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Wie bau'st du mir, frug einst von ihren Zinnen
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Die Unerreichlichste im Range der Göttinnen,
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Die Wahrheit, einen Mann, der ihr
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Der Baukunst Meister schien, wie bau'st du mir
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Ein meiner würdig Haus, wo ich zuweilen
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Mich niederlassen kann, um ungeseh'n
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Dem Maulwurfsaug' der Sterblichen,
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Im Kreise meiner Freunde zu verweilen? –
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Der weise Architekt schwieg eine Weile, – dann
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Begann er so: »Des höchsten Berges Spitze,
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Die keines Menschen Aug' erreichen kann,
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Wähl' ich, o Göttin, dir zu deinem Sitze.
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Hier in den höchsten Regionen
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Der Erdenluft, wo ich des Erdballs Zonen,
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Weit ausgebreitet unter mir,
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Mit einem Blicke übersehe,
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Dem Quell des Lichts, der Sonn', und dir,
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Erhab'ne Göttin, in der Nähe,
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In einer Ferne, die kein Menschenlaut
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Erreicht, in einer Höh', wovor dem Blicke graut,
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Da, Göttin, will ich mit Vertrauen
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Auf meine Kunst dir einen Tempel bauen.
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Da sollst du einen Platz, von Säulen bloß
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Umschlossen, einfach, aber groß –
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So wie du selbst – zum Aufenthalte haben.
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In diese Säulen will ich dann
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Der ält'sten Weisheit Ueberbleibsel graben,
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In Bildern, die nur der entziffern kann,
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Dem du's vergönnst. Den Tempel selber müssen
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Nicht Dach noch Seitenwand umschliessen:
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Nein! himmelan und seitwärts sei
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In die Unendlichkeit dem Blick die Aussicht frei!
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Kein Sterblicher erklimmt, um da uns auszuspähen,
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Die steile Felsenwand; nur eine schmale Bahn
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Führt die Berufenen zum Heiligthum hinan.
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Und da, wo nur allein des Tempels Höhen
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Zugangbar sind, bau' ich ein festes Thor
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Dem Haufen der Profanen vor.
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Hier soll es nie Unwürdigen gelingen,
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In dieses Heiligthum sich einzudringen.
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Doch weil kein Schloß hienieden unzersprengbar ist,
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Und weil ich leider sehen mußte,
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Wie schlau schon oft die Hand der List
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Die stärksten Riegel wegzuschieben wußte,
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O Göttin, so erlaube mir,
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Daß ich an deines Tempels Schwelle
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Zwei unbestechliche, bewährte Wächter stelle.
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Die Weisheit und die Stärke stell' ich hier
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Zu Wächtern auf. Die eine soll mit scharfem Blicke
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Das Innerste des Suchenden durchspäh'n,
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Ihn wägen, und ob er auch deiner werth ist, seh'n,
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Und ist er's nicht, so weist die and're ihn zurücke.
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Ja, wär' er eines Fürsten Sohn,
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Und fänd' er sich an seinem Prüfungstage
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Nur um ein Gran zu leicht auf deiner Wage,
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So muß er fort von deinem Thron!
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Und daß wir stets getreu der weisen Strenge bleiben,
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Will ich mit Flammenschrift an deine Pforten schreiben:
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Hinweg, Unwürdige: O daß doch alle, die
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Du deine Freunde nennst, mit Flammenzügen
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Im Herzen diesen Spruch tief eingegeben trügen!
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So sprach der Architekt. – Und sieh!
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Die Göttin lächelte mit innigem Vergnügen
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Ihm Beifall zu. – Da ging er und begann
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Des Tempels Bau nach seinem weisen Plan; –
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Und als er fertig war, ließ sich die Göttin nieder,
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Versammelte die ihr getreuen Brüder
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In ihrem Heiligthum, und hieß sie dann
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Den neuen Bau, zum ewigen Gedeihen,
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Der Wahrheit und der Eintracht weihen.