Hüpfend, wie das Blut in deinen Adern, scherzet

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Christoph Martin Wieland: Hüpfend, wie das Blut in deinen Adern, scherzet Titel entspricht 1. Vers(1773)

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Hüpfend, wie das Blut in deinen Adern, scherzet,
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Chloe, deine Seel ihr Dasein hin;
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Keine Ahndung ferner Übel schwärzet
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Deinen freien unbewölkten Sinn;
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Alles, deucht dir, ist wie deine Wangen
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Rosenrot; gleich Liebesgöttern hangen
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Tausend Hoffnungen, von brütender Begier
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Sanft entfaltet, gaukelnd über dir.
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Jeder Wunsch, der mit Vergnügen schmeichelt,
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Scheint dir schuldlos: du erfuhrst noch nicht
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Daß der Schmerz sich oft zu Wollust heuchelt,
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Und die Hoffnung stets zu viel verspricht.

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Ach! warum, o Chloe, sind's nur Träume,
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Wenn die Phantasie, mit eitler Schöpfungskraft,
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Goldne Welten um uns her erschafft?
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Lauter Lust, wohin das Auge gafft,
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Lauter Rosen, lauter Myrtenbäume;
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Göttertisch von Grazien gedeckt,
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Nektar aus Tokay in allen Flüssen,
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Schlaf auf Schwanen, den zu stillen Küssen
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Amor oft, die Sorge niemals, weckt;
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Lauter Feste, Tänze, frohe Spiele,
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Lauter Unschuld, Eintracht, Zärtlichkeit,
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Kurz, der Menschen ganze Lebenszeit
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Ein Gewebe lieblicher Gefühle –
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Welch ein Traum! –

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»warum (so ruft, entzückt
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Von Nanett im kurzen Unterrocke,
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Tristram aus, indem des Mädchens schwarze Locke
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Sich im ungelernten Tanz entstrickt,
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Und ihr lächelnd Aug unwissend Liebe blickt)
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Ach! warum, du, dessen Wohlbehagen
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Unsre Freuden schafft und unsre Plagen,
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Kann nicht hier ein Mann sich in der Freude Schoß
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Niederlegen, tanzen, singen, und sein Pater sagen,
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Und gen Himmel mit Nanetten gehn?«

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Eitler Wunsch! vielleicht verzeihlich im Entstehn,
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Aber dem Gesetz der ernsten Weisheit – Sünde!
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Ein Verhängnis, dessen dunkle Gründe
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Wir vielleicht in bessern Welten sehn,
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Findt für
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Mischt in jeden Tropfen Lust geschwinde
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Zwei von Bitterkeit, gefällt sich, (wie es scheint)
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Jede Hoffnung
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Wenn zu unsern Wünschen alles sich vereint,
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Plötzlich zu verwehn, erfindet jedem Morgen,
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Der uns Lust verhieß, unvorgesehne Sorgen,
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Gibt die Unschuld oft der Bosheit, dem Betrug
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Preis, und lohnt die Treu mit einem Aschenkrug.

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Chloe, hoffe nicht, daß innerhalb dem Kreise,
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Der den Erdball von dem Sternenfeld
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Trennt, die
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Ach! sie sinkt nicht bis zur Unterwelt!
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Alle diese schönen Luftgesichte,
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Deren Name deine junge Brust
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Überwallend macht, sind bloße Schaugerichte,
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Leichte Träum unwesentlicher Lust!
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Nur von fern aus offnem Himmel sehn;
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Diesseits her versetzt, sind eure Früchte – Blätter,
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Die mit leerem Schmuck das Auge hintergehn!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christoph Martin Wieland
(17331813)

* 05.09.1733 in Oberholzheim, † 20.01.1813 in Weimar

männlich, geb. Wieland

deutscher Dichter, Übersetzer und Herausgeber der Aufklärung

(Aus: Wikidata.org)

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