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Indeß prangt Lesbia in ihren kühlen Zimmern,
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Die nach dem Garten sehn und reichbekleidet schim-
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Daselbst versammeln sich, indem der Coffee winkt,
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Die Artigsten der Stadt und wer sich artig dünkt.
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Von allen Lippen rauscht ein fliessend Wortgepränge:
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Die Neugier schleicht herum im lärmenden Gedränge,
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Und starrt mit gleicher Lust bald glänzend Porcellan,
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Bald einen jungen Herrn und bald ein Möpschen an.
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Die Wirthinn geht und kömmt; und all ihr Thun belebet
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Der freyen Sitten Reiz, die unsre Zeit erhebet.
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Wer nennt so oft, wie sie, Paris und große Welt,
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Und mahlt mit höherm Roth verblühter Wangen Feld?
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Doch, Muse! steige selbst von deinem steilen Hügel:
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Crispin fliegt immer hoch; ich schone meine Flügel.
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Steig auch einmal herab, und sage mir getreu,
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Was diesen Tag geschehn, wer hier gewesen sey.
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Die stille Galathee, die Spielerinn Chlorinde,
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Nebst Chloen, die ich stets bey ihrer Mutter finde;
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Die fromme Dorilis, die ihren Ehmann plagt,
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Und bis er mit ihr singt, ihm ihren Kuß versagt:
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Und andre mehr sind hier, wovon die Muse schweiget,
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Weil sich Selinde selbst im höhern Reize zeiget.
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Wie strahlt die weisse Haut! der blauen Augen Scherz,
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Der feuervolle Blick verräth ein loses Herz.
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Der schlanken Glieder Bau, durch Grazien geschmücket,
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Der anmuthvolle Gang, die Stimme selbst entzücket.
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Der Schultern Marmor glänzt zu aller Augen Lust,
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Und unverborgen hebt sich ihre volle Brust.
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Denn was die alte Welt in dreyfach Tuch verstecket,
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Hat unsre klügre Zeit den Kennern aufgedecket.
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Die Schönen gehn halbnackt: o angenehme Zeit!
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Wer sieht so schönes Fleisch nicht lieber, als ein Kleid?
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Wie kann ein Stutzer-Herz sich vor Selinden retten?
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Sie lächelt ieden an, man hofft nur leichte Ketten.
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Jhr gaukelt alles zu, was wohl zu leben weis:
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Sie scheinet lauter Glut, und bleibet lauter Eis.
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Dorante hangt entzückt an seiner Göttinn Augen,
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Und will Unsterblichkeit aus ihren Blicken saugen,
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Und will auf ihrer Stirn, wo selten Wolken stehn,
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Des Himmels Wiederschein, platonisch zärtlich, sehn.
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So denkt nicht Ganymed aus der Erobrer Orden;
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Nicht Mokles, welcher doch Magister jüngst geworden;
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Gewiß auch nicht Cleanth, der zum Scribenten reift,
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Bald dieß, bald jenes Bein tiefsinnig hebt und pfeift.
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So denkt nicht Selimor: sein Kleid und seine Sitten
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Sind nach der besten Art französisch zugeschnitten,
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Und einem Herrn gemäß, der Gallien betrat,
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Und erst beym letzten Schnee die große Reise that.
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Er buhlt, er spielt, er flucht, nimmt Spaniol und lachet:
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Ein Held in allem dem, was Frankreich artig machet,
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Der über Schönen leicht, auch ohne Liebe, siegt,
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Bey Zehnen zärtlich ist, sie alle Zehn betrügt.
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Der stolze Selimor erblickte kaum Selinden,
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Sogleich entschloß er sich, auch sie zu überwinden.
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Sein Herz verbarg sich nicht, auch vor der Lesbia,
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Die ihn doch gestern erst zu ihren Füssen sah.
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Er dacht auf neuen Sieg, bey diesem Freudenfeste,
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Und seufzte kriegerisch zu seiner liebsten Weste.
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Sie stammt’ aus Lyon her, von Golde starrt’ ihr Grund,
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Worauf in buntem Flor ein ganzer Frühling stund.
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Er neigte sich zu ihr in Demuth bis zur Erde,
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Und redete sie an, wie Hecktor seine Pferde.
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Nun, sprach er, ist es Zeit, o Wunder kluger Kunst!
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Beweise, was du kannst, sey würdig meiner Gunst!
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Heut ist Gelegenheit, die Liebe zu belohnen,
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Da ich dich höher hielt, als Wissenschaft und Kronen.
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Ich theilte stets mit dir der Lorbeern süsse Last,
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Die bey den Schönen du für mich erkämpfet hast.
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Selinde scheint mir schön: wird sie mich lieben müssen,
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So werd ich öfter dich, als ihre Lippen küssen;
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Und wann der Mode Stolz dich nicht mehr leiden kann,
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So weis ich deinen Platz bey Orpheus Leyer an.
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So sprach er und besah die Baukunst seiner Locken,
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Und fühlte seinen Werth und ward so unerschrocken,
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Als unter Feinde sich der feige Neger drängt,
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Wann ihm des Priesters Hand geweiht Papier umhängt.
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Zum Teufel! fängt er an; ich liebe ja zum Rasen!
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Selinde! weil Sie selbst mein Feuer aufgeblasen,
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So lieben Sie mich bald: welch langer Widerstand!
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Der Held bemächtigt sich der liljenweissen Hand:
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Er küßt sie zwanzigmal und feufzt bey dreistem Scherze:
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Wer liebt so ehrfurchtvoll? wie zärtlich ist mein Herze!
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Drauf seufzt er noch einmal, und flattert singend fort,
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Und flattert wieder her an seinen alten Ort.
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Dorante girrt indeß, gleich einem Turteltäuber:
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Doch jener fordert kühn, fast wie ein Strassenräuber,
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Der, wann die Finsterniß die trägen Flügel schwingt,
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Des bangen Wandrers Geld mit bloßem Stahl erzwingt.
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Selinde saß voll Ruh und übersah im Streite
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Die Scenen eines Kriegs, der ihrem Herzen dräute
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Und flammte selbst ihn an und wich und bebte nicht,
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Und wies dem schwersten Sturm ein lächelnd Angesicht:
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Das erhabene Gleichniß, welches hier parodiret wird
stehet in Addisons Campaign, einem Gedichte auf den
Sieg bey Höchstädt.Wie unter schwarzer Nacht und heischrer Donner Brüllen
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Der Cherub Addisons, sein Strafamt zu erfüllen,
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Mit himmlisch heitrer Stirn dem wilden Sturm gebeut,
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Auf Wirbelwinden schwebt und rothe Blitze streut.
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So sah die Heldinn aus, die unbeschädigt lachte,
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Da über ihrem Haupt ihr treuer Schutzgeist wachte.
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Den angenehmen Geist beseelt ein Frauensinn:
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Er schielt nach seinem Reiz in alle Spiegel hin.
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Um seine Schultern rauscht ein purpurnes Gefieder,
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Und frey und offen fließt um seine leichten Glieder
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Ein schimmerndes Gewand, das alle Farben strahlt,
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Die frischgefallner Thau auf bunte Wiesen mahlt.
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Er liebt Geräusch und Putz, und seine Locken wallen,
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Die, düftend von Jesmin, unaufgebunden fallen.
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Es flammt sein güldner Schild, auf dem in voller Pracht
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Die Rose buhlerisch zehn Schmetterlingen lacht.
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Nun hieng sein süsser Mund am Ohre seiner Schönen,
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Ward bloß von ihr gehört und sprach mit sanften Tönen:
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Sieh, Schönste, deinen Sieg! der Stutzer Auge starrt;
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Und keine Schönheit gilt in deiner Gegenwart.
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Dein Joch komm’ heute noch auf alle diese Seelen!
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Kann doch selbst Selimor sein Feuer nicht verhehlen.
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Er liegt vor dir, besiegt, der allzeit Sieger war:
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Und sieh, welch glänzend Kleid! wie lockigt ist sein Haar!
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Dorante muß indeß nicht ganz versäumet werden:
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Mit gleicher Ehrfurcht liebt kein Sterblicher auf Erden.
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Sein edles Herz erzwingt den Beyfall aller Welt;
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Er werde hochgeschätzt; doch Selimor gefällt.
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Erhalte sie durch Huld; erkläre dich für keinen:
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So sind sie beede dein; doch du verlierest Einen,
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Wann dein erweichtes Herz dem andern sich ergiebt,
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Und bürgerlich nur ihn mit kalter Treue liebt.
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Verfolge deinen Sieg, erhitze die Begierden
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Durch unbemerkte Kunst und schlau verrathne Zierden.
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Ruht ein so schöner Arm, durch Brabants Fleiß verhüllt?
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Er zeige sich entblößt und weis auf iedes Bild!
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Vortrefflich! sieh umher! der Stutzer Wangen glühen.
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Der Schönen Auge will verächtlich vor dir fliehen:
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Doch ihr zerstreuter Blick gesteht Verdruß und Neid;
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Und alles huldigt hier nur deiner Göttlichkeit.
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Wenn ein Verehrer-Schwarm dein stolzes Herz beglücket;
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Wenn ihrer Lippen Ach! dein lüstern Ohr entzücket,
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Und neuer Siege Ruhm, Selinde! dich vergnügt:
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So siege, weil du kannst, und werde nie besiegt.
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So sprach der schlaue Geist, dem auch Selinde glaubte,
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Jhr eigen Herz behielt und andrer Herzen raubte.
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Bald matt, bald feurig flog ihr unterwiesner Blick
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Auf Sieg begierig aus und siegreich stets zurück.
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Der muntre Selimor betäubt sie nicht mit Klagen:
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Er hat auch Lesbien und allen was zu sagen;
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Und wann er gnug geschwatzt, so trillert iedem Ohr
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Sein liederreicher Hals ein Gassenliedchen vor.
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Er würzet sein Gespräch mit klugerlerntem Spotte,
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Scherzt bald mit seinem Hund und bald mit seinem Gotte.
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Denn welcher junger Herr, der nach Paris gereist,
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Stellt keinen Witzling vor, spielt keinen starken Geist?
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Die Freude lachte laut an diesem schönen Orte;
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Ein guter Nahme starb von iedem ihrer Worte:
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Man setzte sich zum Spiel, man gähnte, man betrog,
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Bis Amor ins Gemach durchs offne Fenster flog.
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Er wurde nicht gesehn, er wurde nur empfunden:
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O welche Regungen, welch sanft Gezisch entstunden!
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Man sah, wohin man sah, verstohlner Blicke Lauf,
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Und schnelle Röthe gieng in iedem Antlitz auf.
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Selinde schien bewegt; ihr sichres Herz erbebte
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Von Amors Gegenwart, der ihr so nahe schwebte.
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Jhr Schutzgeist aber warf sein trotzig Haupt empor,
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Und setzte seinen Schild den Pfeilen Amors vor.
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Welch unerträglich Bild! ein Liebesgott mit Pfeilen,
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Die mit verwegnem Flug auf schöne Busen eilen!
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Die alte Rüstung weg! wer wird so griechisch gehn?
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Allein die Muse sagts: die hat ihn doch gesehn.
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Sie hat mit angeschaut, wie seine Pfeile flogen,
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Geschnitzt aus leichtem Buchs: vergüldet war der Bogen;
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Und hätte sie nur Zeit, stets mahlerisch zu seyn:
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So sagte sie uns mehr; wir schliefen aber ein.
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Sie sah den güldnen Schild vor ihren Augen blitzen:
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Die Pfeile prallten ab mit umgebognen Spitzen.
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O welch verfluchter Geist! rief Amor voller Wuth;
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Geist närrscher Eitelkeit, Verächter süsser Glut!
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Soll sich Selinde nie zu ihrem Heil entschließen,
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Nur immer sieghaft seyn und keinen Sieg genießen?
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Und lernt sie nicht verstehn, wie schnell die Zeit verfliegt?
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Wie schnell die Schönheit welkt und wenig Jahre siegt?
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Wird, immer unruhvoll, sie nur Begierden fühlen,
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Die iedes Nichts entflammt und Augenblicke kühlen?
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Die Wollust selbst ist matt, wenn, kalt und unergetzt,
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Das Herz nicht Antheil nimmt, sich sträubt und widersetzt
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Selinde soll durch mich der Liebe Necktar schmecken:
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Ich will Natur und Wunsch in ihrer Brust erwecken:
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Ich will, verhaßter Geist, der mir zuwider ist!
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Und wenn Gewalt nicht hilft, so zittre vor der List.
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Er schwieg und sah umher auf andrer Schönen Wangen
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Die Würkung seiner Macht, ein glühendes Verlangen.
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Voll Unruh war ihr Blick, Gespräch und Scherz mißfiel,
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Und auch das Lomber hieß ein unerträglich Spiel.
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Nur ein Qvatrille-Tisch blieb ungetrennt beysammen,
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Und Matadoren wich der Gott verliebter Flammen.
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Zween Herren spielten fort: bereut wird ieder Tag
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Von Seelen ihrer Art, wo niemand spielen mag.
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Hierzu verschwuren sich zwo ächte Spielerinnen,
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Mit hohlen Augen, bleich, voll Eifers zu gewinnen,
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Der sich bey schlimmem Glück in wilden Blicken wies,
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Und alle Grazien aus ihrem Antlitz stieß.
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Die andern sprungen auf und flogen nach dem Garten,
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Und iedes Herze schlug von freudigem Erwarten.
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Des Wunsches Ungeduld riß ihre Füsse fort:
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Der Garten zeiget sich: die Schönen sind schon dort.