An Herrn Hofrath B Siehe Herrn von Hagedorn Fabeln und Erzehlungen

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Johann Peter Uz: An Herrn Hofrath B Siehe Herrn von Hagedorn Fabeln und Erzehlungen (1755)

1
Ein silberweisser Bart fließt ihm von muntern Wan-
2
gen
3
Bis auf den Gürtel ab, wo schwere Schlüssel hangen:
4
Sein blendendes Gewand schleppt auf dem Boden hin:
5
Er geht; ich folg ihm nach; ich weis nicht, wo ich bin.
6
Ein zweifelhaftes Licht stielt sich durch seltne Ritzen,
7
Wie in den Wäldern herrscht, wann die Gestirne bli-
8
tzen,
9
Noch ehe Cynthia mit vollem Angesicht
10
Aus neidischem Gewölke bricht.
11
Ich sehe tief hinein viel grosser Fässer liegen:
12
Huy! denk ich, hier giebts Wein! Für Sehnsucht und
13
Vergnügen
14
Leckt meine dürre Zunge schon
15
Die Lippen, die dem Faß mit ihrem Durste drohn.
16
Du siehest, sprach der Geist, den ehrlichsten der Geister!
17
Ich war in beßrer Zeit hier ehmals Kellermeister:
18
O Zeiten! euch vergeß ich nie,
19
Da Weins die Fülle war, und alles trank und spie!
20
Auf diesen Höhen stund Lyäens liebster Tempel:
21
Mein Schatten schwebet noch um den geliebten Ort.
22
Wie ofte taumelt’ ich, den Jüngern zum Exempel,
23
Um jene fruchtbarn Fässer dort!
24
Doch damals waren auch die güldensten der Zeiten:
25
Da wuste Römhild nichts von Unruh, Zank und Strei-
26
ten:
27
Man zankte nur, wenn Wein gebrach:
28
Nur seit Lyäus floh, flog ihm der Friede nach.
29
O Römhild! Römhild! sieh, was dir mit ihm entge-
30
het!
31
Die Zwietracht raste stets, die stille Ruhe wich,
32
Seit Hartenburg verheeret stehet:
33
Ein Gott hat hier gewohnt, ein Gott verfolget dich.
34
Parodie der Worte Horatii in der 6. Ode des 3ten Buchs: Delicta Majorum immeritus luis &c. nach Herrn von Hagedorn Uebersetzung in Oden und Liedern S. 8. Du büssest unverdient der Väter Missethaten,
35
Bis du den Tempel wieder baust,
36
Das Haus des Rebengotts, das in Verfall gerathen,
37
Auf dessen Trümmern du nur Gras und Moder schaust:
38
Bis du die Fässer füllst, wo sonst Lyäus brauste;
39
Nun, leider! sind sie leer!
40
Der Alte seufzt’ und sprach nicht mehr:
41
Die schreckenvolle Höhle sauste
42
Und seufzte kläglich: sie sind leer!
43
Auch ich, der schon in Hoffnung schmauste,
44
Schrie kläglich: sie sind leer!

(Uz, Johann Peter: Lyrische und andere Gedichte. 2. Aufl. Ansbach, 1755.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Johann Peter Uz
(17201796)

* 03.10.1720 in Ansbach, † 12.05.1796 in Ansbach

männlich, geb. Uz

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.