Todeserinnerung

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Johann Martin Miller: Todeserinnerung (1773)

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Was du, Gott, auf Erden schufest,
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Trägt das Bild der Sterblichkeit;
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Und mit jedem Tage rufest
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Du Dem Menschen:
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Wenn die Sonnenstrahlen glühen,
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Und die Saat der Reifung lacht,
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Muß der Blume Schmuck verblühen,
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Die im Morgentau erwacht.

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Wenn des Herbstes Früchte reifen,
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O, so reifen sie dem Grab;
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Winde stehen auf und streifen
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Sie vom vollen Baum herab;
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Dann beginnt des Winters Stille,
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Wenn der Herbstwind ausgedroht,
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Und in weißer Leichenhülle
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Liegt umher die Schöpfung tot.

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Zwar im neuen Feierkleide
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Bricht der junge Frühling an;
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Und Gebirg und Thal und Heide
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Sind mit Blumen angethan;
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Bäume knospen auf und grünen,
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Weiße Blüte hüllt sie ein,
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Aber mitten unter ihnen
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Welkt der schönste Baum im Hain.

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Vögel singen uns im Kühlen
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Von der Seligkeit im Mai;
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Aber, eh sie ganz ihn fühlen,
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Stürzet sie ein schnelles Blei;
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Lämmer hüpfen sonder Sorgen
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Durchs beblümte Rosenthal;
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Aber – arme Lämmer! morgen
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Sättigt ihr den Mörderstahl.

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Kinder brechen, wo sie gehen,
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Blumen sich zu Kränzen ab;
35
Aber unvermutet stehen
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Sie auf der Gespielen Grab.
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Wenn sich in erhellten Hallen
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Jünglinge des Tanzes freun,
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Und die Pauke tönt, erschallen
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Plötzlich Todesglocken drein.

41
Ach, mit jedem Tage nahen
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Wir uns der Vergänglichkeit!
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Ach, uns alle zu empfahen,
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Ist ein weites Grab bereit!
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Darum laßt uns himmlisch denken!
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Und von stiller Unschuld voll,
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Unsern Geist zum Himmel lenken,
48
Wo er ewig bleiben soll!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Martin Miller
(17501814)

* 03.12.1750 in Ulm, † 21.06.1814 in Ulm

männlich, geb. Miller

deutscher Theologe und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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