Schön Hedwig

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Friedrich Hebbel: Schön Hedwig (1838)

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Im Kreise der Vasallen sitzt
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Der Ritter, jung und kühn;
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Sein dunkles Feuerauge blitzt,
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Als wollt' er zieh'n zum Kampfe,
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Und seine Wangen glüh'n.

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Ein zartes Mägdlein tritt heran
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Und füllt ihm den Pocal.
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Zurück mit Lächeln tritt sie dann,
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Da fällt auf ihre Stirne
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Der klarste Morgenstral.

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Der Ritter aber faßt sie schnell
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Bei ihrer weißen Hand.
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Ihr blaues Auge, frisch und hell,
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Sie schlägt es erst zu Boden,
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Dann hebt sie's unverwandt.

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»schön Hedwig, die du vor mir stehst,
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Drei Dinge sag' mir frei:
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Woher du kommst, wohin du gehst,
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Warum du stets mir folgest;
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Das sind der Dinge drei!«

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Woher ich komm'? Ich komm' von Gott,
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So hat man mir gesagt,
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Als ich, verfolgt von Hohn und Spott,
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Nach Vater und nach Mutter
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Mit Thränen einst gefragt.

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Wohin ich geh'? Nichts treibt mich fort,
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Die Welt ist gar zu weit.
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Was tauscht' ich eitel Ort um Ort?
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Sie ist ja allenthalben
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Voll Lust und Herrlichkeit.

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Warum ich folg', wohin du winkst?
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Ei, sprich, wie könnt' ich ruh'n?
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Ich schenk' den Wein dir, den du trinkst,
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Ich bat dich drum auf Knieen
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Und mögt' es ewig thun!

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»so frage ich, du blondes Kind,
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Noch um ein Viertes dich;
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Dies Letzte sag' mir an geschwind,
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Dann frag' ich dich Nichts weiter,
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Sag', Mägdlein, liebst du mich?«

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Im Anfang steht sie starr und stumm,
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Dann schaut sie langsam sich
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Im Kreis der ernsten Gäste um,
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Und faltet ihre Hände
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Und spricht: Ich liebe dich!

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Nun aber weiß ich auch, wohin
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Ich gehen muß von hier;
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Wohl ist's mir klar in meinem Sinn:
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Nachdem ich dieß gestanden,
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Ziemt nur der Schleier mir?

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»und wenn du sagst, du kommst von Gott,
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So fühl' ich, das ist wahr.
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Drum führ' ich auch, trotz Hohn und Spott,
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Als seine liebste Tochter
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Noch heut' dich zum Altar.

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Ihr edlen Herrn, ich lud verblümt
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Zu einem Fest euch ein;
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Ihr Ritter, stolz und hoch gerühmt,
59
So folgt mir zur Kapelle,
60
Es soll mein schönstes sein!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hebbel
(18131863)

* 18.03.1813 in Wesselburen, † 13.12.1863 in Wien

männlich, geb. Hebbel

deutscher Dramatiker und Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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