[2] Schreiben aus Rom nach Jena, an den dermahligen Hochfürstl. Sachsen-Gothaischen Hoff- und Gräntz-Raht Herrn Nickl. Zapfen

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Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz: [2] Schreiben aus Rom nach Jena, an den dermahligen Hochfürstl. Sachsen-Gothaischen Hoff- und Gräntz-Raht Herrn Nickl. Zapfen (1676)

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Dich grüßt ein schlechter Kiel am Tyber-Strand geschnitten,
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Und klagt, daß er nicht eh bezahlet seine Schuld;
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Er zittert in der Hand, die gantz von Schaam bestritten,
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Und wartet auf den Spruch des Richters mit Gedult.
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Ich bins, mein Pylades, der diese Zeilen sendet
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Aus unbekanntem Ort, doch unverfälschtem Sinn,
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Der ich, seit Cynthia sich zweymahl umgewendet,
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In dieser Romuls-Stadt ein Bürger worden bin.
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Du sprichst: was Kiel? was Brieff? heißt das sich so verbunden?
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Heißt das gewisse Zeit zum Schreiben angesetzt,
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Wie ich am Saal-Athen auf meinem Tisch gefunden?
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Wird Siegel, Hand und Schrifft und Wort so schlecht geschätzt?
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Was man in jenem Jahr so feyerlich versprochen,
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Das wird in diesem kaum ans Tagelicht gebracht.
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So bald die Jugend nur in fremde Lufft gerochen,
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Wird im geringsten nicht der Freundschafft mehr gedacht.
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Ich sage nichts dazu. Ich straffe mein Verbrechen,
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Und mag kein Vormund hier der blöden Faulheit seyn,
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Ich finde mich verpflicht, mir selbst zu widersprechen,
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Und stelle, wieder mich, mich selbst als Kläger ein.
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Zur Ausflucht könnt' ich zwar hier leichtlich etwas finden,
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Auf Reisen sind wir ja nicht Meister unsrer Ruh,
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Das Wollen muß sich da bloß an das Können binden;
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Doch Worte decken nicht dergleichen Fehler zu.
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Nur wisse, daß ich nie des Lasters schuldig worden,
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Das einen treuen Freund aus dem Gedächtniß schließt,
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Ich habe stets gehaßt, und hasse solchen Orden,
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So lange noch das Blut durch Leib und Adern fließt.
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Ist mir gleich dann und wann Gelegenheit verstrichen,
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Auch manchmahl eine Brut in der Geburt erstickt,
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Hab ich gleich manche Post mit Müßiggehn verschlichen,
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Sind die Gedancken doch als Bothen abgeschickt.
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Ach! könten sie den Flug nach meinem Willen kehren,
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Wohin mein heisser Wunsch sie eigentlich begehrt,
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Du würdest Tag vor Tag die schnelle Zeitung hören:
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Sey tausend mahl gegrüßt!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz
(16541699)

* 27.11.1654 in Berlin, † 11.08.1699 in Berlin

männlich

deutscher Diplomat und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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