Floridon, wir solten dir

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Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz: Floridon, wir solten dir Titel entspricht 1. Vers(1676)

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Floridon, wir solten dir
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Billig so ein Denck-Mahl setzen,
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Daß gar nichts desselben Zier
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Fähig wäre zu verletzen;
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Weil das Glück mit deiner Kunst
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Einen solchen Bund geschlossen,
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Daß, durch ihrer beyder Gunst,
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Du den Flügel abgeschossen.

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Aber, es kan nicht bestehn
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Was aus unsrer Feder rinnet;
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Pfleget nicht schnell zu vergehn,
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Was ein schwacher Geist ersinnet?
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Du kennst keine Niedrigkeit,
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Und wir kleben an der Erden;
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Drum wird besser anderweit
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Deine That gepriesen werden.

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Zwickau wird den schönen Schuß
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Freudig in sein Zeit-Buch schreiben,
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An dem gelben Pleissen-Fluß
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Wird er unvergessen bleiben.
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Weimar hat dir zuerkannt
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Immer-grüne Sieges-Kronen,
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Und dein andres Vaterland
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Zeitz, wird deine Kunst belohnen.

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Dannoch wisse, daß auch wir,
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Wir, der Ausbund deiner Treuen,
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Uns bey unsern Linden hier
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Uber dieses Glück erfreuen,
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Das dich aus der finstern Nacht
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Der Vergänglichkeit entrissen,
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So, daß manches Siegers Pracht
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Deinem Ruhm wird weichen müssen.

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Giebt man uns ein Gläßgen Wein,
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Wann wir in der Rose sitzen,
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Muß es die Gesundheit seyn
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Des berühmten Vogel-Schützen,
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Der die Ehre hat gehabt
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Einen Flügel zu bestreiten,
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Und drauf lassen wir den Abt
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Auf dein Wohlergehen reuten.

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Fragt uns einer, ob wir nicht
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Etwas neues wo gehöret?
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Was man vom Turenne spricht,
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Ob er noch die Pfaltz verstöret?
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Trägt er den Bescheid davon:
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Daß wir anders nichts vernommen,
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Als daß unser Floridon
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Dreyßig Gülden jüngst bekommen.

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Unterdessen schicke dich
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Dieses Geld wohl anzulegen,
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Glaub uns, sonst verzehrt es sich,
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Und bringt weder Glück noch Seegen.
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Gieb uns allen einen Schmauß,
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Daß wir doch von deinem Schiessen,
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Komst du wieder her nach Hauß,
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Gleichwohl etwas mit geniessen.

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Eile, wehrter Floridon,
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Weg aus deinem Schwanen-Neste,
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Komm, dann unser Helikon
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Schmücket sich aufs allerbeste.
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Phöbus selbst ist hertzlich froh,
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Und erwartet, mit Verlangen,
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Wann du komst von dubenroh,
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Dich, nach Würden, zu empfangen.

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Nun! wir wollen biß dahin
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Unsern Glückwunsch auch versparen,
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Wann von Schiessen und Gewinn
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Wir gewißre Post erfahren.
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Dann soll unsre gantze Schaar
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Sich, nach Möglichkeit, bemühen,
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Um dein zierlich-krauses Haar
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Einen Lorbeer-Crantz zu ziehen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz
(16541699)

* 27.11.1654 in Berlin, † 11.08.1699 in Berlin

männlich

deutscher Diplomat und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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