Die Polen sollen leben

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Friedrich Hebbel: Die Polen sollen leben (1841)

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Zu Hamburg in dem Saale,
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Voll Lichterglanz und Pracht,
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Sitzt mancher Gast beim Mahle
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In heil'ger Neujahrsnacht;
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Die Fremden sind's, sie wären gern
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Im Vaterland, doch das ist fern,
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Nun wird denn sein gedacht.

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Erst haben sich die Gäste
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Kalt in's Gesicht geschaut,
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Doch werden sie bei'm Feste
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Bald froh und wohlvertraut.
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Nur Einer, welchen Niemand kennt,
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Blickt stumm in's Licht, wie's niederbrennt,
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Jung, aber schon ergraut.

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Ihm dünken sie Gespenster
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In ihrer Lust zu sein;
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Er kehrt sich ab; in's Fenster
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Wirft hell der Mond den Schein.
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Er spricht: du überschaust die Welt,
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So sag', ob Polen steht, ob fällt! –
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Die Wolke hüllt ihn ein.

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Sein Herz will zornig wallen,
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Da schwört er still sich zu:
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Magst steh'n, mein Volk, magst fallen,
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Ich steh' und fall', wie du!
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Gewiß der Erste, wär' ich dort,
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Der Letzte hier am fremden Ort,
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Mein Dolch bringt mich zur Ruh.

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Der Glockenthurm thut eben
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Die zwölfte Stunde kund,
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Die Polen sollen leben!
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Ruft er mit lautem Mund.
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Ein Jeder greift, wie er, zum Glas,
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Sie All' erglüh'n, doch er sinkt blaß
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Zurück, ist todt zur Stund'.

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Sie gießen, statt zu trinken,
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Den Wein jetzt in den Sand;
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Sie sah'n das Schicksal winken
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Und haben's wohl erkannt,
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Daß Polen bald dem Todten gleicht,
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Doch Keiner ahnt, wie bald vielleicht
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Die Welt dem Polenland.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hebbel
(18131863)

* 18.03.1813 in Wesselburen, † 13.12.1863 in Wien

männlich, geb. Hebbel

deutscher Dramatiker und Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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