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Er ist schon lange fort,
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Drum müssen wir Alle eilen!«
49
Des schwellenden Sturmwinds Heulen
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Verschlingt des Zimm'rers Wort.

51
Die Wolken ballen sich dräuend,
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Riesige Wogen ersteh'n,
53
Aufgerüttelt von Stürmen,
54
Schrecklich, wenn sie sich thürmen,
55
Schrecklicher, wenn sie zergeh'n.

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Das Schiff dort, kraftlos ringend,
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Ihr Spiel jetzt, bald ihr Raub,
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Muß gegen die Felsen prallen,
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Schon hör' ich den Nothschuß fallen,
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Was hilft es? Gott ist taub.

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Ich fürchte, das ist der Schiffer,
62
Dem man dies Bett bestellt,
63
Der Zimm'rer mit dem Hammer
64
Befestigt die letzte Klammer,
65
Während das Schiff zerschellt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hebbel
(18131863)

* 18.03.1813 in Wesselburen, † 13.12.1863 in Wien

männlich, geb. Hebbel

deutscher Dramatiker und Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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