Lucinden, welch ein schönes Kind!

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Christian Felix Weiße: Lucinden, welch ein schönes Kind! Titel entspricht 1. Vers(1765)

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Lucinden, welch ein schönes Kind!
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Das jeder Jüngling lieb gewinnt,
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Sucht ietzt ein zärtlicher Amynt
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Im Lieben oft zu unterweisen:
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Noch färbet, wenn er davon spricht,
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Ein sanftes Roth ihr hold Gesicht:
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Obs in acht Tagen noch geschicht?
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Das wird sich weisen.

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Cotill, ein junger Candidat,
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Sucht, da er noch kein Aemtgen hat,
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Gerecht zu seyn in Rath und That,
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Den Richtern herrlich anzupreisen.
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Durch den bestochenen Patron
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Trägt sein Verdienst ein Amt davon:
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Spricht er nun den Geschenken Hohn?
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Das wird sich weisen.

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Wie ärgert sich Belinde nicht,
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Wenn eine Frau Gesetz und Pflicht
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Und die geschworne Treue bricht!
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Da soll der Himmel sich zerreißen.
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Itzt reichet sie ihr Herz und Hand
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Dem jungen flatternden Cleant,
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Ist noch ihr Eifer vom Bestand?
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Das wird sich weisen.

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Selinde zieht den Bellamor
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Dem seufzervollen Lisidor
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In seinen heißen Wünschen vor:
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Er droht mit Gift, Pistol und Eisen:
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Man läßt ihn ungeschlossen gehn,
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Läßt alles ihm im Wege stehn,
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Ists um sein Leben nun geschehn?
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Das wird sich weisen.

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Jobst, der das Geld nach Scheffeln zählt,
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Dem der Verstand, nichts weiter fehlt,
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Geht, von dem edlen Stolz beseelt,
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Galant und klug zu seyn, auf Reisen:
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In Frankreich, Welschland, Engeland
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Wird bald der reiche Jobst bekannt:
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Kömmt er zurück reich am Verstand?
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Das wird sich weisen.

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Bey Römern, niemals leer vom Wein,
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Hör ich dort meine Nachbarn schreyn,
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Wer von den kriegenden Parteyn
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Noch sieget? Oestreich oder Preussen?
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Sie rufen mir entrüstet zu:
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»komm Bruder, komm, entscheide du!«
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Ich sag: ihr Narren, trinkt in Ruh,
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Das wird sich weisen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Felix Weiße
(17261804)

* 28.01.1726 in Annaberg-Buchholz, † 16.12.1804 in Stötteritz

männlich, geb. Weiße

deutscher Schriftsteller und Pädagoge

(Aus: Wikidata.org)

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