Lied eines Leipziger Magisters

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Johann Martin Miller: Lied eines Leipziger Magisters (1772)

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Ein jedes Ding hat seine Zeit,
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So auch das Liedersingen;
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Drum will ich euch, ihr Musen, heut
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Mein letztes Opfer bringen.
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Das Glück, mit dem ihr uns beschenkt,
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Ist flatterhaft und eitel;
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Ich leb' in Niedrigkeit versenkt
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Und ohne Geld im Beutel.

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Was half es jede Messe mir,
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Zwölf Bogen anzufüllen?
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Ich schrieb, in Theokrits Manier,
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Die lieblichsten Idyllen:
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Sang in Horazens hohem Ton
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Bald Oden, bald Satiren,
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Und wußte, wie Anakreon,
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Das Barbyton zu rühren:

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Hatt' eine Epopö' gemacht,
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Und übertraf Homeren;
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Ließ mich nicht minder Tag und Nacht
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Bei Gellerts Grabe hören.
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Umsonst, es ließ mich jedermann
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In stillem Kummer schmachten,
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Und Rezensenten singen an,
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Mich gröblich zu verachten.

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Wohl! undankbares Vaterland!
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Das ich zu zärtlich liebte;
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Sieh! Hier vergehen sie im Brand,
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Die teuren Manuskripte.
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Du wolltest sie aus Blindheit nicht,
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Wie sie verdienten, lesen;
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Nun sieh mit weinendem Gesicht,
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Den teuren Schmuck verwesen.

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Der edlen Übersetzungskunst
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Will ich mich nun ergeben.
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Mehr kann sie, als der Musen Gunst,
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Sie kann uns Nahrung geben.
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O, möcht' ich eure Sprache doch,
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Ihr Britten, schon verstehen!
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Man sollte diese Messe noch
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Von mir ein Pröbchen sehen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Martin Miller
(17501814)

* 03.12.1750 in Ulm, † 21.06.1814 in Ulm

männlich, geb. Miller

deutscher Theologe und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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