Die Spanierin

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Friedrich Hebbel: Die Spanierin (1841)

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»flasche, wunderbar versiegelt,
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Deinen Glutwein trink' ich jetzt,
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Daß er meinen Geist, beflügelt,
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Nach Hispania versetzt!

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Daß ich jenen Hügel schaue,
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D'rauf er wuchs und Feuer sog,
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Und das Felsenhaupt, das graue,
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Das sich auf ihn niederbog.

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Und das Mädchen, das ihn streifte
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Mit des Flammenauges Stral,
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Daß er doppelt schneller reifte,
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Wenn sie kam aus ihrem Thal.

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Das sich oft in seinem Schatten
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An den Reben still entzückt,
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Und zuletzt die feuersatten
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Für ein Festmahl ausgedrückt.«

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Wie aus einer Ader, schäumend
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In den Becher rinnt der Wein,
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Hastig trinkt der Jüngling, träumend
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Blickt er dann in's Glas hinein.

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Eine dunkle Rebenlaube
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Sieht er vor sich, heimlich, dicht,
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Traube drängt sich d'rin an Traube,
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Doch das Mädchen sieht er nicht.

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»trinke mehr!« Er ruft's beklommen,
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In die Wangen tritt sein Blut,
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»trinke Alles! Sie soll kommen,
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Ob sie auch im Grabe ruht!«

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Eben schlägt die zwölfte Stunde,
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Und er leert das letzte Glas.
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Da, wie aus des Bechers Grunde,
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Steigt ein Mädchen, ernst und blaß.

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»könnt' ich weinen – spricht sie – Armer,
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Noch als Geist beweint' ich dich,
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Denn du Blühend-Lebenswarmer
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Bist nun bald so kalt, wie ich.

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Diese Laube, diese Reben
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Siehst du, auch den kleinsten Sproß,
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Aber nicht das süße Leben,
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Das sie dämmernd einst umschloß.

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Nicht, wie ich mich schlafend stellte,
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Als ich ihn von fern geseh'n,
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Nicht, wie es das Herz mir schwellte,
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Als er sprach: Hier bleib' ich steh'n!

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Nicht, wie bald ich seinem Sehnen
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Meine höchste Huld erwies,
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Auch nicht meine starren Thränen,
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Als er endlich mich verließ.

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Alle diese Reben blühten,
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Als er mich zuerst umfing,
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Und die reifen Trauben glühten,
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Als er treulos von mir ging.

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Da, im rachedurst'gen Muthe,
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Preß't ich sie, den Zauberspruch
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Murmelnd, und von meinem Blute
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Mischt' ich d'rein und sprach den Fluch.

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Nun, ein letztes Angebinde,
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Schickt' ich ihm den dunklen Trank,
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Dann, daß er mich nie mehr finde,
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Stach ich mich in's Herz und sank.

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Doch, mein Werk blieb unvollendet,
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Meinen Wein, der ihn bedräut,
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Hat er über's Meer gesendet,
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Und du Armer trankst ihn heut'.

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Weh', nun wirst du dich verzehren,
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Wie es ihm beschieden war,
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Wirst des Mädchens noch begehren,
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Das schon Staub seit manchem Jahr;

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Wirst auf Erden Nichts erwerben,
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Als die Glut, d'rin du erstickst,
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Wirst, ach wirst nicht einmal sterben,
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Ehe du mein Grab erblickst!

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Willst du mir zur Seite schlafen?
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In Sevilla!« – Sie entschwebt,
75
Und der Jüngling geht zum Hafen,
76
Ob ein Schiff den Anker hebt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hebbel
(18131863)

* 18.03.1813 in Wesselburen, † 13.12.1863 in Wien

männlich, geb. Hebbel

deutscher Dramatiker und Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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