An eine Grausahme

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Johann Georg Gressel: An eine Grausahme (1716)

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Sie tödtet mich mein Licht/ mein Schatz/ mein süsses Leben/
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Sie machet daß ich auf den matten Geist muß geben/
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Der Augen heisser Blitz/
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Das krůfftige Geschütz/
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Setzt mein verliebtes Hertz in solche Feuer-Gluhten
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Die niemand löschen mag mit allen Wasser-Fluhten.
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Es gehet Fleiß und Schweiß vergebens in den Wind
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So lange/ bis man sie auch bey der Rettung findt.

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Sie machet meinen Brand/ und will mich doch nicht retten/
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Sie denckt zu grössern Schmertz mich in die Höll zu betten.
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Sie häuffet Feur auf Feur
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Als dort das Ungeheur/
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Mit welchem
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Doch dieser kunte noch desselben Flammen dämpffen/
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Er trug den Sieg davon/ ich aber stege nicht/
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Mein Kämpffen hat noch nichts/ o Himmel ausgericht.

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Ich mühe mich umsonst ihr Hertze zubesiegen/
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Mein Unternehmen kan ich nicht zum Ende kriegen.
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Mein Streiten stellet mir
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Die Danaiden für.
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Denn so wie diese nur in steter Arbeit schweben
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Und in dem Siebe nicht das schwere Wasser heben/
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So schlägt bey ihrer Brust auch mein Beginnen an/
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Ich habe viel/ und doch noch nichtes nicht gethan.

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Die Geister sind schon halb aus meiner Brust verlohren/
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Jhr Hertz’ hat sich so gar auf meinen Fall verschworen.
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Die Ohren sind verstopfft
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So das vergebens klopfft
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Bey ihrem Hertzen an mitleydiges Erbarmen/
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Sie stellt sich taub und hart vor einen krancken Armen/
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Jhr Hertz verkehret sich in Stahl und Marmor-Stein/
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Und will/ o Ungelück! mir unbeweglich seyn.

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Ach Unbeweglichste! ihr Hart-seyn läßt mich sterben/
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Jhr weigern lässet mich/ doch viel zu früh/ verderben.
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Der Geist begehrt die Lufft
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Der Leib verlangt die Grufft.
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Doch
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Die
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Und zeiget daß sie mehr/ als diese/ grausahm ist
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Da sonst die Grausamkeit sich mit der

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So muß ich nun also in steten Sterben leben/
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Und lebend allezeit den matten Geist auffgeben/
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Ich lebe/ und bin todt
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Halb Wohl/ und halb in Noht.
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In Noht/ wenn ich mich muß mit ihren Streuben quählen
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Und Wohl/ dieweil ich weiß/ daß sie mich wird entseelen.
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So liege ich im Grab’ und bin auch in der Welt/
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Der Himmel weis wie schwehr mir dieser Jammer fällt.

(Celander [i. e. Gressel, Johann Georg]: Verliebte-Galante/ Sinn-Vermischte und Grab-Gedichte. Hamburg u. a., 1716.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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