15. Soliloquium zu Weyhnachten

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Nikolaus Ludwig von Zinzendorf: 15. Soliloquium zu Weyhnachten (1730)

1
Rath, Kraft, und Held und Wunderbar!
2
Dein Nam ist meiner Seelen klar

3
Die Du mit Deinem Blut erkauft,
4
Und mit der Liebes-Gluht getauft,
5
Mein Bräutigam, an meiner Stirne brennt
6
Dein Nam und Creutz, seitdem ich Dich erkennt.

7
Wenn ich, mit allem meinem Fleiß,
8
Mir nimmermehr zu rathen weiß,
9
Und meine Ohnmacht, Unverstand
10
Und Schwachheit kräftiglich erkant;
11
So bist Du ja der unerforschte Mann,
12
Der allen meinen Sachen rathen kan.

13
Fehlt mirs an aller Lebens-Kraft,
14
Hat meine Rebe keinen Saft,
15
Und sinke ich vor Mattigkeit
16
Beynahe hin zu mancher Zeit;
17
So ist Dein kräftiges Gefühl in mir,
18
Das hält mir starke Helden-Kräfte für.

19
Wenn ich im schweren Glaubens-Kampf
20
Durch manchen dikken Rauch und Dampf,
21
Durch manche Leibs- und Geists-Gefahr,
22
Mich dränge zu der Sieges-Schaar;
23
So bist Dus, unbezwungner Wunder-Held,
24
Der meinetwegen alle Feinde fällt.

25
Wenn sich mein Senf-Korns-Glaube regt,
26
Und kindlich Dir zu Füssen legt,
27
So mag der Feinde Hohn-Geschrey
28
Ertönen: daß ich thöricht sey.
29
Ich fürchte mich deswegen doch kein Haar:
30
Mein Glaub ist Sieg, mein Zwek ist Wunderbar.

31
Mein Alles! mehr als alle Welt,
32
Mein Freund! der ewig Treue hält,
33
Mein weiß- und rother Bräutigam!
34
Mein immerwährend Oster-Lamm!
35
Mein Leit-Stern! meine Liebe! meine Zier!
36
Sey ewiglich mein Steinritz, mein Panier!

37
Hast Du mich in der Zeit gewolt,
38
Die Räder-schnell von dannen rollt;
39
So miß mir selbst die Stunden ab!
40
Sey meiner Reise Wander-Stab!
41
Sey meines Thuns sein Schöpfer! führe mich
42
In allem Dir zu wandeln würdiglich!

43
Soll ich viel Jahr im Karren fort;
44
So zeige mir den Ruhe-Port,
45
Von ferne zeige mir die Stadt,
46
Die Deine Hand bereitet hat,
47
Das güldne Seraphinen Liebes-Licht:
48
So schrekket mich die lange Reise nicht.

49
Und wenn ich meiner Brüder Zahl
50
Nach Deiner holden Gnaden-Wahl
51
An meinem Theile auch erfüllt;
52
Wenns endlich auch Belohnens gilt:
53
So weißst Du, daß mein Lohn, mein Licht und Ruh
54
Nur Du alleine werden solst, Nur Du.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Nikolaus Ludwig von Zinzendorf
(17001760)

* 26.05.1700 in Dresden, † 09.05.1760 in Herrnhut

männlich, geb. Zinzendorf

deutscher lutherisch-pietistischer Theologe, Gründer der Herrnhuter Brüdergemeine

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.