Lob- und Ehrengedicht für die sämmtlichen neuen schreibseligen Wiener Autoren

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Aloys Blumauer: Lob- und Ehrengedicht für die sämmtlichen neuen schreibseligen Wiener Autoren (1776)

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In einer Stadt, es ist ein närrisch Ding,
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Wo man, um sich zu distinquiren
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Zuweilen lieber auf allen Vieren,
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Oder wohl gar aus den Köpfen ging:
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(wovon zwar das Letzte zu dieser Frist
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Wohl anging, weil um manche Wade
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Die derb und voll ist weit mehr Schade,
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Als um die hohlen Köpfchen ist;)
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In dieser Stadt wird nun viel gelesen,
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Noch mehr geschrieben von all' dem Wesen
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Der olim geehrten Pfaffheit; anbei
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Von Stubenmädchen und ihren Röcken,
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Von Handlung, Finanz und Polizey,
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Von Kaufmannsdienern und ihren Säcken,
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Von Fräulein, Frauen und ihren Gecken,
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Von Schneidern, Pensionen und Leichen,
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Von Dienern, die ihren Herren gleichen,
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Von Thieren mit langen und kurzen Ohren,
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Von Advokaten und Professoren,
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Von Brüderschaften und Rosenkränzen,
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Von Fahnen, die zu viel flimmern und glänzen,
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Von Bäckern, Kaufleuten, Mäcklern und Juden,
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Von Ablaßkrämern und ihren Buden,
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Von Lukaszetteln und Kardinalen,
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Von Jesuiten und ihren Kabalen,
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Von Fast und Pochlin und Erzthurmknöpfen,
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Von Mönchen und ihren hohlen Köpfen,
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Von Papsten und seinen schönen Füssen,
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Von Damen, die gern den Pantoffel küssen,
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Und weiß der Himmel wovon noch! – Kurzum
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Da ist kein Pudendum, noch Scandalum,
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Das nicht ein rüstiger Federheld
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Sammt seiner Person auf den Pranger stellt.
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Das macht, die allzeitfertigen Herr'n
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Die möchten nun einmal auch gar zu gern
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Erfahren, wie der gaffenden Welt
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Ein Kindlein aus ihren Händen gefällt,
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D'rum drehen sie ihre Püppchen geschwinder, dann
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Der fertigste Töpfer eins drehen kann,
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Und drücken: damit man den Vater nicht
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Verkenn', ihm die Finger in's Angesicht,
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Und stellen's zur Schau. – Da läuft und gafft,
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Was Augen und Füsse hat, spottet und klafft,
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Schilt, tadelt und lobt, klatscht, pfeifet und schmäht,
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Läßt eine Stunde sich narren – und geht.
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Das Autorlein aber schlägt, mit dem Lohn
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Im Sacke, sein Schnippchen – und schleicht davon.
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Hieraus erwächst nun von selbst ein gar
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Erbaulich Problemchen, das lautet: Wer war
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Von beiden Seiten der größte Narr? –
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Wag es ja keiner zu resolviren,
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Er möchte sein bischen Verstand risciren.

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Doch ihr, schreibseligen Knaben,
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Laßt euch nicht stören in eu'rer Ruh,
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Schont eu'rer Hände nicht, schreibet!
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Ihr werdet hier immer Leser haben.
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Ihr habt ja ein englisches Publikum,
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Es läßt sich prellen, und lobt euch d'rum,
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Denkt euch, ihr lebet in jenem Land,
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Wo man einst Diebe und Beutelschneider
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Des Witzes wegen noch lobenswerth fand;
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Zwar ist das Publikum leider
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Bei uns nicht mehr im Gange, dafür
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Erlaubt euch das Recht jetzt, jedem Herren,
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Der's selbst so will, die Ficken zu leeren;
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Und will er Ersatz, so gebt ihm dafür
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Den eisernen Rechtsspruch:

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Doch muß man leben und leben lassen,
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Und christlich thu'n! – nicht wahr, ihr Herr'n,
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So gold'ne Sprüchelchen hört ihr gern?
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Nun gut! so legt denn eine Weile
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Die Federn weg, und hört mir in Ruh,
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Als eurem handfesten Lobredner zu.

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Man weiß, seit jener Ehrensäule
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Der Lais, daß auch von Metzen der Staat
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Gar manchen beträchtlichen Vortheil hat.
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Die Sach' ist erweislich; zum Beispiel, so fließt
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Der goldene Regen, der oft in Strömen
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Aus Männerhanden in ihren Schoos sich ergießt,
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Viel sicherer wieder in kleineren Strömen
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In die Kanäle des Staates zurück,
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Als wenn er sich inner den heiligen Dämmen
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Der Klöster sammelt, und unberührt,
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Zum stehenden, faulen Sumpfe wird.
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Für's zweite schützt so ein Venusmädchen
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Die Tugend junger, ehrlicher Mädchen
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Gar sehr, indem sie – selbst längst verführt –
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Der bösen Männerlust Ableiter wird.
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Zum dritten füllt so ein Mädchen den Beutel
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Der Aerzte, und lehrt die liebe Jugend gar früh
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Mit Salomon rufen: O wie
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Ist unter'm Monde doch alles so eitel!

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Nach dieser tüchtigen Apologie
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Der Mädchen, die sonst für ihre Sünden
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So selten einen Lobredner finden,
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Soll's, dächt' ich, nun eben kein Hexenwerk sein,
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Für euch auch, ihr Herrn Autorlein,
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Die panegyrische Trommel zu rühren,
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Und eu'rer Sache das Wort zu führen.

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D'rum hör', o Wien, mit beiden Ohren,
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Der zahlreiche Orden deiner Autoren
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Ist, seit man Gäns' und Papiermühlen hat,
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Der nützlichste, wichtigste Zweig im Staat.
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Denn sind die Herr'n Lumpenfärber
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Nur recht gewandte Papierverderber,
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So fördert ja ihr Handwerk gar sehr
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Den Absatz der Lumpen. Und wer kann mehr
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Und besser Papier verderben als sie; –
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Ist wer, der mir nicht glaubet der gehe.
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Und kaufe die Lumpen, und lese sie! –
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Nun komme mir erst einer, und schmähe,
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Und sage, diese Herren sei'n
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Wie Hummeln im Staate, – den will ich hinein
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In alle unsere Buchläden führen,
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Ihm da ihre Werke produciren,
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Und hat er nun sich glaubend geseh'n,
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Dann soll der Verläumder mir eingesteh'n:
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Daß so ein Autor mit zweien Händen
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Dem Staate dreimal mehr Kinder verschafft,
120
Als die gesammte Bürgerschaft
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Mit ihren hochgesegneten Lenden.

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Und ist das noch nicht genug, so sagt, wer erhält
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Die Pressen in Athem, wer treibt sie geschwinder,
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Als so ein rüstiger Federheld?
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Was wären Buchhändler, Drucker und Binder
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Ohn' ihn? – Und ach, die unbarmherzigen
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Verleger, die sonst, wie Kanibalen,
128
Vom Autorgehirne sich mästeten,
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Die lassen sich's nun mit Weib und Kindern gefallen,
130
Und lernen endlich erkennen, daß man
131
Von Menschenhandarbeit auch leben kann.
132
Wer lehrte sie das? Wer entwöhnte sie
133
Vom Menschengehirne? – Wer anders, als die,
134
Die, satt des Greuels, menschlicher dachten,
135
Und statt des Gehirns ihnen Handarbeit brachten?
136
Seyd stolz, ihr Herr'n, die ihr das gethan!
137
Ihr werdet unvergeßlich bleiben,
138
Die Menschheit wird euch obenan
139
In ihre geheiligten Jahrbücher schreiben:
140
Auch denken bereits an euern Lohn
141
Die Ephemeriden der Menschheit schon.

142
Und dann erst der Nutzen, den eu're Schriften
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In der gesammten Wienerwelt stiften!
144
Durch euch kommt Licht in's Volk; denn was ihr schreibt,
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Dringt bis in die Käs'- und Gewürzkrämmerbuden:
146
Die Magd, die sonst nur Kaffeebohnen reibt,
147
Schwätzt nun von Reformen der Christen und Juden,
148
Und weiß auf ein Haar, was jeder Zweig im Staat
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Für Beulen und Anomalien hat.
150
Nur ihr versteht die Kunst, nur ihr,
151
Den niedrigsten Pöbel aufzuklären,
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Ohn' daß er es merkt; dann würdet ihr,
153
Wie sonst geschah, ihn geradezu lehren,
154
Dumm, wie er ist, und in seine Dummheit verliebt,
155
Er würde, erboßt, gegen eu're Broschüren sich wehren;
156
Allein, ihr wißt, wie man den Kindern Arzneyen gibt,
157
Und laßt eure Blätter, eins nach dem andern,
158
Als Pfefferdüten, als Zuckerpapier
159
Ganz heimlich in seine Taschen wandern.
160
In Schenken und Bierhäusern waltet ihr:
161
Denn sitzet oft ein Zirkel von Schneidern,
162
Nichts Böses ahnend, bei Wein und Bier,
163
Und schwätzt von Kriegsaffairen und Kleidern,
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Hui kömm't, eh' sich's der Zirkel versieht,
165
Ein Stückchen Holländerkäs', und mit
166
Ein Blättchen von euch: man guckt und spitzt das Ohr
167
Und kann nur einer aus ihnen buchstabiren,
168
So nimmt er's, und liest's seinen Trinkbrüdern vor.
169
So lernt der Pöbel raisonniren,
170
Und das durch euch: macht ein satyrisch Gesicht
171
Zu allem, was er sieht: nennt seine Landsleut' Affen,
172
Den Papst Tyrann, und seine Geistlichen – Pfaffen.
173
O fehlten mir doch die
174
Aus denen sonst die Panegyriker blasen,
175
Ich bliese, traun, in ellenlangen Phrasen
176
Der Nachwelt euer Lob in's Angesicht.

177
Und dir, o Wien, will ich mit einem Wunsche fröhnen,
178
Der soll dein Glück, verkennst du es nur nicht,
179
Das seiner Vollendung schon nah ist, krönen.
180
Es mehre sich in dir mit jedem Tag
181
Der edle, nützliche Schriftstellerorden:
182
Es schreibe, was nur schreiben mag!
183
Der Metzger höre auf vom Morden
184
Des armen Vieh's, und nehme die Feder zur Hand;
185
Der Schuster stecke die Ahl' an die Wand,
186
Und schreibe Theorien von Schuhen;
187
Der Schneider laß' Scheer' und Nadel ruhen,
188
Und schreibe von Moden ein Lehrgedicht:
189
Kein Müller mahl', kein Zimmermann hoble nicht,
190
Der hoble die Welt, und jener mahle
191
Die Wahrheit zu Staub, und streu' mit satyrischer Galle
192
Vermischt, sie den Lesern in's Angesicht;
193
Der Töpfer modle am Recht; der Schmiede erhebe den Hammer
194
Der Kritik über Theologie;
195
Der Schreiner meublire Zimmer und Kammer
196
Mit schön geglätteter Philosophie;
197
Der Staubgewohnte Perückenmacher kämme
198
Die Religion, der Weber webe Systeme:
199
Und so nach allen Zünften und Ständen
200
Thu jeder mit seinen fertigen Händen,
201
Was Autorpflicht ist! Und das, o Wien,
202
Wird, glaub's dem Propheten, aller Zeiten
203
Und Völker Augen auf dich zieh'n,
204
Und deinen Ruhm bis über die Sterne verbreiten.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Aloys Blumauer
(17551798)

* 21.12.1755 in Steyr, † 16.03.1798 in Zum eisernen Mann

männlich, geb. Blumauer

österreichischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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