110. Die Hoffnung der geringen Leute über Hiob 5, 16. Offenb. 12, 10. zur Gedächtnis-Predigt seiner Frau Schwieger-Mutter, Frauen Erdmuth Benignen Reußin, gebornen Gräfin zu Solms

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Nikolaus Ludwig von Zinzendorf: 110. Die Hoffnung der geringen Leute über Hiob 5, 16. Offenb. 12, 10. zur Gedächtnis-Predigt seiner Frau Schwieger-Mutter, Frauen Erdmuth Benignen Reußin, gebornen Gräfin zu Solms (1730)

1
Der Hiob ist ein grosser Mann
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Von tugendhaften Sitten,
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So, daß ihn niemand zeihen kan,
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Worinn er überschritten.
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Das machet den Verkläger kek
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Ihm etwas anzudichten,
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Und siehe, er erhält den Zwek,
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Den grossen Mann zu sichten.

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Die Welt-bekante Sünderin,
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Maria Magdalene,
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Wirft sich zu Jesu Füssen hin,
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Und thut Ihm allzuschöne.
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Ein Lehrer läßt bey diesem Schein
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Vernunfts-Bedenken walten;
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Der Heiland reißt ihm alles ein,
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Die Magd muß recht behalten.

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Hört man nicht von weiten
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Christi Creutzes Feinde
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Und der Eitelkeiten Freunde,
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Hört man sie nicht sagen:
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Das ist unser Stekken,
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(wenn wir Händ und Füsse strekken,)
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Daß ein Kind
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Gnade find;
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Wenns nichts Gutes treibet,
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Und viel Gutes gläubet?

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Nein, die Feigen-Bäume,
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Die der Herr verfluchet,
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Weil Er Frucht umsonst gesuchet,
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Sind nicht Gnaden-Ziele:
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Sondern die Marien,
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Die die alten Wege fliehen,
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Oder die
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Sich der Müh
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Ihrer tapfern Triebe,
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Schämt vor lauter Liebe.

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Die, der man dieses Ehren-Fest
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Im Reussen-Lande angesaget,
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Und alles Volk sich halten läßt,
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Wie Israel die Mirjam klaget,
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Die vormals kluge Richterin
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Des Erbtheils ihres zarten Sohnes,
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Und tapfere Verstreiterin
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Der Rechte ihres Witwen-Thrones;
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Die rühmte sich gewiß,
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(wie viele zeugen diß?)
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Von nichts als einem guten Wollen.
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Und da des Herren Hand
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Sie an das Lager band,
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So überzehlte sie das Sollen.

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Ihr Streiter hört! es ist ein Wort des Fürsten:
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Die Zeit ist kurz, wir haben einen Plan,
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Darnach die Kriegs- und Siegs-Gemeinen dürsten,
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Der unserm Haupt den Hunger stillen kan:
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Des Vaters Willen ist zu thun,
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Wer nicht mit Freuden wirkt, kan ohne Angst nicht ruhn,
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Wer zweifelt, daß der Diener im Gerichte
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Der selgen Frau was vorzuhalten findt,
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Und wärens nur uneingebrachte Früchte,
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Die ihr im Feld erliegen blieben sind?
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Sie konte vom Verklagen
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Des Argen wenig sagen:
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Denn sie lag still in sich.
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Wir mögen uns nur alle selber fragen:
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Was sagt dein Herz? Die Trägheit rüget mich.

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Was saget dann die selige Beklagte?
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War ich nicht ehemals ein scheinend Licht,
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Weiß niemand mehr, was ich im Glauben wagte?
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Land! zeuge! bracht ich dir die Wahrheit nicht:
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Führt ich die Einfalt nicht ins Haus,
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Und sah nicht Ebersdorf vorlängst wie Laubach aus?
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Das sagt sie nicht (sie ist erfahren,)
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Wir wissens besser, was sie sagt,
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Sie und mit ihr mehr Streiter-Schaaren:
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Ich bin des Herrn geringe Magd,
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Ich habe mich für meinen König
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Bemühet: Aber ach wie wenig?
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Er ist vergnügt, ich schäme mich.

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Herr hilf uns durch beym Reichs-Erscheinen,
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Wie dieser Deiner Magd der kleinen,
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Denn, ach! wer dient Dir würdiglich!
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Zeuch dann hin, du theur erstritten
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Und durchs Recht erlöstes Herz,
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Und vergiß den Namen: Schmerz:
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Denn der ist das Theil der Hütten.
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Unser Vorsatz wird erneuet:
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Reines wird als anverwandt,
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Nach wie vor, von uns erkant,
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Reins :,: :,: :,: Reins das Christi Schande scheuet.
90
Wer den Herrn nicht liebt noch sucht:
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Dem ist beym Amen, dem Gottes Namen, einmal geflucht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Nikolaus Ludwig von Zinzendorf
(17001760)

* 26.05.1700 in Dresden, † 09.05.1760 in Herrnhut

männlich, geb. Zinzendorf

deutscher lutherisch-pietistischer Theologe, Gründer der Herrnhuter Brüdergemeine

(Aus: Wikidata.org)

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