8. Süße Täuschung

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Friedrich Hebbel: 8. Süße Täuschung (1834)

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Oft, wenn ich bei der Sterne Schein
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Zum Kirchhof meine Schritte lenke,
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Und mich so tief, so ganz hinein
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In jene sel'ge Zeit versenke,
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Wie wir zusammen Hand in Hand
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Hier wandelten in stillem Wehe,
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Da ist es mir, als ob das Band
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Noch immer heiter fortbestehe.

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Wir gehen fort und immer fort
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Und schau'n die Gräber in der Runde,
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Du hast für jegliches ein Wort
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Und sprichst es aus mit sanftem Munde,
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Du sprichst vom frühen Schlafengeh'n
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Und von der Eitelkeit der Erde
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Und von dem großen Wiederseh'n,
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Das Gott uns nicht versagen werde.

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Und kommt zuletzt dein eigen Grab,
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So rufst du aus: wir müssen scheiden!
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Der Vater ruft die Tochter ab,
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Wir wußten's längst, und wollen's leiden!
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Und ruhig wandle ich hinaus,
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Wie einst aus deines Vaters Garten,
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Wenn er dich heimrief in das Haus,
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Du aber sprachst, ich solle warten.

(Haider, Thomas: Deutsches Lyrik Korpus (DLK) v5.0, 2022. Ursprünglich von Editura GmbH & Co. KG (Digitale Bibliothek) digitalisiert, vom TextGrid-Verbund erworben und angereichert; als DLK-Ausgabe bearbeitet und kuratiert. Lizenz: Verbreitet unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International Lizenz (CC BY-SA 4.0). Änderungen: Textkorrekturen, Anreicherung mit Metadaten und Textannotationen sowie Konvertierung durch Textopus.)

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Friedrich Hebbel
(18131863)

* 18.03.1813 in Wesselburen, † 13.12.1863 in Wien

männlich, geb. Hebbel

deutscher Dramatiker und Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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