Das Kind

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Friedrich Hebbel: Das Kind (1834)

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Die Mutter lag im Todtenschrein,
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Zum letzten Mal geschmückt;
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Da spielt das kleine Kind herein,
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Das staunend sie erblickt.

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Die Blumenkron' im blonden Haar
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Gefällt ihm gar zu sehr,
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Die Busenblumen, bunt und klar,
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Zum Strauß gereiht, noch mehr.

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Und sanft und schmeichelnd ruft es aus:
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Du liebe Mutter, gieb
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Mir eine Blum' aus deinem Strauß,
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Ich hab' dich auch so lieb!

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Und als die Mutter es nicht thut,
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Da denkt das Kind für sich:
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Sie schläft, doch wenn sie ausgeruht,
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So thut sie's sicherlich.

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Schleicht fort, so leis' es immer kann,
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Und schließt die Thüre sacht
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Und lauscht von Zeit zu Zeit daran,
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Ob Mutter noch nicht wacht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hebbel
(18131863)

* 18.03.1813 in Wesselburen, † 13.12.1863 in Wien

männlich, geb. Hebbel

deutscher Dramatiker und Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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