Die Lüfte deckte noch der dunkle Flor der Nacht

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Christian Felix Weiße: Die Lüfte deckte noch der dunkle Flor der Nacht Titel entspricht 1. Vers(1765)

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Die Lüfte deckte noch der dunkle Flor der Nacht,
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Die Welt erleuchtete nur der Diane Pracht,
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Als schon von Orients entfernten heißen Flüßen
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Aurore, durch der Liebe Macht,
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Dem sanften Schlaf entrissen,
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Nach ihrem liebsten Cephal gieng,
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Den noch des Schlafes Arm umfieng.
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Sie nahet sich: Furcht, Zweifel und Entzücken
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Entdecken sich in ihren Blicken,
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Da sie den holden Jüngling sieht:
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Der Liebe Brand, von dem sie glüht,
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Erklärt sich schamhaft durch dieß Lied.

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Ihr Flüsse, rauschet ganz gelinde!
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Weht sanft und kühl, ihr Frühlingswinde!
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Ihr Vögel, dämpft die Melodien!
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Verliehrt kein Blatt, ihr stillen Bäume,
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Wieg ihn, o Schlaf, in sanfte Träume!
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Ihr Liebesgötter, wacht um ihn!

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Allein, was sag ich? nein: die blinde Zärtlichkeit
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Verführet mich zu weit.
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Leichtsinniger, ist dieß dein Sehnen,
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Daß dich der Schlaf besiegt?
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Und seufzet so dein Arm nach seiner Schönen,
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Daß er auf weichem Mooß hier sinkend kraftlos liegt?
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So soll ich ungeküßt hier einsam bey dir stehen,
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Und dich dem Schlaf in Armen sehen? – –
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Vortrefflich! ey wie sehr
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Hoffst du auf meine Wiederkehr!

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Cephalus! noch blüht dein Glücke!
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Cephalus, erwache doch!
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Bald, bald kömmt der Tag zurücke,
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Ein Gewölk nur deckt ihn noch!
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Und du weist, vor seinem Blicke
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Flieht Auror': erwache doch!

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So sprach sie: und der Silberwagen
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Bringt schon vom fern den Gott getragen,
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Der auf die Welt sein Licht ergießt:
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Sein naher Glanz entschließt,
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Wiewohl zu spät, des Jünglings Augenlüder:
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Sein Glück war da, und sieh, es floh auch wieder!
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Er wachet, sieht sie, schreyt ihr nach:
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Sein Weinen ist umsonst, vergebens ist sein Ach!
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Sie flieht, und läßt zu seinen Schmerzen
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Das Bild von einem kurz beseßnen Glück,
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Das er verschlief, zurück.
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So straft die Lieb oft junge Herzen:
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Ihr jungen Herzen merkt, merkt ja wohl sein Geschick!

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Erwartet nie den späten Morgen,
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Wacht ja, so bald Aurore wacht:
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Der Liebe Macht bleibt euch verborgen,
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Wenn euch der Schlummer fühllos macht.
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Die Schäferstunde flieht von hinnen,
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Als wie ein West streicht sie vorbey,
54
Und hinterläßt den trägen Sinnen
55
Verschlafner Liebe Gram und Reu.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Felix Weiße
(17261804)

* 28.01.1726 in Annaberg-Buchholz, † 16.12.1804 in Stötteritz

männlich, geb. Weiße

deutscher Schriftsteller und Pädagoge

(Aus: Wikidata.org)

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