Ode an Schinz

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Christoph Martin Wieland: Ode an Schinz (1773)

1
Wenn du Daphnen umarmst, und ihr geliebtes Aug
2
Alles, was Sie empfindet, sagt,
3
Und vor himmlischer Lust, Freund, dein gefühlvoll Herz
4
An dem Herzen der Freundin bebt,
5
Wenn dein Blick itzt an ihr voller Entzückung hängt,
6
Sieht, wie Unschuld und Zärtlichkeit
7
Jede Miene belebt, wenn Du, in ihrem Kuß
8
Ganz gesättigt, zu groß dich fühlst,
9
Goldne Wünsche zu tun; sprich mein Geliebtester,
10
Wenn, von Daphnen geliebt zu sein,
11
Wenn der große Gedank ganz deine Seele füllt,
12
Und kein Trieb ist, den Daphne nicht
13
Ganz beruhiget hat, fühlst du, o Schinz, dann nicht
14
Diesen einzigen Wunsch in dir:

15
»möchtest Du auch hier sein, der du mich ferne liebst,
16
Der du fern von Sophiens Arm
17
Dein Verhängnis beweinst, und noch die Tränen mehr,
18
Die die himmlische Freundin weint,
19
Möchtest du auch hier sein! Wärst Du der Seligkeit
20
Zeuge, die itzt mein Leben krönt,
21
Jener, deren Gestalt sich vor dein wünschend Herz
22
Stellte, da du Balsoren sangst!
23
Wäre die auch bei uns, die du so zärtlich liebst,
24
Die so himmlisch dich wiederliebt!
25
O, was fühlten wir dann, Wieland, was fühlten wir!
26
O, wie zärtlich umarmten sich
27
Unsre Freundinnen dann! o, wie umarmten wir
28
Uns bei ihren Umarmungen!
29
Auch der segnete dann unsrer Empfindung zu,
30
Dessen Nam uns zur Tugend weckt,
31
Mit Sokratischem Blick lächelte Bodmer oft
32
Unsrer edleren Liebe zu.
33
O dann fänd uns die Ruh mit der ätherschen Lust
34
In gesangvollen Hainen gehn,
35
Unter Lauben, wo gern, weil sie die Einfalt liebt,
36
Sich die Weisheit zur Freundschaft findt.
37
O dann wären wir, Freund, seliger, als voreinst
38
Die Bewohner Arkadiens,
39
Wo die Unschuld und Lust lächelnder Nymphen Reihn
40
Zu harmonischen Tänzen rief.«

41
Wünscht dein Herz nicht so, wenn Du in Daphnens Arm
42
Mehr die Triebe nach Freunden fühlst?
43
Ja, so wünschet mein Schinz! ach! warum hörest Du
44
Unsre weiseste Wünsche nicht,
45
Der du niemals gehört, daß ein gemeiner Wunsch
46
Mein erhabneres Herz entweiht!
47
O! wie wären wir dann glücklich! dann wünschten wir
48
Nimmer! heitre Zufriedenheit,
49
Wie die Liebe sie schenkt, breitete dann um uns
50
Ihre Schwanengefieder aus,
51
Jede Stunde, die wir lebten, der gäbest Du,
52
Weisheit, neuen verschiedenen Reiz;
53
O! wir lebten dann so, wie man der Ewigkeit
54
Und der nähern Gottheit lebt!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Christoph Martin Wieland
(17331813)

* 05.09.1733 in Oberholzheim, † 20.01.1813 in Weimar

männlich, geb. Wieland

deutscher Dichter, Übersetzer und Herausgeber der Aufklärung

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.