Wen Du, o Muse, da er geboren ward

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Christoph Martin Wieland: Wen Du, o Muse, da er geboren ward Titel entspricht 1. Vers(1773)

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Wen Du, o Muse, da er geboren ward,
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Lächelnd umfingest, den wird kein Siegesgeschrei
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Mit Lorbeern, die vom Blut der Feinde
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Tauen, bekrönt, durch das Schlachtfeld führen.

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Daß ihm die Nachwelt bei den Erobrern seh,
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Klagt keine Mutter, eilt aus des Mädchens Arm,
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Das ihm nachweint, kein Jüngling
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Hin in die Schlacht, sein Blut zu strömen.

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Noch da er kindisch sich um den Busen schmiegt,
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Oft mit Entzückung mütterlich angeweint,
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Fühlt er schon mehr als andre, tönet
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Etwas harmonisches in seinem Weinen.

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Da schon empfindt er lächelnder Blicke Kraft,
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Da wird sein Herz in ihren Umarmungen
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Nach dem Herzen der Mutter gebildet,
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Zärtlich und schön, wie ein junger Amor.

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Oft stehst du denn in Stunden der Mitternacht,
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Erato, bei ihm; wenn itzt die Mutter müd
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Ihn zu umarmen, eingeschlummert,
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Und ihn in Träumen schon glücklich siehet.

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Da stehst du bei ihm, wehst in sein offnes Herz
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Mit Zephyrlippen deine Empfindungen.
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Formst in der wächsernen Brust des Säuglings
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Jeglichen Trieb, dir einst nachzufühlen.

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Ihn trägt die hohe einsame Bahn dereinst
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Auf Flaccus Spuren, oder den Hainen zu,
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Wo dein unsterbliches Lied, o Maro,
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Durch die Homerischen Lorbeern rauschet;

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Oder in Täler hin zu dem Silberquell,
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Der, wie dein Trinklied, Sänger von Teos, fließt,
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Oder wie deines Mädchens Küsse,
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Wenn du, von ihnen berauscht, geraset.

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Denn lehrt ein Mädchen, welches der Doris gleicht,
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So schön, mit Augen, die so begeisternd sind,
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Ihn umarmend, die Liebe singen,
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Und dich, o Unschuld, der Liebe Schwester.

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Er übt die Haine, wenn sie der Morgen grüßt,
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Oder wenn auf den Auen der Frühling schläft,
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Den Ruhm der Tugend nachzuhallen.
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Menschen sind taub, doch ihm horcht der Seraph!

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Ihn wird die Nachwelt, wenn seine Stimme schon
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Sich den Gesängen Englischer Harfen mischt,
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Hören, ihn segnen, seine Hymnen
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Vor dem nachahmenden Jüngling spielen,

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Welcher, sie hörend, sich hingezücket fühlt,
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Göttlich zu singen. Auch weint bei seinem Lied
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Einst manch jugendlich weiches Mädchen,
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Zärtlich wie Doris, und liebt den Sänger.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christoph Martin Wieland
(17331813)

* 05.09.1733 in Oberholzheim, † 20.01.1813 in Weimar

männlich, geb. Wieland

deutscher Dichter, Übersetzer und Herausgeber der Aufklärung

(Aus: Wikidata.org)

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