Ein Spatziergang in Paris

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Friedrich Hebbel: Ein Spatziergang in Paris (1844)

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Es war ein sommerschöner Frühlingstag,
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Und frühe schon verließ ich mein Gemach,
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Mit Wonne trank ich die durchglühte Luft
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Und eines Veilchenstraußes lauen Duft,
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Den auf dem Boulevard mir, jung und roth,
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Als ich vorüberstrich, ein Mädchen bot.

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Und als ich weiter ging, und fern und nah'
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Das frische Leben sich entbinden sah,
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Im Lied der Vögel, in der Sonne Licht,
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Und in der Menschen frohem Angesicht,
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Sich still-geheim gebiert in tiefster Brust:

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Da ward in mir das Innerste gelös't,
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Des Wesens Kern und Wurzel, wie entblößt,
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Und was in mir nicht leuchtet und nicht klingt,
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Weil es in and'rer Form zum Dasein dringt,
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Das leuchtete und klang, es rann in Eins
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Mit Stral und Ton zur Fülle neuen Seins.

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Ich lebte ganz: der ew'gen Kräfte Strom
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Zog hin durch mich, durch's Engste, durch's Atom,
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Ich wurde aus dem Ring, der mich umengt,
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In's Unermeßliche hinausgedrängt,
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Ich fühlte, was ich sein kann, was ich bin,
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Und gab, wie gern, für Jenes Dieß dahin.

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Das trieb aus mir den Tod auf ewig aus,
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Es ist ein Tausch, wie machte der mir Graus!
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Wer je geahnt, was Alles in ihm starb,
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Als er die letzte spröde Form erwarb,
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Der schaudert nicht, wenn sie zerspringt, er weiß:
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Nun tritt die Kraft nur in ein neues Reis.

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Der Mittag kam, und weil es Longchamp war,
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So schloß ich mich an die geputzte Schaar,
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Die sich ergießt durch's Elysä'sche Feld
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An diesem Ostertag der schönen Welt,
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Wo zwar noch Christus nicht, doch, heiß erfleht,
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Schon die Pariser Mode aufersteht.

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Ein putz'ger Anblick! Hier der Obelisk,
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Der einst, umrauscht von Palm' und Tamarisk,
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Sesostris grüßte; voll granit'nen Hohns
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Der Siegesbogen dort Napoleons,
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Was sich ein neues Kleid erobert hat!

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Wie glücklich ist ein distinguirter Mann!
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In Frankreich auch erkennt's der Haufe an.
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Wie wird ein Shawl, ein seid'nes Flor-Gespinnst,
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Ein Perlenschmuck bewundert und begrinzt!
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Weit mehr, als Sonn' und Mond, denn deren Glanz
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Flicht keine Dame in den Lockenkranz.

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Mir war, als säh' ich in der Komödie
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Mein Innerstes in heit'rer Travestie
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Mir vorgeführt; wie ich um seine Kraft
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Den Proteus, der sich rastlos umerschafft,
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So neidete mich selbst des Bettlers Wuth
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Vielleicht um Wunder, die der Schneider thut.

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O Cäsar, hast du je daran gedacht,
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Daß selbst im Tod dir noch dein Glück gelacht?
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Zwar – drei und zwanzig Wunden sind genug
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Für den, der Rom nur halb in Bande schlug,
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Doch finden konntest du das gleiche Ziel,
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Weil deine Toga einem Dieb gefiel!

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Es dämmerte, die schöne Welt verlor
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Sich mit dem Tag, nun ras'te um mein Ohr
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Von zwanzig Volkstheatern die Musik,
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Dazwischen viel Gesang, Gejauchz, Gequiek.
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Vor jedem wurden Lampen angesteckt,
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Weil das die Lust in Volk und Kindern weckt.

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An Hoftheatern komm' ich leicht vorbei,
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Doch eine Bude bleibt mir ewig neu.
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Wo wär' auch, den das »Bild der Welt« nicht reizt,
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Wenn sich darin Natur und Kunst verkreuzt,
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Und eine um die and're keift: sei still!

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Wen läßt das
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Wenn's stolz und breit aus Bettlers Mund erschallt?
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Wer hört nicht das: Nichts ist unmöglich! gern,
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Wenn unten gleich der Stiefel seinem Herrn
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Das Gegentheil beweis't, an dessen Riß
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Man sieht, der Schuster trotzt dem Mann gewiß.

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Hinein denn! Aber wo? Die Wahl ist schwer,
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Der zeigt uns zwanzig Wunder; dreizig der.
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Dort
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Das ist der Ort! Denn sehen muß ich doch,
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Wer für den Mann des Schicksals unverzagt,
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Wenn's nöthig ist, das Wort zu nehmen wagt.

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Ein alter Tambour! Schau'n wir denn auf ihn!
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So wär' er eingezogen in Berlin!
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So hätte er bei Austerlitz gebrüllt!
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So in den Mantel sich bei Ulm gehüllt! –
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Sah dich dein Kaiser als Komödiant,
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Er hätt' aus Angst zum Marschall dich ernannt.

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Und doch, so wie du ihn, hat er den Geist
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Der Welt, der abermals umsonst gekreis't,
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Vielleicht gespielt, und dieser rächt durch dich
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Für seine eig'ne Parodirung sich,
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So wie er schon vorher durch Walter Scott
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Zum wackern Mann herabgesetzt den Gott.

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Ade, o Kaiser! Der zu Tod dich stach,
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Der Wurm umkriecht jetzt deinen Sarkophag,
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Und ach, der Schwindel dieses Wurm-Gehirns
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Beschreibt den Kreislauf deines Ruhm-Gestirns!
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Als daß sich dieß noch tausend Jahre dreht?

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Die Nacht brach ein, die Nacht, die, wie vom Kleid
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Den Leib, so auch vom Leib den Geist befreit,
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Die, daß die Lebensposse ganz zerstiebt,
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Uns im Voraus den Tod zu kosten giebt,
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Und auch schon Flocken aus dem Faden züpft,
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Der uns mit allem Sein der Welt verknüpft.

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Ich ging zurück, nicht matt, doch übersatt.
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Jetzt ein Glas Wein noch und ein Zeitungsblatt!
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Ein Wink, und Beides stand mir zu Gebot.
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Ein Blick, und keinen mehr: Thorwaldsen todt!
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Ein langes Schweigen, wie am heil'gen Ort!
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Kein Lebewohl! Doch endlich dieses Wort:

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So war ihm jeder Genius geneigt!
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Das hat ihm auch der letzte nun gezeigt!
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Er stirbt nicht! Lebt! Ist todt! So fällt ein Stern!
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Das Fallen selbst ist schön! Man sieht's noch gern!
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Das war der Tod, den die Natur gewollt!
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So stirbt, was ganz gelebt, wie es gesollt!

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Er selbst war ein Geschenk. Ein zweites war
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Sein Leben bin in's siebenzigste Jahr.
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So packt mich jetzt denn auch kein grimmer Schmerz,
120
Doch jener Schauder greift mir stark an's Herz,
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Der uns erfaßt, wenn scheidet solch ein Mann,
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Den ein Jahrtausend erst ersetzen kann!

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Denn Künstler-Größen lösen sich nicht ab,
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Wie Schildwacht Schildwacht an des Kaisers Grab.
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In immer längern Pausen kehren sie;
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Denn immer schwerer wird die Harmonie,
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Wie jetzt der Mensch, sein Sohn, vielleicht vergeht!

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Nun stehen alle Kaiserstühle leer!
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Seit Raphael erstand kein Maler mehr,
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Der sich durch Geistesfülle und Talent
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Mehr aufgerichtet, als ein Monument.
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Zwar, groß sind Vernet und Cornelius,
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Doch wie? Als erster oder – letzter Gruß!

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Beethoven schied. Und während er verschnauft,
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Herrscht Meyerbeer, der hundert Orgeln kauft,
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Damit der Componist, der mit ihm ringt,
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Nicht eine vor ihm auf die Bühne bringt.
138
Beethoven hätt' der Orgel selbst vertraut,
139
Was dieser auf die

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Goethe ging heim. Das Diadem zersprang,
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Das achtzig Jahre seine Stirn umschlang.
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Nun zeigt zwar Mancher ein Juwel daraus,
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Doch, wer verflicht sie abermals zum Strauß?
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Wer ist es, der den Geist und die Natur,
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Wie er, ergreift auf ungetrennter Spur?

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Thorwaldsen folgt, der Letzte wohl im Zug,
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Der aus dem Marmor griech'sches Feuer schlug,
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Der das, was werden sollte und nicht ward,
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Weil es im Werden selbst schon halb erstarrt,
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Das ungeschaff'ne Urbild alles Seins,
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Erlös'te aus dem spröden Schooß des Steins.

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Fahr wohl! Noch nicht! So lang' ich dieses Wort
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Nicht sprach, so lange kannst du noch nicht fort!
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Das ist, die Liebe hat es wohl erkannt,
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Der letzte Zauber, der die Schatten bannt,
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Das Liebste noch einmal, bevor es flieht.

157
So trittst auch du vor meinen innern Sinn,
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Damit ich Abschied von dir nehme, hin;
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Wie ich dich einst bei Oehlenschläger sah,
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So stehst du herrlich wieder vor mir da,
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Schon ungenannt erkannt, und anzuschau'n,
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Als hätt'st du selbst dich aus dem Fels gehau'n.

163
Du riefst mir freundlich ein Willkommen zu,
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Ich rufe jetzt in deine ew'ge Ruh
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Aus tiefster Brust ein Fahrewohl dir nach,
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Und diesen Kranz, bunt, wie ihn mir der Tag
167
Aus wilden Blumen mit und ohne Duft
168
Geflochten, lege ich auf deine Gruft!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hebbel
(18131863)

* 18.03.1813 in Wesselburen, † 13.12.1863 in Wien

männlich, geb. Hebbel

deutscher Dramatiker und Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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