Ich schmiere nicht viel her, weil es zum Scheiden gehet

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Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz: Ich schmiere nicht viel her, weil es zum Scheiden gehet Titel entspricht 1. Vers(1676)

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Ich schmiere nicht viel her, weil es zum Scheiden gehet,
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Und ich, Calenio, dich wieder lassen muß,
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Da nunmehr dein Compaß dem Nordpol näher stehet,
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Und dich dein Schicksal führt um kalten Pregel-Fluß.
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Wohlan! es blicke dich in Süd- und Ost- und Westen,
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So lang die Reise währt, das Glücke günstig an,
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Biß man dich wiederum, zu deinem eignen Besten,
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Und deiner Freunde Lust, willkommen heissen kan.
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Doch einen rechten Wunsch will ich auf künfftig sparen,
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Was heissers flößt mir erst, nach dir, die Sehnsucht ein;
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Wann du verschwunden bist, dann werd ich erst erfahren,
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Daß Hoffen und Verdruß die besten Musen seyn.
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Indessen sey bedacht, dein Reisen anzustellen,
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Daß, eh man noch den Mertz in unsern Briefen schreibt,
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Du deine Gegenwart mir mögest zugesellen,
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Drauf geh, wohin der Wind dein leichtes Segel treibt.
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Dein Anschlag werde dir nicht anfangs gleich zu nichte!
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Doch, wann du unverhofft von längerm bleiben hörst,
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So sprich mit solchem Thon und solchem Angesichte,
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Wie du des Morgens früh mich aus dem Schlaffe störst:

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Soll Euer Sohn in Preussen bleiben,
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Frau Oberjägermeisterin,
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Warum habt ihr mir lassen schreiben,
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Mir, der ich kein Landstreicher bin?
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Und, ohne Müh und viel Beschwerden,
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Wohl etwas grössers können werden.

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Lasst euer Kind, betrübte Mutter,
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Brecht nicht das schon gegebne Wort,
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Und solte gleich kein Flaschen-Futter
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Zu finden seyn, so muß er fort.
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Hat manche sich doch trösten müssen,
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Die aus Adonis Arm gerissen.

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Der Weg ist einmahl vorgenommen,
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So sagt der Herr von Wallenrodt
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Lasst mir nur den Gefährten kommen!
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Genädge Frau, im Fall der Noth,
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Und, da mir alles sollt' entstehen,
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Müst ihr selbst mit nach Franckreich gehen.

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Ich weiß, ein Weiber Hertz ist leichtlich zu erbitten,
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Wann ein beredter Mund den Vortrag selbst gethan,
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Wer ist auch, welcher wohl so angenehmen Sitten
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Und deiner Höflichkeit leicht was versagen kan?
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Noch eins: du suchest war dein Heil in fremden Ländern,
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Doch glaub ich, daß du fest in deiner Freundschafft bist,
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Was meine Treu betrifft, die wird sich niemahl ändern,
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So lange dann und wann und Spinde Märckisch ist.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz
(16541699)

* 27.11.1654 in Berlin, † 11.08.1699 in Berlin

männlich

deutscher Diplomat und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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