Bubensonntag

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Friedrich Hebbel: Bubensonntag (1836)

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Wenn ich einst, ein kleiner Bube,
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Sonntags früh' im Bette lag,
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Und die helle Kirchenglocke
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All das Schweigen unterbrach:

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O, wie schlüpft' ich dann so hurtig
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Aus dem Bett in's Kleid hinein,
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Und wie gern ließ ich das Frühstück,
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Um zuerst bei Gott zu sein!

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Ein Gesangbuch unter'm Arme,
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Eh' ich's Lesen noch verstand,
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Ging ich fort, gebeugten Hauptes,
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Fromm verschränkend Hand in Hand.

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Kam mein Hündchen froh gesprungen,
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Schalt ich: komm mir nicht zu nah'!
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Kaum, daß ich, zur Seite schielend,
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Nach der Vogelfalle sah.

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Fiel die Kirchenthür nun knarrend
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Hinter meinem Rücken zu,
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Sprach ich furchtsam-zuversichtlich:
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Jetzt allein sind Gott und du!

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Längst mit ganzem, vollem Herzen
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Hing ich ja an meinem Gott,
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Doch, daß Niemand ihn erblicke,
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Hielt ich stets für eitel Spott.

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Und so hofft' ich jeden Morgen,
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Endlich einmal ihn zu seh'n;
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War's denn Nichts in meinen Jahren,
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Stets um Fünfe aufzusteh'n?

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Auf dem hohen Thurm die Glocke
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War schon lange wieder stumm,
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Der Altar warf düstre Schatten,
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Gräber lagen rings herum.

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Drang ein Schall zu mir herüber,
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Dacht' ich: jetzt wirst du ihn schau'n!
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Aber meine Augen schlossen
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Sich zugleich vor Angst und Grau'n.

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Und dies Zittern, dies Erbangen,
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Und mein kalter Todesschweiß –
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Daß der Herr vorbei gewandelt,
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Galt mir Alles für Beweis.

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Still und träumend dann zu Hause
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Schlich ich mich in süßer Qual,
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Und mein klopfend Herz gelobte
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Sich mehr Muth für's nächste Mal.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hebbel
(18131863)

* 18.03.1813 in Wesselburen, † 13.12.1863 in Wien

männlich, geb. Hebbel

deutscher Dramatiker und Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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