Säkulargesang beim Anfang des neunzehnten Jahrhunderts

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Johann Martin Miller: Säkulargesang beim Anfang des neunzehnten Jahrhunderts (1782)

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Wirf, schrecklichstes von allen, die noch waren,
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Wirf, blutbeflecktestes von allen Jahren,
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Wirf, o Jahrhundert, mir noch
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Eh' du entfleuchst, in unsre Welt zurück.

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Hör
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Blick nieder auf die Millionen Thränen,
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Die Deutschlands Flur, von Leichnamen gedüngt,
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Und Rhein und Donau blutgerötet trinkt.

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Hör, an der Hütt' und des Palastes Trümmern
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Hinauf zu Gott die Halberstarrten wimmern!
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Vernimm mit Schaudern, wie auf banger Flucht
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Der eine betet, dort der andre flucht!

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Und nun erheb, hinauf vom Kriegsgewimmel,
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Dich wieder zu des Allerbarmers Himmel,
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Der, uns zu zücht'gen, dich herabgeschickt!
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Auf, und erzähl ihm, was dein Aug' erblickt!

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Sag ihm, daß unter all den Millionen
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Von Bösen auch noch gute Menschen wohnen,
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Die, schlecht und recht, das
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Ringsum beglückt die ganze Welt zu sehn.

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Leg, an der Seite deiner ältern Brüder,
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Vor seinem Thron die tausend Seufzer nieder,
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Die, Jahre schon vom Kriegessturm verweht,
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Umsonst den Frieden uns herabgefleht.

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Dann senket sich im hellsten Morgenglanze,
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Die Schläf' umgrünt vom frischen Myrtenkranze,
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Den Palmzweig in der hochgehobnen Hand,
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Der Friedensengel aufs verheerte Land.

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Die Menschheit jauchzt mit lauten Herzensschlägen
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Dem Kommenden ihr Jubellied entgegen.
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Der Krieg durchbohrt wutknirschend sich die Brust,
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Und alles schwimmt in neuer Lebenslust.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Martin Miller
(17501814)

* 03.12.1750 in Ulm, † 21.06.1814 in Ulm

männlich, geb. Miller

deutscher Theologe und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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