»wie können Verse mit Acten sich vertragen?«

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Christoph Martin Wieland: »wie können Verse mit Acten sich vertragen?« Titel entspricht 1. Vers(1773)

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»wie können Verse mit Acten sich vertragen?«
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So hörten am Fuße des grinsenden Marsyas schon
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die Musen ihren Lieblingssohn,
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den Lehrer der schönen Kunst, die Mädchen zu fangen, klagen;
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so klagte am Arno der Sänger der schönen Angelica schon,
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so klagten Marino und Tasso – und, nichts von andern zu sagen,
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ich selbst, in meinen bessern Tagen,
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wie oft, wenn ich, wie sanft! in Musenarmen schlief,
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und plötzlich aus den lieblichsten Gesichten
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das heisre Glöckchen mich zur Ratsversammlung rief,
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um zwischen Trax und Stax zu schlichten und zu richten,
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wie oft, wenn ich bis an die Ohren tief
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in muffigten Papieren steckte
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und was ich suchte, mich oft halbe Tage neckte
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und wenn es mir schon in die Hände lief,
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wie Maros Galathee, flugs wieder sich versteckte:
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wie oft betäubt ich da mit diesem Klageton
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der holden Musen zarte Ohren?
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Und dennoch wurden mir, dem Bartelus zum Hohn,
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in jenen Tagen Agathon,
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Musarion, Endymion,
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der neue Amadis und Idris selbst geboren;
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verstohlner Weis erzeugt, und falls mich etwa nicht
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ein zärtlich Vorurteil zu ihrer Gunst besticht,
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nur desto glücklicher geboren!
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und eben weil Mama Natur
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zu ihrer süßen Zeugung nur
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die Augenblicke bald Auroren,
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bald später Nacht, und o! wie manchesmal
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den lieben goldenen
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um so viel glücklicher geboren!
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O Du, den gleich, wie Du den Tag erblickt,
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der Musen lieblichste an ihre Brust gedrückt,
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laß, edler Freund und Zögling der Camönen,
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mein Beispiel mit den Acten Dich versöhnen!
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laß ungehascht der Stunden Keine fliehn,
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wenn Themis – wie bei uns sich Frau Schicane nennet –
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Dir freie Atemzüge gönnet,
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und wenn ein Genius, Faun oder Amorin,
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Dich in die heilgen Schatten ladet,
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wo sich die Grazie im Aganippe badet.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christoph Martin Wieland
(17331813)

* 05.09.1733 in Oberholzheim, † 20.01.1813 in Weimar

männlich, geb. Wieland

deutscher Dichter, Übersetzer und Herausgeber der Aufklärung

(Aus: Wikidata.org)

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