Lied einer Kostgängerin, an eine Nonne

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Johann Martin Miller: Lied einer Kostgängerin, an eine Nonne (1773)

1
Du wurdest Mutter mir, als ich
2
Die Teure sah erblassen;
3
Nun soll ich, ach, auf ewig dich,
4
Und diesen Ort verlassen!

5
Aus einer Welt, wo Trug und Tand
6
Sein wildes Reich verbreitet,
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Ward ich, an eines Engels Hand,
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Zu dir hieher geleitet.

9
Da lehrtest du mein Herz allein
10
Nach Jesu Liebe trachten,
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Und aller Erde goldnen Schein
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Für eiteln Flitter achten.

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O, wie so oft die Seele mir
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In heißer Flamme glühte,
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Wenn ich in stiller Nacht mit dir
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Vor Seinem Kreuze kniete!

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Von Lieb' und Inbrunst angefüllt,
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Vernahm ich deine Lehren,
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Und sah sich Seiner Mutter Bild
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Im deinigen verklären.

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Es kam zu mir im Traum, es glich
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An Milde deinen Mienen;
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Wies auf ein Kreuz, und warnte mich,
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Nicht mehr der Welt zu dienen!

25
Und, ach! ich soll die Warnung nicht
26
Der Hochgelobten hören;
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Soll, wider meinen Gott und Pflicht,
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Aus dieser Zelle kehren!

29
Soll in die Welt, auf deren Pfad
30
So leicht die Tugend gleitet,
31
Wo nicht dein Beispiel, nicht dein Rat
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Mich, als ein Engel, leitet!

33
O bitte du für mich! Du bist
34
An ihn als Braut vermählet;
35
Bitt ihn, daß mein er nicht vergißt,
36
Wenn ihn mein Herz verfehlt!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Martin Miller
(17501814)

* 03.12.1750 in Ulm, † 21.06.1814 in Ulm

männlich, geb. Miller

deutscher Theologe und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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