Ode. An seine Freundin

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Christoph Martin Wieland: Ode. An seine Freundin (1773)

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Doris, fühle dies Lied, fühl in der Ferne selbst
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Wie dein Thyrsis itzt fühlt, hohe Empfindungen,
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Gleich dem Gefühl des Dämons
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Wenn er die himmlische Nymphe küßt.

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Sanft, mit stiller Gewalt, fasse die zarte Brust
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Die Bewegung die itzt, Göttliche, mich ergreift,
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Von sympathetischen Freuden
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Bebe dein Herz und empfind wie ich.

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Welche Ruhe, die sich über mein Herz ergießt?
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Welche Himmel von Lust wo sich mein Blick verläuft?
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Doris, dich denkt mein Geist nur!
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Dich und die himmlische Liebe nur.

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Tod ist ihm itzt die Welt, kein Geschöpf ist ihm mehr,
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Du, du winkest ihm itzt, lächelnder Himmel, nicht,
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Kein einladender Abend
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Nimmt mich in tauende Schatten ein.

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Dein Olympisches Lied tönt nicht mehr in mein Ohr
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Du, bei dem ich so oft meinen Virgil vergaß,
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Der du in Harfen der Engel
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Den erhabnen Messias singst!

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Doris bleibt mir allein aus der Unendlichkeit
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Deiner Bildungen, Gott, ist Sie allein mir noch,
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Füllt die Schönste der Seelen
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Ganz dies ihr nur geschaffne Herz.

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O wie wallt es so sanft! o wie befriediget
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Schlummern tief in der Brust alle Begierden ein,
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Und die schauende Seele
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Göttliche Schöne, hängt ganz an dir!

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Wie Dein himmlischer Geist jeglichen Blick belebt!
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Wie im redenden Aug, ach! im so schönen Aug!
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Sich sie Seele enthüllet
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Die So zärtlich und edel denkt?

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Wie den blühenden Leib Anmut und Huld umfließt?
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War nicht Eva so schön, da ihr entstehend Bild
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Zur begeisterten Seele
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Göttlicher Milton! herunter stieg?

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O! wie liebt dich dein Freund? o wie beglückst du ihn!
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Wenn dein Hyblischer Mund sich seinen Küssen beut,
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Und die Sanftzitternde Lippe
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Gleich der Rose in Knospen schwellt.

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Wenn mein freudiger Blick an deinen Blicken hängt
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Und die Seligkeit sieht, die itzt dein Herz umfaßt,
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Freuden erhabnerer Sphären
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Die kein Sklave der Erden kennt.

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O! wie ist er entzückt? o wie begeisternd glänzt
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Ihm dein himmlisches Aug und das zufriedne Rot
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Das die Wangen umfließet
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Und im Munde noch frischer blüht.

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Doch wenn einst dieser Glanz in deinen Augen lischt,
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Wenn der ernstliche Tod Schönheit und Grazien,
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Von dem geliebten Leibe,
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Den Sie lange bewohnten, treibt,

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Doris, ja wenn du einst in meinen Armen stirbst
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Wenn dein Auge nun bricht, wenn diese Lippen mir
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Nun zum letztenmal lächeln,
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Und mein gleichfalls erblaßter Leib

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Hinsinkt, wenn wir alsdann freudig, dem Leben zu
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Dieser Erden entfliehn, wenn dann mein reiner Geist
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Mehr dem deinigen gleichet
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Und nun bald so seraphisch wird.

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Wenn ein himmlischer Leib uns itzt umfließt, und wir,
62
Aufgelöst in der Lust neuer Umarmungen,
63
Kein Elysium sehen,
64
O wie werden wir selig sein!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christoph Martin Wieland
(17331813)

* 05.09.1733 in Oberholzheim, † 20.01.1813 in Weimar

männlich, geb. Wieland

deutscher Dichter, Übersetzer und Herausgeber der Aufklärung

(Aus: Wikidata.org)

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