Rühmt immer eure große Stadt

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Johann Martin Miller: Rühmt immer eure große Stadt Titel entspricht 1. Vers(1772)

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Rühmt immer eure große Stadt
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Und laßt ihr Lob erschallen!
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Mein liebes kleines Dörfchen hat
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Mir dennoch mehr gefallen.

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Hier muß ich ganze Tage lang
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Im öden Zimmer sitzen,
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Dort konnt' ich frei und ohne Zwang
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Die schönen Tage nützen.

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Am frühen Morgen konnt' ich gleich
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In meinen Garten hüpfen
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Und nach den Vögeln im Gesträuch,
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Ihr Nest zu finden, schlüpfen.

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Wenn ich ein Röschen offen sah,
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Wie pflegt' ich dann zu springen,
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Um es mit Freuden der Mama
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Zum Morgengruß zu bringen!

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Sie nahm es freundlich, küßte mich
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Für meine kleine Mühe
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Und sah mich an und freute sich,
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Daß ich nicht minder blühe.

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Da ging ich immer Hand in Hand
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Mit unsers Pachters Käthchen,
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Ihr gleicht im ganzen weiten Land
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Und in der Stadt kein Mädchen.

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Schön, wie ein Maientag, war sie,
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Geschäftig, wie ein Bienchen,
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Und speiste alle Morgen früh
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Im Hühnerhof die Hühnchen.

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Da sah ich allemal hinab.
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Oft dünkt' ich mich verborgen,
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Sie aber sah mich doch, und gab
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Mir freundlich guten Morgen.

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Ein Lämmchen, weißer noch als Schnee,
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Folgt' ihr am roten Bändchen,
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Wohin sie ging, und aß den Klee
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Aus ihren weißen Händchen.

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Die Blumen wuchsen schöner, die
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Mir unser Gärtner schenkte,
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Wenn das geliebte Mädchen sie
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Mit klarem Wasser tränkte.

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Ans kleine Schmerlenufer ging
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Sie oft mit mir zum Fischen,
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Und ließ, wenn ich ein Fischchen fing,
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Mitleidig es entwischen.

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Da zürnt' ich manchesmal mit ihr,
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Doch war es bald vorüber,
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Und nach dem Schmollen hatten wir
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Einander desto lieber.

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O dürft' ich, liebes Dörfchen, dich
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Nur einmal wieder sehen,
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Gewiß, die Städter sollten mich
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Sobald nicht wieder sehen!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Martin Miller
(17501814)

* 03.12.1750 in Ulm, † 21.06.1814 in Ulm

männlich, geb. Miller

deutscher Theologe und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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