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Nach schwerer Müdigkeit, davon ich kaum genesen,
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Nach Schweiß, nach Ungemach, nach Sorgen und Gefahr,
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Bekam ich deinen Brieff, getreuer Freund, zu lesen,
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Gleich, da mir frischer Trost und Labsal nöthig war.
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Was hör ich? ists ein Traum? sinds schertzende Gedancken?
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Wie? oder setzt dein Kiel der rechten Warheit Grund?
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Du suchst ein weiters Feld, und eilest aus den Schrancken,
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Thust mir auch allbereit fast Zeit und Stunde kund.
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Ich bin so eitel nicht, mich den Magnet zu nennen,
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Nur bloß die Tugend ists, die dich dazu gebracht;
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Doch werd ich dermahleins mich dessen rühmen können,
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Daß du nun meinen Wunsch und Rath nicht gantz veracht.
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Komm, komm! und laß dich nichts von dem Beginnen lencken,
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Das du so löblich itzt nach Franckreich hingericht.
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Du darffst nicht an Gefahr noch Hinderniß gedencken,
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Hier bey den Lilien merckt man die Dornen nicht.
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Soll dich ein schönes Land und muntres Volck vergnügen,
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So komm ans Tagelicht, du tappst noch in der Nacht;
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Du kanst hier nähern Kauffs die edle Freyheit kriegen,
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Als dort, wo Erbar-thun sie rar, zur Unzeit, macht.
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Die Aermsten! welche noch in blinder Einfalt leben,
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Die sich offt schlechtes Glaß für Diamant erwehlt,
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Die immer noch, wie vor, an schnöder Erde kleben,
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Darunter ich mich selbst vor diesem mit gezehlt.
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Was finden sie doch wohl für Ruhm in ihren Künsten?
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Wann er am höchsten steigt, wird Rauch und Funcken draus;
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Nur Geister, die selbst kalt, vergnügen sich an Dünsten,
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Und bauen in der Lufft ein Grillen-volles Hauß.
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Wohl dem! der beßre Glut in seinem Hertzen fühlet,
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Und dem kein Ungemach die heisse Lohe dämpft,
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Der mit entflammtem Muht nach Kunst und Tugend zielet,
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Und, in der Freyheit selbst, verbothne Lust bekämpft.
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Ich geb euch gute Nacht, ihr braunen Tyberinnen,
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Nun ich am Rhonen-Strand was edlers finden kan.
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Bey euch mag, wer nur will, auf List und Schliche sinnen,
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Hier trifft man Sicherheit und freyen Umgang an.
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Hier würdest du nicht mehr an Garten-Bau gedencken,
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Wo Reich und Stadt und Hauß nichts als ein Garten ist;
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Mit Kron und Purpur gar die Gärtner zu beschencken,
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Sind Wunder, die man nur von Alexandern liest.
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Was helffen Bartolens und Baldens krumme Räncke,
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Wann Stichus mit der Magd in Güte sich vergleicht?
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Mir eckelt, wann ich nur an diese Nahmen dencke;
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Komm, Freund, weil Frankreich dir in allem alles reicht.
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Suchst du ein Feuerwerck? hier brennen edle Flammen.
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Liebst du die Garten-Lust? hier ist ein Paradieß.
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Bezaubert dich ein Buch? hier hast du mehr beysammen,
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Als kaum, dem Nahmen nach, man dich noch kennen ließ.
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Laß Vers und Lieder uns hier in die Wette schreiben,
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Hier, wo Vernunfft und Reim gern bey einander steht.
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Glaub, muß ich, ohne dich, noch länger hier verbleiben,
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Daß endlich auch die Lust zum Dichten mir vergeht.
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Drum komm, und säume nicht, denck an die süssen Stunden
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Die in der Linden-Stadt so manchmahl uns ergötzt.
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Mich dünckt, ich seh dich schon!