Letzter Gruß

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Friedrich Hebbel: Letzter Gruß (1843)

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Jungfraunbilder, früh' erblichen,
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In dem Haar den Myrthenkranz,
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Dämmernd-schwebende Gestalten,
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Steigen auf bei Mondenglanz.

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Wollt ihr mit den weißen Händen,
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Die den Knaben nie gedrückt,
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Halb verwelkte Rosen brechen,
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Weil kein Fröhlicher sie pflückt?

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Wollt ihr mit den kalten Lippen,
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Die kein Jüngling warm geküßt,
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Aus den Blütenkelchen trinken,
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Die der Schmetterling vergißt?

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Oder wollt ihr still erkunden,
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Wenn ihr, wie im Traum, euch zeigt,
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Ob euch aus dem treusten Herzen
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Noch ein letzter Seufzer steigt?

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Eine tritt zu mir an's Lager,
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Ach, ich träumte nicht von ihr,
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Aber, abendroth-umgossen,
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Steht sie jetzt, wie einst, vor mir.

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Immer lächelnd, immer freundlich,
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Und erst in dem letzten Schmerz
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Preßte sie, zusammen sinkend,
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Ihre Hand auf's arme Herz!

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Ach, ihr Herz war wie ein Siegel:
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Erst als es gebrochen war,
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Wurde mir sein schaurig-süßes,
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Himmlisches Geheimniß klar!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hebbel
(18131863)

* 18.03.1813 in Wesselburen, † 13.12.1863 in Wien

männlich, geb. Hebbel

deutscher Dramatiker und Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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