Schlaf deinen letzten Schlummer, Tyrann! Mit ihm

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Johann Martin Miller: Schlaf deinen letzten Schlummer, Tyrann! Mit ihm Titel entspricht 1. Vers(1774)

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Schlaf deinen letzten Schlummer, Tyrann! Mit ihm
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Fleucht Ruh auf ewig! Träume zum letztenmal
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Dich glücklich! Ha! Du lachst! Erschien dir,
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Noch ungeboren, ein neuer Frevel?

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Lach nur, und zwing die Hölle zum Lachen mit!
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Bald wird sie heulen! stürzen vom Throne bald,
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Den du, mit ihr im Bund', auf Schädeln
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Freier, verratener Völker bautest!

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Ihr Blut zu trinken, zogst du die Menschheit aus,
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Schufst Tier' aus Menschen, daß sie dir huldigten!
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Da krochen um den Thron sie, bebten
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Vor des erschaffenen Gottes Allmacht!

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Wie Meeresstrudel gierig das Schiff verschlingt,
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Und wieder ausspeit: Also versammelte
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Dein Thron die Laster, Ströme stürzten
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Sich in den hallenden weiten Abgrund!

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Daß deine Burg ein brausender Becher ward
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Voll heißer Lüste, der sich mit wildem Strom
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In alle Land' ergoß, daß thränend
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Engel ihr heiliges Antlitz wandten!

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Von dir vergiftet, schleichen Gerippe dort
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Auf allen Straßen, fluchen im Tode dir,
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Wenn meine Brüder sie zur Rache
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Führen in deiner Vertrauten Abgrund!

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Schau, vor den Mauren schmachtet das Land umher;
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Verdorrte Bäume starren gen Himmel auf;
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Im Weinberg stehn verwaiste Stäbe,
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Blühende Disteln auf ödem Fruchtfeld!

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Denn unterm Roß des Jägers erstirbt die Saat;
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Und was der Huf des rasenden Heers verschont,
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Zerwühlt das Wild, das deiner Mordlust
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Du für den kommenden Morgen hegtest!

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In leeren Hütten schmachtet – du raubtest ihr
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Den Mann – die Witwe; weinende Kinder flehn
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Um Brot, das du, dein Vieh zu nähren,
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Ihr aus den zitternden Händen rissest!

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Dort jammern nackte Pflüger am rostenden,
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Stierlosen Pfluge! Jener mit fremdem Stier
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Pflügt schaudernd seines Sohns Gebein auf,
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Den in der rasenden Schlacht du würgtest! –

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Wie oft, Tyrann, erhub ich mein Schert! Wie oft
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Gab ich's dem Sohn der Freiheit! Er blutete!
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In Wolken hüllt' ich mich, und blickte
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Sehnend der säumenden Rach' entgegen!

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Sie kömmt! sie kömmt! Erwache! Schon ist sie da!
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Laut hebt im Himmel blutige Klage sich!
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Erwache! Ha! Du röchelst! Weit thut,
48
Dich zu empfahn, sich der Hölle Schlund auf!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Martin Miller
(17501814)

* 03.12.1750 in Ulm, † 21.06.1814 in Ulm

männlich, geb. Miller

deutscher Theologe und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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