An den Teufel

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Aloys Blumauer: An den Teufel (1776)

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Man will dir, Armer, jetzt den Abschied geben,
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Und läugnet deine Macht:
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Man führt bei Tag ein teufelloses Leben,
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Und scheut dich nur bei Nacht.

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Dir geht's, wie einem König auf der Bühne,
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Man spottet deiner keck,
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Seit Jahren schon schreibt wider dich die kühne
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Berliner Bibliothek.

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Ein jeder Knabe neckt dich zum Vergnügen,
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Und dünkt dabei sich klug,
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Du gleichst dem Löwen, den in letzten Zügen
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Sogar der Esel schlug.

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Doch all' die Neckerei ist – wo nicht Sünde –
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Doch ohne Consequenz,
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Wir haben leider! noch zu viele Gründe
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Von deiner Existenz.

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Die schwarzen Buben treiben ja noch immer
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Mit Menschen ihren Hohn;
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Nur thun sie, was sie sonst verübten, nimmer
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In eigener Person.

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Sie dürfen keinen Hexentanz zwar halten;
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Doch sieht man sie das nun
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In männlichen und weiblichen Gestalten
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Auf der Redoute thun.

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Die wilde Jagd mit gräßlichem Gebelle
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Hast du zwar eingestellt;
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Doch machest du, daß sie an deiner Stelle
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Der Junker selber hält.

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Und schreckst du gleich die fromme Dame nimmer
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In schwarzer Liverei,
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So kommst du Nachts doch oft noch in ihr Zimmer
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Als Läufer und Lakei.

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Zwar lässest du, gleich allen bösen Geistern,
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Nicht mehr Gestank zum Hohn;
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Doch riecht man dich in unsern kleinen Meistern
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Auf fünfzig Schritte schon.

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Dein Hörnerdiadem hat, wie ich höre,
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Zwar noch kein Mensch geseh'n;
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Doch uns're Männer rechnen sich's zur Ehre,
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In diesem Schmuck zu gehn.

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Du gehst nicht mehr, um Jungen zu verstricken,
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Als Weib zu ihnen hin;
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Doch fährst du jetzt, sie sich'rer zu berücken,
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In eine Kupplerin.

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Der schwarze Bock, der oft zu Lustgelagen
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So manche Hexe trug,
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Ist abgeschaft, doch gibts in unsern Tagen
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Noch graue Böcke g'nug.

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Aus Spiegeln guckt die Schönen zu bestrafen,
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Zwar jetzt kein Satan mehr:
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Doch sind gar viele, die sich d'rin begaffen,
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Noch häßlicher, als er.

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Du wagst dich zwar nicht mehr in Menschenlieber,
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Seit Gaßner dir gedroht;
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Allein du fährst doch stets in uns're Weiber,
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Und quälest uns zu Tod.

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Du unterschiebst dem kaum entbund'nen Weibe
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Zwar nun nicht mehr ein Kind,
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Doch sieht man Kinder, die im Mutterleibe
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Schon unterschoben sind.

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Zu Kohlen wird das Geld, wenn Filze sterben,
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Nicht mehr auf dein Geheiß;
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Doch machst du's in den Händen ihrer Erben
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Noch immer glühend heiß.

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Du kommst zwar, wenn man dich exorcisiret,
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Nicht mehr, und bleibst in Ruh,
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Doch machen's Schuldner, wenn man sie citiret,
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Gerade so, wie du.

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Man sieht dich zwar nicht Seelenhandel treiben,
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Nicht Pakte machen mehr;
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Allein Verschwender ohne Zahl verschreiben
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Sich nun dem Wucherer.

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Zwar marterst du die armen Menschenseelen
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Mit List, Gewalt und Trug
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Nicht mehr, allein die Narren quälen
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Einander selbst genug.

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Und braucht man gleich jetzt keine Lukaszettel,
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Noch Amulette mehr,
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So rühmt uns doch den schon vergeß'nen Bette!
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Ein Pater Fast noch sehr.

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Und hebet alles dies nicht jeden Zweifel
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An deines Reichs Gewalt;
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So sieht man ja noch täglich viele Teufel
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In menschlicher Gestalt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Aloys Blumauer
(17551798)

* 21.12.1755 in Steyr, † 16.03.1798 in Zum eisernen Mann

männlich, geb. Blumauer

österreichischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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