Lied einer Nonne

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Johann Martin Miller: Lied einer Nonne (1773)

1
Ach, du lieber Mond! wie helle
2
Scheinest du in diese Zelle,
3
Wo, auf ewig eingemaurt,
4
Gottes Anverlobte traurt!

5
Aber leiser, meine Klage!
6
Daß kein Laut das Glück verjage,
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So in Träumen mild und süß,
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Sich zu Schwestern niederließ.

9
Schlummert, o geliebte Seelen!
10
Ich will mich alleine quälen;
11
Will, im stillen, meiner Pein
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Jammernde Vertraute sein.

13
Schlummert ihr auch, deren Härte
14
Mich in diesen Kerker sperrte!
15
Vater! Mutter! schlummert ein!
16
Jesus will, ich soll verzeihn.

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Aber fromme, sanfte Klagen
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Kann mir Jesus nicht versagen;
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Schuf er meine Seele doch
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Nicht für dieses schwere Joch!

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Jeder Vogel darf im Freien
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Sich mit seinesgleichen freuen;
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Jedes Würmchen, noch so zart,
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Spielt mit Würmchen seiner Art.

25
Noch im späten Mondenglanze
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Drehen Mücken sich im Tanze;
27
Alles freuet inniglich
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Dein, o süße Freiheit, sich!

29
Nur uns armen, guten Seelen
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Soll dein Glück auf ewig fehlen;
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Allen Freuden unbekannt,
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Hat uns Wahn hieher gebannt!

33
An den heiligen Altären
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Mußt' ich jeder Lust entschwören;
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Mutter Gottes! Ach, ich schwur!
36
Und ich brach, ich brach den Schwur!

37
Diese Seufzer, diese Blicke
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Schmachten nach der Welt zurücke;
39
Sehnen wiederum von hier,
40
O Clarissa, sich zu dir!

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Du, an meiner Brust erzogen,
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Ach, ich bin, ich bin betrogen!
43
Was man mir so schön gemalt,
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Ist des Jammers Aufenthalt.

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Weine, Freundin! Ach vergebens
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Freut' ich mich mit dir des Lebens;
47
Und der Welt, die voller Pracht
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Allen, nur nicht mir, gelacht!

49
Rosen pflanzt' ich; eh' sie blühen,
50
Werd' ich diesen Jammer fliehen.
51
Pflücke sie vom Strauch herab,
52
Und bestreue mir mein Grab!

53
Weine Freundin! Diese Blicke
54
Schmachten nach der Welt zurücke.
55
Mutter Gottes! ach, ich schwur!
56
Und ich brach, ich brach den Schwur!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Martin Miller
(17501814)

* 03.12.1750 in Ulm, † 21.06.1814 in Ulm

männlich, geb. Miller

deutscher Theologe und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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