Was höre ich von dir? Reuß Plauisches Geschlechte!

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Nikolaus Ludwig von Zinzendorf: Was höre ich von dir? Reuß Plauisches Geschlechte! Titel entspricht 1. Vers(1730)

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Was höre ich von dir? Reuß Plauisches Geschlechte!
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Es ist ein Riß geschehn durch Stamm, durch Stadt und Land:
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Der Graf zu Ober-Greitz wird selig ausgespannt.
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Dir ist vollkommen wohl, vollendeter Gerechte.
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Allein, was dringet nicht für ein gebrochner Ton
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Der Klage über dich, bis zu des Lammes Thron?

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Ihr Seelen, die ihr jüngst den jungen Held empfangen,
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Indem er, von der Last des Irdischen befreyt,
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Zum seligen Genuß der stillen Ewigkeit,
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Nach wohl vollbrachtem Lauf, im Segen eingegangen;
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Bewundert, neben mir, den unerforschten Rath,
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Der diesen Cederbaum so bald versetzet hat.

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Was, treue Gärtners Hand! was hat Dich wol bewogen,
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Daß Du dem edelsten, dem Hoffnungs-vollen Reis,
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Gewurzelt und gepflanzt zu Deiner Liebe Preis,
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Bald nach der ersten Frucht, den Saft der Erd entzogen?
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Die Pflanze Libanons ist allzu hoch beglükt,
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Die itzt Dein Tempel-Haus gleich einem Pfeifer schmükt.

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Ach, aber Herr, die Zahl beginnet abzunehmen
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Der Heiligen, die Du in dieser argen Welt,
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Zum Zeichen jedermann, zum Preise Dir bestellt.
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Wann wirds sichs dann einmal zur bessern Zeit bequemen?
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Wann, Menschen-Freund, wann steht Dein Philadelphia
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In seiner Bruder-Lieb und Kinder-Einfalt da?

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Und ach! was ist es nicht für ein gewisses Zeichen,
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Daß du erzürnet seyst, gerechter Jehova:
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Wenn so ein Riß geschicht, so ist der Fall gar nah,
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Der Fall, wo Stadt und Land aus ihrer Veste weichen,
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Ein löblicher Regent von seiner Hut entrükt,
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Bezeuget, daß es sich zum Untergange schikt.

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Und wie so herzlich weh, wie weh ist ihr geschehen,
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Frau Baase, da der Herr den lieben Ehemann
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Von ihren Häupten nimt: Ich seh es also an,
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Hier sey der schwere Rath des Herrn nicht abzusehen.
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Hier gilt es, hier bedarfs nicht Ueberwindens: Nein,
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Die Klag ist ihr vergönnt: Es soll gefühlet seyn.

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Mit Rechte kan sie sich im Staube niederlegen,
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Um den Entschlafenen mit Thränen übergehn,
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Es sey an ihrer Stirn das tiefste Leid zu sehn,
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Mit ihres Jammers Last den Unfall abzuwägen:
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Bricht uns, Gebeugete, das Brüderliche Herz
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Und ihr entsinkt das Haupt; wie tiefer dringt ihr Schmerz?

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Ihr, die ihr ehemals das angenehme Wesen,
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Das Heinrich, unser Freund, nur von Natur besaß,
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Besonders hochgeschätzt, und nur sein Gnaden-Maaß,
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Die neue Creatur, zu euerm Spott erlesen,
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Was gilts? Sein schneller Tod setzt euch in Furcht und Graus,
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Ihr wisset nicht wo ein, ihr wisset nicht wo aus?

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Der Leib, den ihr geliebt, liegt itzo in dem Staube,
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Ein unbequemes Haus verschliesset ihm das Licht,
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Die Schönheit blitzt nicht mehr in seinem Angesicht,
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Und was euch eh ergötzt, gedeyht dem Wurm zum Raube;
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Nur das, was ihr verhöhnt, der aufgeschwungne Geist
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Ist das alleine nun, was unverwelklich heißt.

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So lernt an seiner Gruft euch
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Dringt dieser junge Held so bald zu Gottes Sitz;
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Erzittert! euer Tod bricht ein als wie der Blitz,
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Der Falschgeliebte kan euch einst zur Quaal gedeyhen.
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Ihn suchete die Welt, er wolte ihrer nicht;
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Euch ließ sie gerne gehn, so seyd ihr drauf erpicht.

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Die ihr dem Seligen als Hof- und Land-Beamte,
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Nach Gottes Providenz, bedient gewesen seyd,
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Erinnert euch fein oft der abgewichnen Zeit:
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Wie euers Grafens Trieb aus Selbst-Verleugnung stammte.
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In seinem Regiment hat er den Herrn gesucht,
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Ihr sehts, erhaltet nun die draus erwachsne Frucht.

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Ihr von dem schweren Fall erschrekte Unterthanen!
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Geht euer Landes-Herr, geht euer Vater fort,
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Gelangt er aus dem Sturm zum stillen Lebens-Port,
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Wie solte euch dabey nicht mancher Unfall schwahnen?
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Ihr, die ihr Gottes seyd, vereinigt Ernst und Kraft,
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Und ringt, und fleht anitzt für eure Vormundschaft.

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Von mir und meinem Sinn ist wol nicht Noth zu sagen.
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Ich denke, was mir jüngst ein Freund des Bräutgams schreibt,
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Daß unsers Bruders Geist noch immer bey uns bleibt;
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Ob unser Bau-Herr gleich die Hütte abgetragen:
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Die Stadt, die droben ist, steht mit der untren Stadt
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In einem Geist verknüpft zu Rath, Gebet und That.

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Wohlan! Erlaubet mir von unsers Mitknechts wegen,
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Ihr Brüder, und auch ihr von Zions Schwesterschaft,
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Nur eine Wahrheit noch, in meiner schwachen Kraft,
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Dem Bräutigam zum Preis, euch an das Herz zu legen:
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Ists nicht? Er winket uns, der holde Bräutigam,
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Auf Kinder! Folgt der Spur, dem Schafe nach, zum Lamm!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Nikolaus Ludwig von Zinzendorf
(17001760)

* 26.05.1700 in Dresden, † 09.05.1760 in Herrnhut

männlich, geb. Zinzendorf

deutscher lutherisch-pietistischer Theologe, Gründer der Herrnhuter Brüdergemeine

(Aus: Wikidata.org)

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