Das Kind am Brunnen

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Friedrich Hebbel: Das Kind am Brunnen (1841)

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Frau Amme, Frau Amme, das Kind ist erwacht!
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Doch die liegt ruhig im Schlafe.
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Die Vöglein zwitschern, die Sonne lacht,
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Am Hügel weiden die Schafe.

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Frau Amme, Frau Amme, das Kind steht auf,
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Es wagt sich weiter und weiter!
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Hinab zum Brunnen nimmt es den Lauf,
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Da stehen Blumen und Kräuter.

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Frau Amme, Frau Amme, der Brunnen ist tief!
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Sie schläft, als läge sie d'rinnen!
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Das Kind läuft schnell, wie es nie noch lief,
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Die Blumen locken's von hinnen.

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Nun steht es am Brunnen, nun ist es am Ziel,
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Nun pflückt es die Blumen sich munter,
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Doch bald ermüdet das reizende Spiel,
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Da schaut's in die Tiefe hinunter.

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Und unten erblickt es ein holdes Gesicht,
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Mit Augen, so hell und so süße.
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Es ist sein eig'nes, das weiß es noch nicht,
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Viel stumme, freundliche Grüße!

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Das Kindlein winkt, der Schatten geschwind
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Winkt aus der Tiefe ihm wieder.
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Herauf! Herauf! So meint's das Kind:
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Der Schatten: Hernieder! Hernieder!

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Schon beugt es sich über den Brunnenrand,
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Frau Amme, du schläfst noch immer!
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Da fallen die Blumen ihm aus der Hand,
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Und trüben den lockenden Schimmer.

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Verschwunden ist sie, die süße Gestalt,
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Verschluckt von der hüpfenden Welle,
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Das Kind durchschauert's fremd und kalt,
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Und schnell enteilt es der Stelle.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hebbel
(18131863)

* 18.03.1813 in Wesselburen, † 13.12.1863 in Wien

männlich, geb. Hebbel

deutscher Dramatiker und Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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