An Karl August

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Christoph Martin Wieland: An Karl August (1773)

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Der König zu Sanct Ildefons
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versuchte – (den kleinen Reim auf ons
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bitt ich mir heute zu creditieren)
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sich Königlich zu divertieren,
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versuchte nicht mit mehr Geduld
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auf seinen
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als ich, – mit guter Art der Schuld
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des leidigen Gratulanten-Reigen
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bei
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auf meinen lahmen Pegasus,
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(nicht glücklicher als Carolus)
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mich aufzuschwingen heut versuchte;
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wiewohl ich Olymp und Tartarus
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auf gut poetisch zu Hülfe fluchte.
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Der Gaul zwar, wie ich rühmen muß
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stund frömmer als ein Palmtags-Esel –
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Hier fehlt mir, da der wackre Rösel
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bekannter maßen nur Keller Esel
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in seinem berühmten Insektenwerk
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geliefert, schon wieder ein Reim auf esel,
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so wie, wenn mir Herr Kriegsrat Merk
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nicht gleich zu Hilfe käm, auf werk.

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Ich seh aus diesem Reimen-Mangel,
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(und da ich, statt sie Scharenweis
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ins Garn sonst fliegen, mit Angst und Schweiß
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durch Rösel und Merk bis von Archangel
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die Reime zusammentreiben muß)
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daß selbst Hans Sachsens Genius,
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den ich zu Hülfe herbei zitiert,
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um meine Not sich wenig schiert.
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Ich bitte,
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Sie wolln an meinen Platz sich setzen,
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und hocherleuchtet ermessen und schätzen,
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wie unser einem zu Mute wird,
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der Tausend schöne Sachen zu sagen
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so schuldig als erbötig wär,
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und gleichwohl eher, ohne Zagen,
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gleich jenem edeln Schwabenheer
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sich gegen sechs Hasen mit Einem Speer
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getraute, als einen Reim zu erjagen.

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Indes, wer auch sonst nichts vermag
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vermag doch Wünsche am heutgen Tag.
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Es ist nicht viel, das weiß der Himmel!
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Allein, wer mehr hat, gebe mehr!
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Und also empfangen Sie,
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hiemit von mir
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(wofern's ein Schimmel war) auf dem
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die Söhne Haymons einst geritten,
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den Hippogryphen, der gar bequem
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auf Wolken geht, und Astolfen mitten
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ins Land des Mannes im Monde trug,
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und nebst der vogelschnellen Alfane
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das gute Schwert, die
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womit auf einen einzgen Zug
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Herr Carl, der große und weise Kaiser
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Armeen von Heiden nieder schlug;
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sodann das
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zu Boden warf mit seinem Ton;
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den
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den
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die Sense des frommen Roboaster,
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und, wenn der Wunsch den jedes Bürgerherz
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zum Himmel schickt, in diesen Scherz
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sich mischen darf, – zum Unterpfand
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Gemeiner Wohlfahrt diesem Land,
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als Erben von Vater- und Mutter-Tugend
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bald einen tapfern

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christoph Martin Wieland
(17331813)

* 05.09.1733 in Oberholzheim, † 20.01.1813 in Weimar

männlich, geb. Wieland

deutscher Dichter, Übersetzer und Herausgeber der Aufklärung

(Aus: Wikidata.org)

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